Kartellklage in den USA Deutsche Autobauer sollen Milliardenschaden angerichtet haben

Kläger haben gegenüber der US-Justiz erstmals konkret beziffert, wie hoch sie ihre Einbußen durch die Kartellabsprachen deutscher Autobauer schätzen. VW, Audi, Porsche, Daimler und BMW droht ein kostspieliger Vergleich.

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Über zwei Jahrzehnte sollen deutsche Autohersteller über die Entwicklung ihrer Fahrzeuge, Kosten, Zulieferer und Märkte Absprachen getroffen haben, wie der SPIEGEL im Sommer 2017 enthüllte.

Bereits wenige Monate nach den Enthüllungen hatten zahlreiche Autokunden in den USA Klagen eingereicht, die zu einer Sammelklage gebündelt wurden. Die Käufer von Pkw fühlen sich durch die möglichen Absprachen geschädigt. Seit den Neunzigerjahren hätten sie Fahrzeuge zu Preisen erworben, die weit über deren eigentlichem Wert gelegen hätten. Nun hat die Kanzlei Pearson, Simon & Warshaw, die stellvertretend für alle möglicherweise Geschädigten zum Klageführer ernannt worden war, die gebündelte Klage eingereicht.

Die Firmen hätten "sich zusammengetan, um Preise zu erhöhen, festzusetzen oder zu stabilisieren und den Wettbewerb einzuschränken", heißt es in dem Schriftstück. Die Autobauer hätten ihren Kunden vorgegaukelt, sie würden überlegene Qualität und Technologie "Made in Germany" bezahlen. In Wahrheit aber hätten die Konzerne durch die Kartellabsprachen Innovationen verhindert - und durch die Aushöhlung des Wettbewerbs überhöhte Preise verlangen können.

Maximalforderung bis zu 60 Milliarden Dollar

Die Kläger nennen erstmals auch einen konkreten Wert für die Preisaufschläge. Basierend auf einer wirtschaftlichen Analyse argumentieren sie, die Autobauer hätten pro Jahr einen zusätzlichen Umsatz von 450 Millionen bis zu einer Milliarde Dollar erzielt, der nicht auf besonderem Markenwert, technischen Besonderheiten oder anderen echten Vorteilen basierte.

Über 20 Jahre gerechnet läge demnach der Schaden bei bis zu 20 Milliarden Dollar. Die maximale Forderung, die auf die Hersteller auf Basis dieser Rechnung zukommen könnte, beliefe sich sogar auf bis zu 60 Milliarden Dollar, da US-Recht erlaubt, das bis zu Dreifache des eigentlichen Schadens geltend zu machen.

Die Autohersteller können nun bei dem zuständigen Gericht in Kalifornien ihre Argumente vorbringen und beantragen, die Klage zurückzuweisen. Weist der Richter einen solchen Antrag ab, kommt es in der Regel zu einem Vergleich. Der könnte für VW und Co. teuer werden, auch wenn die Vergleichssummen meist weit unter der Maximalforderung der Kläger liegen.

Ob die Schadensersatzklagen Erfolg haben, dürfte auch vom Verlauf des Kartellverfahrens abhängen, das die EU-Kommission gegen die Autohersteller führt und auf das sich die Schadensersatzkläger berufen. Daimler und VW hatten in der Sache Selbstanzeigen bei der EU erstattet.



insgesamt 51 Beiträge
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Tante_Frieda 16.03.2018
1. Ja,ja,die Sammelklagen
Ja,ja,die Sammelklagen - nicht immer,aber häufig eine Möglichkeit,in Amerika etwas für die eigene Vermögensbildung zu tun.Das gilt für die Anwälte,die sich als Menschheitsbeglücker aufspielen,tatsächlich aber nur die eigene Gewinnbeteiligung im Sinn haben,die bei einem gewonnenen Prozess winkt.Das gilt aber ebenso für die für einen Prozess nötigen Kläger,die - wer erinnert sich nicht daran - nach zwanzig Jahren des Rauchens "plötzlich" bemerken,dass Zigaretten schädlich sein könnten.So sehr ich das Verhalten der Autokonzerne missbillige,so scheinheilig und damit ebenso abstoßend finde ich auch die Masche der Klageritis.Im Gewand der Moralisten will man sich jetzt schnell noch einen Riesenbatzen Geld von den Herstellern abholen - das ist es doch,um was es dabei wirklich geht.
prophet46 16.03.2018
2. Winkeladvokaten
Da scheinen wieder ein paar gierige Winkeladvokaten in den USA ein Thema gefunden zu haben. Dies sollte eine Warnung sein, so etwas wie Sammelklagen in Deutschland nicht zu zulassen. Es wäre der Untergang der Industrie Geschädigte würden kaum etwas bekommen, die Anwälte würden das meiste einstecken.
derhey 16.03.2018
3. Ja sicher
Winkeladvokaten - wer sich aber auf sowas einläßt muß eben auch damit rechnen, die Winkeladvokaten gibt es ja nicht erst seit heute. Mal wieder Ursache und Wirkung verwechselt. Vielleicht sind die Bosse ja lernfähig - nur mir fehlt der Glaube, letztendlich zahlt ja eh der Kunde. VW ging es noch nie so gut wie mit dem Dieselskandal. Man könnte fast meinen, es war ein Werbegag.
Actionscript 16.03.2018
4. Verbraucherschutz
Zitat von prophet46Da scheinen wieder ein paar gierige Winkeladvokaten in den USA ein Thema gefunden zu haben. Dies sollte eine Warnung sein, so etwas wie Sammelklagen in Deutschland nicht zu zulassen. Es wäre der Untergang der Industrie Geschädigte würden kaum etwas bekommen, die Anwälte würden das meiste einstecken.
Bei solchen Klagen, wenn Firmen involviert sind, gibt es ganz schnell Vergleiche. Denn die Firmen wollen ihre Reputation behalten, die sie durch einen öffentlichen aufwendigen Prozess verlieren würden. In den USA wird dies Verbraucherschutz genannt, was es ja in Deutschland offensichtlich nicht gibt. Dann trauen sich Firmen nicht so wie in Deutschland, die Verbraucher zu betrügen.
C.Rainers 16.03.2018
5. Kartellabsprachen zu Lasten der Kunden haben die doch hier
auch getroffen.Nur ist das deutsche Recht ja ziemlich Unternehmerfreundlich. Wo kommen denn die Milliardengewinne der deutschen Autokonzerne her, daß die sich so Sperenzchen und Schadenersatz wie in den Staaten leisten können? Alles vom deutschen Dödel-Michel bezahlt. Die LKW Kunden haben ja schon versucht ordentlich Schadenersatz von den Konzernen zu erstreiten,aber in Deutschland muß man als Kläger ja belegen wie hoch der Preis ohne Kartellabsprache gewesen wäre. Ziemlich aussichtslos. Da ist die Umkehr der Beweislast wie in den Staaten schon Kundenfreundlicher und aussichtsreicher. Also mir werden die selbstgerechten und abgehobenen Automanager mittlerweile genauso unsympathisch wie die Bankverbecher
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