Oxfam-Studie US-Konzerne schaffen Billionen Dollar in Steueroasen

US-Unternehmen schleusen immer größere Summen am Fiskus vorbei. Einer Studie zufolge haben die 50 größten Konzerne im Jahr 2015 1,6 Billionen Dollar in Steueroasen geparkt - und mehr in Lobbyarbeit investiert.

Steueroase Britische Jungferninseln
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Steueroase Britische Jungferninseln


Von Alphabet und Apple über Coca-Cola und GM bis zu Wal-Mart und Walt Disney: Die 50 größten US-Konzerne vermeiden es zunehmend, Steuern zu zahlen - und schleusen gigantische Geldbeträge an den Steuerbehörden vorbei. Eine Studie der Entwicklungsorganisation Oxfam zeigt, dass die untersuchten Firmen im Jahre 2015 Gewinne in Höhe von rund 1,6 Billionen Dollar in Steueroasen geparkt haben - so viel wie die jährliche Wirtschaftsleistung Kanadas. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Anstieg um rund 200 Milliarden Dollar.

Für die Analyse hat Oxfam America gemeinsam mit Wirtschaftsforschern vom Institute for Taxation and Economic Policy Steuererklärungen und andere öffentlich zugängliche Berichte der Unternehmen ausgewertet.

Demnach haben sich die US-Konzerne eines Netzwerks von mehr als 1750 Tochterfirmen und Zweigniederlassungen bedient, um die Gewinne zu verschieben. Als Steueroasen definiert die Studie Offshore-Finanzzentren, die Unternehmen mit niedrigen oder gar keinen Steuern locken und durch mangelnde Kooperation beim internationalen Bemühen gegen Steuervermeidung auffallen.

2,5 Milliarden Dollar für Lobbyarbeit

Oxfam weist darauf hin, dass sich die Firmen mit diesen Strategien in einem legalen Rahmen bewegten. Die Analyse zeige jedoch, dass das Steuersystem es Konzernen ermögliche, sich um ihren fairen Beitrag zum Gemeinwohl zu drücken. Statt des gesetzlich vorgeschriebenen US-Steuersatzes von 35 Prozent hätten die untersuchten Unternehmen dank verschiedener Schlupflöcher im Schnitt nur 25,9 Prozent gezahlt. Andere Analysen kommen zu noch niedrigeren Werten.

Zudem bemühen sich die Firmen laut Oxfam zunehmend um politische Einflussnahme. Zwischen 2009 und 2015 hätten die untersuchten Unternehmen 2,5 Milliarden Dollar für Lobbyarbeit in Richtung der US-Regierung ausgegeben, davon seien 325 Millionen für Steuerfragen aufgewendet worden. Das Problem betreffe aber nicht nur die USA, sagte Oxfam-Steuerexperte Tobias Hauschild. "Bei internationalen Konzernen ist Steuervermeidung mittlerweile Volkssport."

Die Firmen prellten die Staaten dadurch um Mittel, die diese für Bildung, Gesundheitsversorgung und Infrastruktur bräuchten. Oxfam forderte, dem einen Riegel vorzuschieben. Es könnten beispielsweise Strafsteuern auf solche Transaktionen erhoben werden.

Die von US-Präsident Donald Trump und den Republikanern geplante Steuerreform dürfte das System laut Oxfam eher noch ungerechter machen. Statt Großkonzerne in die Pflicht zu nehmen, würden diese zulasten der Unter- und Mittelschicht noch weiter begünstigt. Die Organisation fordert, Unternehmen weltweit zu mehr Steuertransparenz zu verpflichten und mit Sanktionen gegen Steueroasen den "ruinösen Wettlauf um Niedrigsteuergesetze" aufzuhalten.

nck/Reuters/dpa

insgesamt 144 Beiträge
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Klausinspace 12.04.2017
1. Sehr clever...
.. zumindest nach der Lesart des Präsidenten, der bis heute seine eigene Steuererklärung nicht veröffentlicht hat. Bei solchen Vorbildern darf man sich denn auch nicht wundern.
valmel 12.04.2017
2. Lobbyausgaben können sich US-Firmen künftig sparen
Seit dem der größte Lobbyist Chef des Ladens wurde.
frankfurtbeat 12.04.2017
3. wenn ...
wenn Konzerne diese Steuererleichterungen zu Lasten der kleinen Konsumbürger legal nutzen können läuft es falsch. Beispielsweise könnte man diese Unternehmen jährlich an den Pranger stellen und Produkte mittels inländischen Sonderbelastungen versehen um damit am Umsatz bzw. der Marge schrauben bis es weh tut bzw. der Steuervorteil dahinschmilzt. Ziemlich schnell wäre der legale Sumpf ausgetrocknet. Auch wenn es legal ist finde ich diese Geschäftsgebaren widerlich ...
vulkaneifler 12.04.2017
4. Nana
Das Passt doch das kapital zahlt wenig steuern und hat nun den richtigen Mann an der Spitze der schon wusste warum er seine Steuererklärung nicht veröffentlichte . Vielleicht hat er ja auch??? Aber jetzt werden eben die Gesetze angepasst, Fazit==== ( die Kuh hat ihren Metzger selbst gewählt)
hefe21 12.04.2017
5. Hidding Champions
Da fragen wir doch einmal mehr: findet dieses, ohnehin seit Jahren bekannte, Versteckspiel von Umsatz und Erträgen amerikanischer Wirtschaftsleistung reziproken Eingang in die Exportüberschussstatistiken, die periodisch so erregt publiziert werden? Bzw. in die dann vielleicht nicht mehr Defizitausweisungen der Amerigauner. Und dass die genannten US-Quasimonopolisten das Geld über Schuldenkonstruktionen heim ins Reich führen, auch das ist ja zur Genüge dokumentiert. Denn von irgendwas muss z.B. das bescheidene neue Headquarter der Apfelbauern aus Cupertino bezahlt werden und auch die Gehaltsinfrarstruktur von LA und SF, die wie meist am Immobiliensektor am zuverlässigsten abgelesen werden kann, muss beständig gespeist werden.
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