US-Rating-Agentur Moody's entzieht Großbritannien Bestnote

Die Rating-Agentur Moody's hat Großbritannien die Top-Bonität AAA entzogen - und das Land auf AA1 gesenkt. Ursache sind die schwache Konjunktur und die steigende Verschuldung. Finanzminister Osborne nannte die Herabstufung eine harsche Erinnerung an den Ernst der Lage.

Londoner Skyline: Großbritannien ohne Top-Bonität
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Londoner Skyline: Großbritannien ohne Top-Bonität


London - Die Rating-Agentur Moody's hat Großbritannien die Bestnote für die Kreditwürdigkeit entzogen. Die Agentur stufte das Land am Freitagabend von AAA auf AA1 herab. Großbritanniens Finanzminister George Osborne erklärte, die Herabstufung sei eine harsche Erinnerung daran, wie ernst die Schuldenprobleme des Landes seien. Die neue Benotung werde die Entschiedenheit der Regierung verdoppeln, die Wirtschaft wieder auf Kurs zu bringen.

Moody's erklärte, der Hauptgrund für die Herabstufung sei "die wachsende Klarheit, dass das Wirtschaftswachstum Großbritanniens trotz einer bemerkenswerten strukturellen wirtschaftlichen Stärke in den kommenden Jahren mau bleiben wird". Immerhin sei der Ausblick für das neue Rating "AA1" stabil.

Die Agentur hatte Großbritannien im Februar 2012 als erste vor dem Entzug der Spitzenbonität gewarnt. Die beiden anderen großen US-Rating-Agenturen Fitch und Standard & Poor's (S&P) schlossen sich dem im September und Dezember an. Als Grund hatte S&P unsichere Wachstumsaussichten für das Königreich angeführt.

Mit der Herabstufung könnten neue Kredite für das Land teurer werden, weil Geldgeber einen höheren Risikoaufschlag verlangen könnten. Die USA und Frankreich haben im Zuge der Finanzkrise ihre AAA-Note bereits verloren. Allerdings hatte dies bei beiden Ländern keine größeren Auswirkungen auf die Kreditkosten. Deutschland hingegen besitzt noch immer das Spitzen-Rating.

Großbritannien steckt seit der Finanzkrise 2008 tief in der Schuldenfalle und war zuletzt von Ende 2011 bis zum zweiten Quartal 2012 in der Rezession. Nach internationalen Statistiken ist das Land mit 86 Prozent des Bruttoinlandsproduktes verschuldet. Im vergangenen Sommer gelang dank der Olympischen Spiele in London ein Plus. Doch danach machten dem Land Produktionsausfälle in der Industrie und eine geringere Ölförderung in der Nordsee zu schaffen. Eis und Kälte lähmen zudem Einzelhandel und Bau.

Die 2010 angetretene Regierung von Premierminister David Cameron hatte versucht, die Neuverschuldung mit massiven Haushaltskürzungen in den Griff zu bekommen. Allerdings ging das Konzept bisher nicht auf. Experten gehen davon aus, dass das Haushaltsdefizit von zuletzt knapp sieben Prozent in diesem Jahr wieder steigen wird.

Die Reformwünsche von Premierminister Cameron, der Rechte von Brüssel nach London zurückverlagern will und dabei auf Widerstand bei den anderen EU-Staats- und Regierungschefs stößt, hatten zudem für Verunsicherung gesorgt. Die britische Währung war im Zuge dieser Unsicherheit auf den niedrigsten Wert seit mehr als einem Jahr gefallen. Die britische Regierung ist aber auf Wachstum angewiesen, um die Haushaltsziele zu erreichen. Zudem hatte sie angestrebt, das Top-Rating AAA zu behalten. Im Jahr 2015 wird in Großbritannien neu gewählt.

