US-Milliardär Rajaratnam Insiderskandal erschüttert die Wall Street

Es ist ein Wall-Street-Thriller, wie es ihn seit den achtziger Jahren nicht gab: Mit der Hilfe hochrangiger Freunde soll der US-Milliardär Raj Rajaratnam mehr als 20 Millionen Dollar erschlichen haben. Sein Insider-Netzwerk umfasste laut Anklage Komplizen bei IBM, Intel und McKinsey.

Verhaftung des US-Investors Raj Rajaratnam: Der Milliardär soll mit Insidergeschäften Millionen verdient haben
REUTERS

Verhaftung des US-Investors Raj Rajaratnam: Der Milliardär soll mit Insidergeschäften Millionen verdient haben


Als Raj Rajaratnam im Jahr 1997 den Hedgefonds Galleon ins Leben rief, nannte er einem Journalisten als sein Lieblingszitat einen Ausspruch von Intel Chart zeigen-Chef Andy Grove. Es lautete: "Nur die Paranoiden überleben." Mit dieser Maxime und seinem Sachverstand speziell im Bereich von Technologiefirmen gelang es dem aus Sri Lanka stammenden US-Bürger, mit seinem Unternehmen Millionen zu verdienen. Im Jahr 2009 landete er in der "Forbes"-Liste auf Rang 236 der reichsten Menschen der USA, mit einem geschätzten Vermögen von 1,3 Milliarden Dollar.

Doch vielleicht war er zuletzt nicht paranoid genug: Indem US-Ermittlungsbehörden über Monate hinweg mehrere Telefonleitungen des Unternehmens anzapften, bekamen sie die Informationen, die am Freitag zur Verhaftung führten. Er soll ein hochkarätiges Netzwerk von Wirtschaftsinsidern unterhalten haben, deren Informationen seinem Fonds zu erheblichen Einnahmen verhalfen.

Rajaratnam und die fünf weiteren Spitzenmanager sollen mit verbotenen Geschäften mit Aktien unter anderem des Internetriesen Google Chart zeigen mehr als 20 Millionen Dollar verdient haben

In Rajaratnams Kompetenzteam sollen sich ein Manager des Computergiganten IBM Chart zeigen, der als künftiger Konzernchef im Gespräch gewesen sein soll, sowie hochrangige Mitarbeiter des Chipherstellers Intel und der Beratungsfirma McKinsey befunden haben. Außerdem müssen sich zwei frühere Mitarbeiter der Investmentbank Bear Stearns, die jetzt ebenfalls einen Hedgefonds betreiben, sowie ein Analyst der Ratingagentur Moody's vor Gericht verantworten.

Wettbewerbsvorteil dank Insider-Informationen

Die Top-Manager sollen Informationen über geplante Investitionen großer Firmen ausgetauscht und sich damit einen Wettbewerbsvorteil erschlichen haben. Allein eine Vorab-Information über die Quartalsergebnisse von Google im Juli 2007 soll Galleon acht Millionen Dollar eingebracht haben. Ziel der Insidergeschäfte soll auch der krisengeplagte US-Chipbauer Advanced Micro Devices (AMD Chart zeigen) gewesen sein.

Die Ermittler sprechen vom größten Insiderskandal, in den jemals Hedgefonds verwickelt waren. Für die "New York Times" ist die Geschichte ein Wall-Street-Thriller, wie es ihn seit Ivan Boesky nicht mehr gegeben hat. Der wurde in den achtziger Jahren wegen Insidergeschäften zu drei Jahren Haft und einer Geldstrafe von 100 Millionen Dollar verurteilt.

Ein ehemaliger Mitarbeiter Rajaratnams soll die Behörden auf die Spur des Hedgefonds-Managers gebracht haben, um damit für sich eine Milderung der Strafe zu erwirken. Nach Informationen des "Wall Street Journals" sollen Hinweise zu illegalen Verstrickungen Rajaratnams auch bei einer Untersuchung zu amerikanischen Geldgebern einer Terrororganisation in Sri Lanka ans Licht gekommen sein. Eine von ihm unterstütze Wohltätigkeitsfirma im US-Staat Maryland soll - ohne das Wissen der Spender - Gelder an die Tamilen-Tiger weitergeleitet haben.

Gegen Rajaratnam sind es allein 13 Anklagepunkte wegen Verschwörung und Betrugs. Bei einer Verurteilung drohen ihm 20 Jahre Haft. In der "Washington Post" war gar von lebenslänglich die Rede. Die Ermittlungen reichten bis ins Jahr 2007 zurück.

Einer der Angeklagten, Rajiv Goel von Intel, soll Informationen über eine mögliche Investition seiner Firma bei Clearwire im Tausch gegen einen Job bei einem Freund Rajaratnams weitergegeben haben, wie die "New York Times" berichtet.

