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US-Schuldenkrise: Amerikas Banken fürchten den Staatsinfarkt

In der amerikanischen Finanzwelt wächst die Sorge vor dem endgültigen Scheitern der US-Haushaltsverhandlungen - und vor den Folgen für die Märkte: Laut der "Financial Times" bereiten sich große Wall-Street-Banken bereits auf den Ernstfall vor.

US-Börse an der Wall Street: Amerikas Finanzkonzerne bangen um Haushalt Zur Großansicht
DPA

US-Börse an der Wall Street: Amerikas Finanzkonzerne bangen um Haushalt

New York - Das Vertrauen in die US-Haushaltspolitik schwindet zusehends: Immer mehr Finanzgiganten entziehen der Regierung von Barack Obama das Vertrauen und stellen den US-Präsidenten vor eine harte Aufgabe: der Abwendung eines finanziellen Kollapses. Große Wall-Street-Banken rüsten sich bereits für Turbulenzen an den Märkten, sollte Obama im Haushaltsstreit mit den Republikanern keine Lösung finden, berichtet die "Financial Times" unter Berufung auf einen hochrangigen Bankmanager.

Die Geldhäuser bereiten sich demnach darauf vor, im Ernstfall im August massiv US-Staatsanleihen abzustoßen. Eine alternative Strategie wäre es, mehr Bargeld zur Absicherung von Derivategeschäften und anderen Transaktionen aufzubauen. Ziel sei es, die Abhängigkeit des Finanzsystems von Staatsanleihen zu verringern. "Wir arbeiten an einem Notfallplan, der zum einen die Möglichkeit vorsieht, sich verstärkt aus Staatsanleihen zurückziehen zu können", sagte ein Bankenchef der "FT" zufolge. "Zum anderen könnten wir mehr Cash aufbauen." Namen von Banken werden in dem Bericht nicht genannt.

An der Wall Street werden immense Probleme für die Finanzmärkte befürchtet, sollten sich Obamas Demokraten und die oppositionellen Republikaner nicht auf eine Anhebung der derzeitigen Schuldenobergrenze verständigen. Nach Darstellung der Regierung ist eine Einigung bis zum 2. August erforderlich, andernfalls droht der Kollaps.

Die derzeitige Schuldenobergrenze der USA liegt bei 14,3 Billionen Dollar. Das Land hatte die Latte sogar schon Mitte Mai gerissen, bleibt aber nach den Worten von Finanzminister Timothy Geithner zunächst durch "außergewöhnliche Maßnahmen" flüssig - gemeint sind Bilanzierungstricks. Das Haushaltsdefizit lag im vergangenen Jahr bei rund zehn Prozent der Wirtschaftsleistung und damit deutlich höher als etwa im Fast-Pleitestaat Griechenland. Zehnjährige US-Staatsanleihen hatten am Jahresende eine Rendite von mehr als drei Prozent. Das ist deutlich mehr als langfristige deutsche Schuldtitel einbringen.

Einflussreiche Investoren haben sich bereits vollständig aus US-Staatsanleihen zurückgezogen und sogar Wetten gegen sie abgeschlossen, etwa der Großanleger Pimco. Zudem haben die großen Rating-Agenturen Standard & Poor's, Moody's und Fitch mit einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit der USA gedroht .

yes/Reuters

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insgesamt 212 Beiträge
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1. Wenn die USA fallen, fallen wir mit.
heinrichp 13.06.2011
Zu abhängig ist Deutschland von den Exporten in die USA. Wenn die USA crashen, crashen wir mit. Was sich zunächst alles sehr optimistisch anhört, verschweigt jedoch die Tatsache, dass 1937 die Wirtschaft so schnell wuchs, weil die Rüstungsindustrie auf Hochtouren lief, was uns nur 2 Jahre später den Zweiten Weltkrieg bescherte. Genauso ist ein Superwachstum bis zum Jahr 2030 oder 2050 heute allein deshalb gar nicht möglich, weil bei einem stark steigenden Verbrauch, bis dahin schon die Energiereserven und Rohstoffe aufgebraucht sein werden. Diese ganzen optimistischen Meldungen erinnern an eine Zeitungsmeldung einen Tag vor dem großen Aktiencrash 1929 der lautete: "Alle werden reich werden" – doch kaum jemand wurde reich, sondern es folgte die lange, große Depression, welche zu einer beispiellosen Verarmung führte. Bisher waren solche Jubelmeldungen meist der Vorbote eines Crashs: Egal ob im Jahr 1929, 2000, 2008 – immer kam es kurz vor dem Einbruch zu einer Häufung von überschäumendem Optimismus. Angesichts unseres instabilen Finanzsystems kann es meiner Ansicht nach gar nicht anders kommen, als zu einem neuen, gewaltigen Zusammenbruch – auch wenn nun erst einmal nochmals die Börsen durch Spekulation nach oben getrieben werden. http://die-welt-der-reichen.over-blog.de/pages/stehen-die-usa-vor-der-pleite-4738448.html
2. der titel hat schulden
decaytoday 13.06.2011
einfach die wall street abschaffen und die federal reserve noch dazu, zack, problem gelöst. die fed ist nicht staatlich, sondern privat, das muß man sich mal vorstellen, armes amerika.
3. Guten Morgen
Hubert Rudnick, 13.06.2011
Zitat von sysopIn der amerikanischen Finanzwelt wächst die Sorge vor dem endgültigen Scheitern der US-Haushaltsverhandlungen - und*vor den Folgen für die Märkte: Laut*der "Financial Times" bereiten sich*große Wall-Street-Banken bereits auf den Ernstfall vor. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,768156,00.html
Guten Morgen amerikanische Finanzwelt. Was denn, sind sie nun auch schon aufgewacht? HR
4. Feigheit vor dem Feind
bigeagle198, 13.06.2011
Eine Anhebung der Schuldenobergrenze verschiebt das Problem nur in die Zukunft. Warum wird das Problem nicht substantiell angegangen. Das könnte auch als Vorbild für Europa gelten. Gruß bigeagle198
5. Banken sind gefährlicher als stehende Armeen
heinrichp 13.06.2011
Zitat von sysopIn der amerikanischen Finanzwelt wächst die Sorge vor dem endgültigen Scheitern der US-Haushaltsverhandlungen - und*vor den Folgen für die Märkte: Laut*der "Financial Times" bereiten sich*große Wall-Street-Banken bereits auf den Ernstfall vor. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,768156,00.html
Bereits vor über 200 Jahren sah ein weiser Politiker voraus, womit wir uns heute konfrontiert sehen... Es war Thomas Jefferson (1743–1826), 3. Präsident der USA. Sie werden es kaum glauben, aber er hat... ... die Kernschmelze unseres Finanzsystems vor über 200 Jahren prophezeit! Hier seine genauen Worte: Banken sind gefährlicher als stehende Armeen „Ich bin davon überzeugt, dass die Bankinstitute eine größere Bedrohung für unsere freiheitliche Ordnung darstellen als stehende Armeen... Sollte das amerikanische Volk je zulassen, dass private Banken erst durch Inflation, dann durch Deflation die Kontrolle über die amerikanische Währung erobern, werden die Banken und die in ihrem Umfeld entstehenden Unternehmen... die Menschen all ihres Reichtums berauben, bis ihre Kinder eines Tages auf dem Kontinent, den ihre Väter erobert haben, ohne ein Dach über dem Kopf aufwachen... Die Macht, Geld in Umlauf zu bringen, muss den Banken entrissen und an das Volk zurückgegeben werden, dem sie von Rechts wegen zusteht.“ Thomas Jefferson im Jahre 1809
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