Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Entscheidung der Fed: US-Notenbank bleibt bei Niedrigzinspolitik

Fed-Chef Ben Bernanke: Umfang der monatlichen Ankäufe bleibt Zur Großansicht
AFP

Fed-Chef Ben Bernanke: Umfang der monatlichen Ankäufe bleibt

Die Entscheidung war mit Spannung erwartet worden - aber nun bleibt alles wie gehabt: Trotz anziehender Konjunktur wagt die US-Notenbank Fed noch keine Abkehr von der Politik des billigen Geldes. Die Aktienmärkte reagierten sofort - Dow Jones und X-Dax erreichten neue Rekordwerte.

Hamburg - Vorerst kein Kursschwenk: Die US-Notenbank wird nicht von ihrer Niedrigzinspolitik abrücken. Die Zentralbanker um Fed-Chef Ben Bernanke entschieden überraschend, den Umfang der monatlichen Ankäufe von Staatsanleihen und Immobilienpapieren bei 85 Milliarden Dollar (64 Milliarden Euro) zu belassen.

Ökonomen hatten damit gerechnet, dass die Fed die Konjunkturhilfen auf 75 Milliarden Dollar pro Monat stutzen würde. Vor einer Entscheidung für einen Kurswechsel der ultralockeren Geldpolitik müsse es aber mehr Beweise geben, dass die Erholung der Konjunktur und des Arbeitsmarktes tatsächlich stabil sei, schreibt die Fed. Als einen Grund für die Ungewissheit wurden die Ausgabenkürzungen im Staatshaushalt genannt.

Ihren Leitzins beließ die Notenbank wie erwartet in einer Spanne zwischen null und 0,25 Prozent. Auf diesem Rekordtief liegt der Zins seit Ende 2008. Bis die Arbeitslosenquote unter die Marke von 6,5 Prozent gefallen ist, will die Fed ihre sehr lockere Geldpolitik fortsetzen. Derzeit liegt die Rate bei 7,3 Prozent. Die Zinspolitik wurde Ende 2012 an die Arbeitslosenquote gekoppelt.

Gleichzeitig hat die US-Notenbank die Wachstumsprognose für das laufende Jahr gesenkt. 2013 werde die US-Wirtschaft vermutlich zwischen 2,0 und 2,3 Prozent wachsen, teilte der Offenmarktausschuss (FOMC) nach seiner zweitägigen Zinssitzung mit. Die bisherige Prognose vom Juni hatte bei 2,3 bis 2,6 Prozent gelegen.

X-Dax erreicht neuen Rekordwert

Seit Monaten schon hält die Frage, wann die Fed auf einen weniger expansiven geldpolitischen Kurs umschwenkt, die vom Billiggeld abhängigen Finanzmärkte in Atem. Nachdem die Notenbank das Abebben der Geldflut vorerst verschoben hat, reagierten die Kurse heftig. Der US-Dollar geriet massiv unter Druck. Im Gegenzug stieg der Kurs des Euro am Abend auf ein Tageshoch von 1,477 Dollar.

Euphorisch wurde die Ankündigung einer zunächst ungebremsten Liquiditätsschwemme an den Aktienmärkten aufgenommen. Der S&P-500-Index kletterte unmittelbar nach Veröffentlichung des Fed-Statements auf ein neues Rekordhoch. Auch der Dow-Jones-Index legte kräftig zu. Die Hoffnung der Investoren auf eine milde Fed-Entscheidung hatte am Mittwoch schon den deutschen Leitindex auf ein neues Rekordhoch steigen lassen, das setzte sich als Reaktion auf die Verkündung fort: Nach Xetra-Schluss Bei 8.736,78 Punkten erreichte der X-Dax als außerbörslicher Indikator für den deutschen Leitindex bei 8.736 Punkten einen neuen Rekordwert.

