Forderung der Börsenaufsicht: US-Konzerne sollen Gehaltsvorsprung der CEOs veröffentlichen

Zwischen den Einkommen von Mitarbeitern und Firmenchefs klaffen riesige Lücken: Diese sollen US-Firmen nun offenlegen, bestimmt die Börsenaufsicht SEC. Wie die Vergütungskennziffer ermittelt werden soll, ist allerdings noch nicht endgültig geklärt.

Die Skyline Manhattans: Viele große US-Konzerne haben hier ihren Sitz Zur Großansicht
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Die Skyline Manhattans: Viele große US-Konzerne haben hier ihren Sitz

Washington - In den USA sollen Unternehmen künftig offenlegen, wie hoch die Bezahlung der Firmenchefs im Vergleich mit der Belegschaft ausfällt. Dies sehen neue Vorgaben der Börsenaufsicht SEC vor, die am Mittwoch mit knapper Mehrheit beschlossen wurden. Frühestens in zwei Monaten könnten die Regeln aktiv werden.

Geplant ist demnach die Einführung einer Vergütungskennziffer, der sogenannten "CEO pay ratio". Diese soll zeigen, um wie viel der Chief Executive Officer (CEO) mehr verdient als die Beschäftigten. Von den Firmen wird verlangt, dass sie den Median des jährlichen Gesamtverdiensts ihrer Mitarbeiter bekanntmachen. Dies ist nicht der Durchschnitt sondern die mittlere Zahl, wenn man die Einkommen der Größe nach sortiert. Die Hälfte der Beschäftigten verdient also weniger, die Hälfte mehr - wie viel, darüber kann dieser Wert keine Aussage machen.

Die Firmen sollen diesen Wert dann zum Einkommen des CEO ins Verhältnis setzen. Ziel ist es, dass die Aktionäre Verdienst und Leistung des Unternehmenschefs besser miteinander vergleichen können. "Die Veröffentlichung der Vergütungskennziffer kann eine wertvolle neue Perspektive liefern bei Entscheidungen über die Entlohnung", sagte der den Demokraten angehörende SEC-Kommissar Luis Aguilar.

Die Neuerung ist hochumstritten - auch innerhalb der SEC. Von den fünf Kommissaren stimmten die drei demokratischen dafür, die beiden republikanischen dagegen. Letztere sprechen von einer überflüssigen Vorgabe, die Investoren keinen Nutzen bringe und nur politische Show sei, mit dem Nutzen, die CEOs öffentlichen zu beschämen.

Flexibilität bei der Ermittlung

Ähnlich argumentieren Wirtschaftsverbände. Ihrer Darstellung nach ist es zudem kostspielig und sehr aufwendig, die Daten zur Vergütung aller Beschäftigten zu sammeln und auszuwerten. Sie wollten daher erreichen, dass bei international tätigen Konzernen nur US-Mitarbeiter berücksichtigt werden.

Gewerkschaften dagegen begrüßen die Pläne der Aufseher. Die SEC reagiert mit ihrem Vorschlag auf Forderungen beider Seiten. So müssen die Firmen zwar die Vergütungen aller Beschäftigten - auch im Ausland und in Tochtergesellschaften - in ihre Kalkulationen miteinbeziehen. Zugleich aber wird ihnen eine gewisse Flexibilität eingeräumt, ob sie den Median aus der Gesamtheit der Beschäftigten oder einer Stichprobe berechnen.

Basis für die Entscheidung ist das sogenannte Dodd-Frank-Gesetz aus dem Jahr 2010. Damit soll als Reaktion auf die Finanzkrise der Bankensektor grundlegend reformiert werden. Für Empörung sorgten in den USA die hohen Managergehälter in der Branche, die mit Steuergeldern vor dem Kollaps gerettet wurde. Eine jüngst vorgelegte Untersuchung des Institute for Policy Studies kam zu dem Ergebnis, dass unter den 500 CEOs mit den höchsten Vergütungen 112 waren, deren Unternehmen zusammenbrachen oder Regierungshilfen erhielten.

mia/Reuters/AP

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insgesamt 12 Beiträge
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1. Toller Einfall
BettyB. 19.09.2013
Die Veröffentlichung von Gehaltslisten einschließlich aller Zulagen und Altersvergütungen wäre ein wichtiger Schritt für die Gleichbehandlung in Betrieben. Dazu gehörten natürlich auch die Gehälter aller angestellten Chefs. Allein im Unternehmen als Alleininhaber Tätige sollten davon ausgenommen bleiben. Dieses gilt sowohl für private als auch staatliche Unternehmen und Behörden.
2. Fauler Kompromiss
markushatt 19.09.2013
Wie so oft in der Gelddemokratie - Die Grundidee ansich ist gut, die Umsetzung voller Kompromisse, die im Prinzip die Grundidee auflößen.
3.
pepe_sargnagel 19.09.2013
Zitat von sysopÄhnlich argumentieren Wirtschaftsverbände. Ihrer Darstellung nach ist es zudem kostspielig und sehr aufwendig, die Daten zur Vergütung aller Beschäftigten zu sammeln und auszuwerten. US-Konzerne sollen Gehaltsvorsprung der CEOs veröffentlichen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/us-konzerne-sollen-gehaltsvorsprung-der-ceos-veroeffentlichen-a-923141.html)
Ist schon wirklich schwer die Daten zu sammeln. Heute verwendet ja kaum einer einen Computer und fast jeder bezahlt die Gehälter in bar oder in Scheckform aus - und die Auswertung ohne Computer ist auch nicht so leicht. Wenn amerikanische Firmen wirklich Schwierigkeiten beim Sammeln der Daten haben könnten Sie ja evtl. Hilfe von den Profis der NSA anfordern. Oder alternativ Computer anschaffen. Eine solche Investition lohnt sich durchaus, denn in fast allen anderen Ländern der Welt nutzen die Unternehmen schon Comupter in der Personalabteilung. Und dort scheinen die meisten ganz zufrieden damit zu sein! Auch die Auswertungen sind dann ganz leicht - ganz nebenbei wurden auch die Meldungen an die Finanzämter zum Kinderspiel. Zudem wurden die Fehler reduziert. Halten die Unternehmer denn die Bevölkerung für wirklich so blöd? Man könnte ja auch ausnahmsweise mal die politische Wahrheit aussprechen: "Wir möchten diese Kennzahl nicht veröffentlichen. Basta." Das wäre auf alle Fälle ehrlicher und nicht so rufschädigend, wie dieses Eingeständnis, dass die Computerexpertiese fehlt.
4. Wäre zu begrüßen, jedoch..........
rambo-1950 19.09.2013
werden Betroffene ihre Einkünfte niemals ganz und vollständig offen legen. Wie das Beispiel EU - 27 Staaten sind für schärfere Bankenkontrollen # 28 blockiert und damit bleibt alles beim alten korrupten System!
5.
pepe_sargnagel 19.09.2013
Zitat von markushattWie so oft in der Gelddemokratie - Die Grundidee ansich ist gut, die Umsetzung voller Kompromisse, die im Prinzip die Grundidee auflößen.
Sie meinen, dass bspw. nur die amerikanischen Mitarbeiter mitgezählt werden sollten? Das macht schon Sinn - wie könnte man die chinesischen Mitarbeiter oder die in Bangladesh mit den amerikanischen Arbeitnehmern vergleichen? Die führen auch völlig unterschiedliche Tätigkeiten aus. Diese Betriebe würden dann einfach ausgegliedert werden (müssen). In Deutschland würde bspw. auch keiner auf die Idee kommen die Leiharbeiter mitzuzählen. Diese bekommen ja auch keine Boni für ein besonders gutes Geschäftsjahr - die bekommt auch nur die Stammbelegschaft. Der Median übriugens macht direkt Sinn - das freut mich, denn dieser ist nicht ausreissersensitiv. Soll heißen, dass die CEOs (und die nächsten 5% der bestbezahltesten Mitarbeiter) mit einer saftigen Gehaltserhöhung nicht den Durchschnitt (Mittelwert) auf Kosten der Restbelegschaft nach oben ziehen können.
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