lei/dpa/Reuters

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insgesamt 30 Beiträge
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dgs 23.02.2013
1. Blockadekonsequenz
Als britische Regierung, aber auch als britischer Bürger sollte mal folgende Überlegung angestellt werden: Es gibt den Euro, GB will nicht mitmachen, denkt allein geht es besser. Resultat: Das Pfund verliert deutlich an Wert. Europapolitik wird gebremst, blockiert und sabotiert, weil GB denkt allein klappt es besser. Resultat: Die eigene Wirtschaft schrumpft mehr als die der restlichen EU. Vielleicht sollte man bei diesen einfachen Überlegungen einfach den grundsätzlichen Kurs überdenken und genau gegenteilig handeln- damit ist nicht gesagt, dass es besser wird für GB, aber katastrophaler kann es nicht werden. Also GB: Konstruktive Mitarbeit in Europa und Antieuropahaltung ablegen.
spon-4bq-bici 23.02.2013
2. War längst überfällig
Ein Land mit mit einer derartigen Verschuldung und einer rudimentären Industrie hätte schon längst abgestuft werden müssen. Daß es bisher nicht geschehen ist, verdanken die Engländer ihrer Kuschelhaltung zu dem Großen Bruder USA. Allein von der mafiösen Finanzindustrie mit ihren virtuellen und für die Volkswirtschaft schädlichen Produkten kann man halt nicht leben. Das überkandidelte Strohfeuer Olympia auf Pump gezündet, hat die Verschuldung verangetrieben. Na wenigstens können sich die englischen Hungerleider in ihren überdimensionierten Sportstätten einen schönen Tag machen und ihr Empire zurückdenken.
Pandora0611 23.02.2013
3. Moody's entzieht Bestnote
Zitat von sysopGetty ImagesDie Rating-Agentur Moody's hat Großbritannien die Top-Bonität AAA entzogen - und das Land auf AA1 gesenkt. Ursache sind die schwache Konjunktur und die steigende Verschuldung. Finanzminister Osborne nannte die Herabstufung eine harsche Erinnerung an den Ernst der Lage. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/us-ratingagentur-moody-s-stuft-grossbritannien-herab-a-885112.html
Das Haushaltsdefizit wird dieses Jahr die 7%-Grenze übersreiten. Obwohl die Bank of England umgerechnet 450Mrd€ ins Finanzsystem gepumpt hat, ist eine Besserung ist nicht in Sicht. Aber die wirtschaftliche Lage ist immer noch besser als die von Frankreich. Und Frankreich tut nichts dagegen.
derandersdenkende 23.02.2013
4. Überfällig und doch
Zitat von sysopGetty ImagesDie Rating-Agentur Moody's hat Großbritannien die Top-Bonität AAA entzogen - und das Land auf AA1 gesenkt. Ursache sind die schwache Konjunktur und die steigende Verschuldung. Finanzminister Osborne nannte die Herabstufung eine harsche Erinnerung an den Ernst der Lage. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/us-ratingagentur-moody-s-stuft-grossbritannien-herab-a-885112.html
noch nicht konsequent genug! Aber was nicht ist, kann ja noch werden? Die bisherige "Blindheit" der Ratingagenturen bei GB und USA läßt nur auf Vorteilsgewährung durch eigene Verquickung schließen. Ein "Erkennen" scheint erst möglich, wenn es an die eigene Existenz geht.
Summermiller 23.02.2013
5. Die letzten Atemzüge...
...der "Weltmacht". Was 1805 mit dem siegreichen Lord Nelson begann und über ein Jahrhundert an Expansion folgen ließ, wird jetzt von einer Agentur Namens "Moody's" öffentlich bloß gestellt. Es reicht nun mal nicht sich auf vergangene Errungenschaften und Adelstum auszuruhen. Little Britain hat halt unter Thatcher sein Innovationswillen und Mut, für billige Arbeitsplätze und sozialen Abstieg, aufgegeben. Nachtigall ich hör Dir trapsen!!!! Wie hieß den unsere Thatcher noch mal? Schröbrück, der eine Teil spielt sich heute an den Faberge'eiern und der andere will den weiteren Abstieg der deutschen Gesellschaft als Kopf begleiten. Ist nur zu hoffen das von denen kein Film gedreht wird, ansonsten wären die Parallelen zu offensichtlich.
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