Bankenaufsicht: USA wollen Eigenkapitalregeln für Banken deutlich verschärfen

Lange wehrten sich die USA gegen strenge Kapitalvorgaben für Banken - jetzt will die US-Notenbank sogar über das als Basel III bekannte Regelwerk hinausgehen und die Geldinstitute sehr eng an die Kandare nehmen.

Skyline von Manhattan: Banken in den USA sollen zu höheren Eigenkapitalquoten gezwungen werden Zur Großansicht
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Skyline von Manhattan: Banken in den USA sollen zu höheren Eigenkapitalquoten gezwungen werden

Berlin - Die US-Notenbank will die Eigenkapitalregeln für amerikanische Banken deutlich verschärfen und strenger vorgehen als die internationalen Bankenaufseher.

Die US-Notenbank Federal Reserve stimmte am Dienstag zwar dem unter dem Kürzel Basel III bekannten Regelwerk grundsätzlich zu. Der für die Aufsicht zuständige Fed-Gouverneur Daniel Tarullo kündigte aber zugleich an, dass die US-Regulierungsbehörden noch darüber hinausgehen wollten.

So hält Tarullo die von den Baseler Aufsehern festgelegte maximale Quote für die Verschuldung von Banken für zu hoch. Die Institute müssten mehr als die vorgeschriebenen drei Prozent der Kredite und Wertpapiere in der Bilanz mit Kapital hinterlegen, forderte Tarullo.

Notenbanker und Aufseher aus den USA hatten sechs Prozent ins Gespräch gebracht, zwei Senatoren hatten sogar Quoten von bis zu 15 Prozent gefordert. Die beiden anderen Finanzaufsichtsbehörden der USA, die Einlagensicherung FDIC und das OCC, müssen Basel III noch zustimmen, bevor der Kongress grünes Licht gibt.

FDIC-Vizechef Thomas Hoenig gilt als schärfster Gegner von Basel III. Er hält die am Risiko orientierten Basel-III-Eigenkapitalregeln für zu anfällig für Manipulationen seitens der Banken. Viele europäische Regulierer fürchten dagegen, dass eine Ausrichtung an der Verschuldungsgrenze die Banken zu spekulativen Geschäften verleitet, weil sie keine Rücksicht auf das Risiko nimmt, das damit verbunden ist.

Basel III war als Mindeststandard konzipiert worden, so dass eine Verschärfung in den USA nicht angreifbar wäre. Lange war fraglich gewesen, ob Basel III dort überhaupt eingeführt werden würde.

Noch im November 2012 hatte Hoenig gesagt, die geplanten Basel-III-Regeln seien zu komplex. Der Chef von JP Morgan Chase, Jamie Dimon, nannte das Regelwerk gar "unamerikanisch". Nach den Vorstellungen der Fed sollen sich die größten Banken in den USA schon 2014 an das Regelwerk halten, regionale Geldhäuser erst ab 2015. Sie brauchen künftig mehr als dreimal so viel Aktienkapital und Gewinnrücklagen als bisher, um sich für Krisen wetterfest zu machen. Für den Aufbau dieses dickeren Kapitalpolsters haben sie allerdings - wie allen Banken weltweit - bis 2019 Zeit. Die Europäische Union fordert die Einhaltung der Vorschriften von allen Banken - bis zur kleinsten Sparkasse und Volksbank.

Die Fed sieht in ihrem Entwurf jedoch Lockerungen für lokale Banken vor. Sie sollen unter anderem Wohnungsbaukredite weniger stark mit Kapital unterlegen müssen. Für systemrelevante Banken, deren Pleite das ganze Finanzsystem ins Wanken brächte, soll es auch in den USA Kapitalaufschläge geben.

mia/dpa/Reuters

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insgesamt 10 Beiträge
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1. Mithaftung droht
sabine_26 02.07.2013
Es wird immer wichtiger auf die Bonität der eignen Bank zu achten, um ggf. rechtzeitig Einlagen abziehen zu können. Unter http://www.rating-index.com/Rating_Banken findet sich dazu eine Übersicht. Zypern ist ein mahnendes Beispiel.
2. Sinnvoll..
Mertrager 02.07.2013
wäre es, wenn diese Regelungen nicht nur in Europa, sondern auch in den USA selbst beachtet werden. - War wohl nicht immer so.
3. Drei Prozent? Ich lach mich schlapp!!!
rgr 02.07.2013
Drei Prozent als Absicherung an Eigenkapital??? Das ist weniger als die Zinsbelastung, die Banken für Kredite aufbringen müssen und hält alle Tore offen für gängige Spekulationen mit der Sicherheit, sie auf die Sparer abwälzen zu können.. Banken sind und waren schon immer Schmarotzer, die Wert schöpfen auf Kosten anderer.
4. Dann bin ich ja beruhigt!
dr_seltsam 03.07.2013
Das ist ein richtiger Schritt. Allerdings ändert er am Geschäftsmodell der Banken gar nichts. Scheint mir eher ein Win-Win-Deal zu sein: Regierung tut was und Bank kann weiterzocken.
5. Die Hälfte der Banken dichtmachen...
mainzelmännchen 1 03.07.2013
...die andere Hälfte an die harte Kandarre - damit wäre uns schon viel geholfen.
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