US-Pleitebank Milliardenstreit zwischen Lehman-Nachfahren

"Lehman Brothers International Europe" gegen "Lehman Brothers Bankhaus": Eine britische und eine deutsche Nachfolgegesellschaft der US-Pleitebank streiten vor Gericht um eine Milliarde Dollar. Es geht um die Frage: In welche Insolvenzmasse gehört die Summe?

Lehman-Brothers-Zentrale (New York): Nachfolger kämpfen um Milliardenbetrag
AP

Lehman-Brothers-Zentrale (New York): Nachfolger kämpfen um Milliardenbetrag


Frankfurt am Main - Zwei Nachfolgegesellschaften der US-Pleitebank Lehman Brothers tragen ihren Streit um eine Milliarde Dollar vor dem Frankfurter Landgericht aus. Diese Summe von umgerechnet rund 800 Millionen Euro verlangt der Insolvenzverwalter der britischen "Lehman Brothers International Europe" vom Verwalter der deutschen Tochter "Lehman Brothers Bankhaus", wie das Gericht am Montagabend bestätigte.

Das Geld ist nach Ansicht der Briten nur treuhänderisch von der deutschen Tochter verwaltet worden - und gehöre daher nicht in die deutsche Insolvenzmasse. Deren Verwalter Michael Frege sieht die Sache umgekehrt.

Die Verhandlung ist einem Gerichtssprecher zufolge öffentlich. Ein Vertreter des Bankhaus-Insolvenzverwalters machte allerdings geltend, dass das Insolvenzverfahren selbst nicht öffentlich sei. Daraus könnten sich im Prozess Schwierigkeiten ergeben. Mit einer Entscheidung wird nach der geplanten mündlichen Anhörung am Dienstag noch nicht gerechnet.

Opfer der Lehman-Pleite wollen nach eigener Ankündigung den Prozess mit einer Mahnwache begleiten. Sie gehören aber nicht zu den Gläubigern des Lehman Brothers Bankhauses, das nahezu ausschließlich institutionelle Anleger hatte. Diese wurden aus der Einlagensicherung des Privatbankenverbandes entschädigt.

Die Pleite der US-Investmentbank im September 2008 löste eine schwere Finanzkrise in der globalen Wirtschaft aus. Zahlreiche Privatanleger hatten Lehman-Zertifikate bei ihren Hausbanken oder Sparkassen gekauft. Diese Papiere - herausgegeben von einer Lehman-Tochter in den Niederlanden - wurden nahezu wertlos. In der Folge wurden zahlreiche Prozesse geführt und Vergleiche geschlossen.

wit/dpa



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