US-Notenbank: Fed will Zinsen weiter nach unten tricksen

Die US-Zentralbank hat sich zu einem sogenannten "Twist" entschieden: Sie will bis Mitte 2012 für 400 Milliarden Dollar langfristige Staatsanleihen erwerben - zur Finanzierung will sie kurzfristige Bonds verkaufen. So sollen die ohnehin niedrigen Zinsen in den USA noch weiter sinken.

Fed-Chef Bernanke: Anlehnung an "Operation Twist" Zur Großansicht
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Fed-Chef Bernanke: Anlehnung an "Operation Twist"

Washington - Der Leitzins ist bereits seit langem auf einem historischen Niedrigststand - nun greift die US-Notenbank Fed zur Unterstützung der lahmenden Konjunktur in die Trickkiste. Sie werde bis Mitte kommenden Jahres 400 Milliarden Dollar in die Hand nehmen, um langlaufende Anleihen zu erwerben, teilte die Fed am Mittwoch mit. Parallel sollen aus den Beständen der Notenbank kurzlaufende Schuldverschreibungen mit Laufzeiten unter drei Jahren verkauft werden. Ein solcher Schritt war auf den Finanzmärkten erwartet worden.

Die Maßnahme hat ein historisches Vorbild: Notenbankchef Ben Bernanke will mit dem an die sogenannte "Operation Twist" der Fed 1961 angelehnten Schritt die langfristigen Zinsen senken. Dadurch erhofft sich die Fed tendenziell billigere Kredite, ohne jedoch neues Geld in das System zu pumpen. Die niedrigeren Zinsen sollen Wirtschaft und Verbrauchern helfen. Ihren Leitzins beließen die Notenbanker wie erwartet bei 0 bis 0,25 Prozent.

Nach der Fed-Ankündigung sind die Zinsen auf zehnjährige US-Schatzwechsel von 1,93 auf 1,87 Prozent gesunken. Das ist ein historisch niedriger Stand, auf den der Zinssatz bereits in der vergangenen Woche einmal gefallen war. Der Euro Chart zeigen sackte nach der Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed um gut einen Cent deutlich ab.

Volkswirte hatten mit der Entscheidung gerechnet. Bereits im August hatte die Fed angekündigt, die Zinsen mindestens bis Mitte 2013 auf einem "äußerst niedrigem Niveau" zu lassen. Der Leitzins liegt bereits seit über zweieinhalb Jahren auf dem Rekordtief. Die Fed hatte ihn während der Finanzkrise im Dezember 2008 auf diese Spanne verringert. Vor Beginn der Krise im Sommer 2007 hatte der Zinssatz noch bei 5,25 Prozent gelegen.

fdi/dpa/Reuters/AFP/dapd

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insgesamt 23 Beiträge
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1. tricks und mauscheleien
mitwisser 21.09.2011
Zitat von sysopDie US-Zentralbank hat sich zu einem sogenannten "Twist" entschieden: Sie will*bis Mitte 2012 für 400 Milliarden Dollar langfristige Staatsanleihen erwerben - zur Finanzierung will sie kurzfristige Bonds verkaufen. So sollen*die ohnehin niedrigen Zinsen in den USA noch weiter sinken. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,787687,00.html
klappt ja*super mit den tricks - dumm nur, dass die Hubschrauberpiloten kein Vertrauen mehr genießen...
2. :{[
gewgaw 21.09.2011
Wenn es einen (scheinbareb) Vorteil gibt, so gibt es sicher auch einen Nachteil bei dieser Transaktion. Falls ja, könnte es jemand bitte schlüssig erklären.
3. super,
sunnypluto 21.09.2011
jetzt sollten die Zinsen noch bis zum Verbraucher durchschlagen: 0,5 % Überziehungs-Zins am Giro-Konto, das wär es doch !
4. Geldgeschenke
kleenermann 21.09.2011
Zitat von gewgawWenn es einen (scheinbareb) Vorteil gibt, so gibt es sicher auch einen Nachteil bei dieser Transaktion. Falls ja, könnte es jemand bitte schlüssig erklären.
Ist doch offensichtlich die Staatsanleihen werden zuerst billig verkauft und dann wieder teurer zurückgekauft... Also im Prinzip Geld verschenken.
5. Zinsrisiko liegt bei der FED
beebo 21.09.2011
Zitat von gewgawWenn es einen (scheinbareb) Vorteil gibt, so gibt es sicher auch einen Nachteil bei dieser Transaktion. Falls ja, könnte es jemand bitte schlüssig erklären.
Die FED bürdet sich ein enormes Zinsrisiko auf. Die gibt kurzfristige Anleihen aus, um langfristige Anleihen zu kaufen. Das funktioniert nur so lange, wie die kurzfristigen Zinsen so niedrig, wie jetzt sind, Sobald die Zinsen insgesamt wieder steigen, hat die FED ein Problem. Dann muss die FED mehr Zinsen für die kurzfristigen Anleihen zahlen, als sie für die gekauften langfristigen Anleihen erhält. Sprich die FED macht damit Verlust. Bei den Summen wird das für die FED richtig teuer. Also muss die FED bis in alle Ewigkeit und mit allen Mitteln die Zinsen niedrig halten.
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