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11. Januar 2013, 11:47 Uhr

Feuer, Fensterriss, Ölleck

US-Luftfahrtbehörde ermittelt wegen Dreamliner-Pannen

Nach einer ganzen Serie von Pannen bei Boeings Dreamliner schaltet sich die US-Luftfahrtaufsicht FAA ein. Die Behörde will umfassende Prüfungen durchführen lassen. Am Freitag musste wegen Problemen mit der Bremse erneut ein Dreamliner am Boden bleiben.

Washington - Die US-Luftfahrtbehörde FAA will der Pannenserie bei Boeings Prestigejet Dreamliner nicht länger tatenlos zusehen. Nach der mittlerweile vierten Panne in wenigen Tagen wird die FAA Ermittlungen aufnehmen. Sie kündigte eine umfassende Überprüfung aller kritischen Systeme der Boeing 787. Betroffen davon seien Design, Produktion und Bauteile der Maschine. Details will die Behörde am Freitag auf einer Pressekonferenz nennen.

Ähnlich wie am Airbus A380 in der Anfangszeit hatten sich zuletzt Zwischenfälle bei dem laut Listenpreis gut 200 Millionen Dollar teuren Boeing-Flugzeug gehäuft. Am Montag war in einem Dreamliner aus Tokio nach der Landung in Boston ein Feuer ausgebrochen. Am Dienstag wurde - ebenfalls in Boston - wegen eines Lecks am Treibstofftank der Start eines Dreamliners abgebrochen. Am Mittwoch musste wegen eines Problems an der Bremse einer Boeing 787 in Japan ein Inlandsflug annulliert werden.

Am Donnerstag verteidigte der Boeing-Chefingenieur öffentlich das Prestigeobjekt des Konzerns gegen Kritik und sagte, das Flugzeug sei absolut sicher. Jetzt kam allerdings ein weiterer Zwischenfall dazu: Auf einem Inlandsflug in Japan trat am Freitag ein Riss in der Scheibe des Cockpits einer 787 auf. Der Pilot konnte aber sicher landen. Die Maschine war am Freitag von Tokio nach Matsuyama im Südwesten des Landes geflogen, den Rückflug sagte die Fluggesellschaft All Nippon Airways (ANA) ab. Der Grund für den Riss in der Cockpit-Scheibe war zunächst unklar.

An einer weiteren Dreamliner-Maschine am Flughafen Miyazaki wurde am Freitag ein Leck im Ölsystem entdeckt. Nach Überprüfung des Triebwerks sei die Maschine wieder zum Flug freigegeben worden, werde aber in Tokio erneut überprüft, teilte ANA mit.

Der 787 Dreamliner ist Boeings Prestigeprojekt. Das Langstreckenflugzeug ist zu einem großen Teil aus leichten Kohlefaserverbundwerkstoffen gefertigt und soll so bis zu 20 Prozent Treibstoff sparen. Die komplizierte Verarbeitung des Hightech-Materials hat die Produktion des Flugzeugs allerdings stark verzögert, erst drei Jahre später als geplant wurden die ersten Maschinen ausgeliefert.

Boeing will mit dem Dreamliner die Luftfahrt revolutionieren und den europäischen Rivalen Airbus stoppen: Die 787 bewältigt als erstes mittelgroßes Flugzeug Langstrecken. Fluggesellschaften sollen so künftig neue Nonstop-Flugrouten ins Programm aufnehmen. Airbus setzt mit seinem Großraumflieger A380 dagegen auf den Transport möglichst vieler Passagiere zu den großen Drehkreuzen der Welt.

nck/Reuters

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