"Wenn das rauskommt, bin ich tot"

Die früherer Bear-Stearns-Managerin Danielle Chiesi, inzwischen für den Hedgefonds New Castle Partners tätig, soll Insiderwissen über die Firmen Sun Microsystems Chart zeigenund Akamai weitergeleitet haben. Am 27. August soll sie einem Mitwisser am Telefon gesagt haben: "Wenn das herauskommt, bin ich tot. Dann ist meine Karriere vorbei."

Für die Information eines Moody's-Analysten im Juli 2007, dass die Blackstone Chart zeigen Group die Übernahme der Hotelkette Hilton Chart zeigen plane, soll Rajaratnam 10.000 Dollar gezahlt haben. Seinem Unternehmen brachten diese Insiderkenntnisse vier Millionen Dollar Profit.

Rajaratnams Anwalt betonte, sein Klient sei unschuldig. Das sagten auch die Rechtsbestände anderer Beschuldigter. Die Staatsanwaltschaft kündigte ein konsequentes Vorgehen an. "Dies ist kein gewöhnlicher Fall von Insiderhandel", sagte der Staatsanwalt von Manhattan, Preet Bharara. Zugleich kündigte er an, Insiderhandelringe würden nun mit den gleichen schlagkräftigen Ermittlungsmethoden ins Visier genommen, die bereits erfolgreich gegen Banden und Drogenkartelle eingesetzt worden seien.

Der Fall solle der Wall Street als Warnung dienen. "Heute, morgen, kommende Woche und in der Woche darauf müssen sich privilegierte Wall-Street-Insider, die erwägen, gegen das Gesetz zu verstoßen, eine wichtige Frage stellen: Hören die Strafverfolgungsbehörden mit?", sagte der Staatsanwalt.

Das harte Vorgehen dürfte auch damit zusammenhängen, dass die Behörden durch den Fall des Milliardenbetrügers Bernard Madoff in die Kritik geraten waren. Madoff hatte jahrzehntelang Anleger betrogen und war Ende Juni zu einer Haftstrafe von 150 Jahren verurteilt worden.

sto



insgesamt 121 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Volker Gretz, 07.10.2009
1.
Zitat von sysopNach Überzeugung des Tübinger Theologen Hans Küng sind es nicht strengere Regeln, die eine weitere Finanzkrise in der Zukunft verhindern könnten. Vielmehr ist es an ethischen Regeln orientiertes Verhalten aller Beteiligten. Eine gute Grundlage zur Vermeidung künftiger Krisen?
Nein. Enge Gesetze und hohe Strafen. Die Wirtschft muss asozial sein, um ihr Paradigma zu erfüllen. Mit Ethik oder Moral ist der Unterschicht nicht beizukommen. Nur die Angst vor der JVA und Verarmung würde Abhilfe schaffen.
m. m 07.10.2009
2.
Zitat von sysopNach Überzeugung des Tübinger Theologen Hans Küng sind es nicht strengere Regeln, die eine weitere Finanzkrise in der Zukunft verhindern könnten. Vielmehr ist es an ethischen Regeln orientiertes Verhalten aller Beteiligten. Eine gute Grundlage zur Vermeidung künftiger Krisen?
Fragt sich erst mal, welche Ethik Küng da so meint. Kann von Fall zu Fall von Land zu Land, von Kontinent zu Kontinent, von Kultur zu Kultur diametral entgegengesetzt sein. Genau die Schwäche von Küngs "Weltethos".
m. m 07.10.2009
3.
Zitat von Volker GretzNein. Enge Gesetze und hohe Strafen. Die Wirtschft muss asozial sein, um ihr Paradigma zu erfüllen. Mit Ethik oder Moral ist der Unterschicht nicht beizukommen. Nur die Angst vor der JVA und Verarmung würde Abhilfe schaffen.
Banker als "Unterschicht" zu bezeichnen, ist natürlich recht originell.
Roller, 07.10.2009
4.
Zitat von sysopNach Überzeugung des Tübinger Theologen Hans Küng sind es nicht strengere Regeln, die eine weitere Finanzkrise in der Zukunft verhindern könnten. Vielmehr ist es an ethischen Regeln orientiertes Verhalten aller Beteiligten. Eine gute Grundlage zur Vermeidung künftiger Krisen?
Wenn man davon ausgeht, dass der Mensch in erster Linie schlecht ist, dann nicht. Erst muessen wir gesellschaftlich so weit sein, dass es z.B. verpoent ist, das Finanzamt zu betreugen. Das wird aber heute von der Gesellschaft ueberwiegend als ein akzeptiertes Delikt angesehen. Ethische Regeln werden daher in einer solchen Gesellschaft einfach verpuffen.
Volker Gretz, 07.10.2009
5.
Zitat von m. mBanker als "Unterschicht" zu bezeichnen, ist natürlich recht originell.
Wie würden Sie Unterschicht sonst definieren? Keine sozialen Bindungen, keine Ethik, keine Heimat,... und belasten zum persönlichen Gewinn Gesellschaften mit Milliarden.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.