Nach Ansicht von zwölf der 17 Fed-Notenbanker ist 2015 der richtige Zeitpunkt, um die Zinszügel wieder anzuziehen. An der Spitze der Währungshüter könnte demnächst eine Frau stehen. Nachdem Obama-Intimus Lawrence Summers überraschend von seiner Kandidatur zurückgetreten war, rief das US-Präsidialbank nun Janet Yellen zur aussichtsreichsten Anwärterin auf die Bernanke-Nachfolge aus. Wann ihre Nominierung bekannt gegeben wird, wurde noch nicht mitgeteilt.

vks/Reuters/dpa

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 34 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. 1.477??64
klaus.mueller 18.09.2013
nochmal nachschauen bitte kann ich nicht glauben das wäre eincrash
2. Wunderbar !!!!
Masterchalk 18.09.2013
Der finanzielle Selbstmord wurde von "erschiessen" über "hängen" zu "ausbluten" abgewerte. Nun, dann dauert es eben noch etwas länger und ist sehr bewusst. Das Ende ist das gleiche ...
3. Comeback des EURO!
zila 18.09.2013
"Im Gegenzug stieg der Kurs des Euro am Abend auf ein Tageshoch von 1,477 Dollar." Ich tausche noch heute gerne all meine verbliebenen Euros zu diesem Kurs. Leider zeigen mir andere Dienste derzeit Kurse von 1.35.
4.
Tola85 18.09.2013
Das kann doch nur noch im Wahnsinn enden! Wer soll die gigantischen Geldberge auf bieten können um die FED als Käufer der Anleihen abzulösen?
5. Wie denn nun?
dapmr75 18.09.2013
Entweder es ist alles toll, dann sollte die Staatsfinanzierung aufhören. Oder die oekonomische Situation ist weit weniger gut, dann einfach aufhören mit dem Lügen! Zur Heilung gehört nun einmal zuerst das Eingestehen eines Problems, wäre irgendwie Zeit nach all den Jahren.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Die Aufgaben der Fed und der EZB
EZB
Der Auftrag der Europäischen Zentralbank (EZB) ist im EU-Vertrag festgelegt. Dort heißt es: "Das vorrangige Ziel der EZB ist es, die Preisstabilität zu gewährleisten." Zugleich soll die Notenbank die allgemeine Wirtschaftspolitik des Währungsraums unterstützen - allerdings nur soweit, falls hierdurch nicht das Ziel stabiler Preise beeinträchtigt wird. Durch diese Formulierung wird dem Ziel stabiler Preise Vorrang gegenüber weiteren Zielen eingeräumt.
Die EZB ist laut EU-Vertrag aber auch für die Stabilität des Finanzsystems mitverantwortlich. Eine Aufgabe, die gerade in Zeiten starker Turbulenzen an den Finanzmärkten besonders wichtig ist.
Fed
Die US-Notenbank Federal Reserve Banks ("Fed") sieht sich im Gegensatz zur EZB mehreren Aufgaben gegenübergestellt. Der "Federal Reserve Act" schreibt drei allgemeine Ziele vor: Demnach soll die Fed mit ihrer Geldpolitik sowohl eine "maximale Beschäftigung" als auch stabile Preise und langfristig moderate Zinsen gewährleisten. Ungeachtet der Tatsache, dass das Wachstumsziel in der Aufzählungsreihenfolge vor dem Ziel der Sicherung stabiler Preise rangiert, können sich aus diesem Zielkatalog Probleme ergeben. Wenn das Preisniveau in den USA anzieht und sich zugleich das Wirtschaftswachstum der Vereinigten Staaten abschwächt, kommt es zum Dilemma: Zur Sicherung der Preisstabilität müsste die Notenbank eigentlich die Leitzinsen anheben, angesichts der Wachstumsschwäche wären hingegen Zinssenkungen angebracht.
In der Vergangenheit hat die Fed im Zweifel dem Wachstumsziel eine höhere Bedeutung beigemessen als dem Ziel stabiler Preise.


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: