US-Schuldenkrise: Wall Street fürchtet den Doppelschlag

Von , New York

Trotz des Sparkompromisses von Washington geht die Angst an den US-Börsen um - und treibt Aktivisten zu textillosen Protestaktionen. Die Investoren haben erkannt, dass der Schuldenstreit die wahren Probleme nur vertuscht: Die USA drohen in eine zweite Rezession zu schlittern.

Wall Street: Das Gespenst der zweiten Rezession geht um Fotos
DPA

Die Aktion begann um Punkt sieben Uhr, gerade als die ersten Wall-Street-Pendler aus der U-Bahn quollen. Sie positionierten sich im Schatten der Börse, vor der Federal Hall, vor dem Luxusladen Blancpain, verkleidet als Banker, Sekretärinnen, Hausmeister und Straßenfeger. Und dann, auf Kommando, zogen sie sich aus. Splitternackt.

Der Protestaufmarsch von 50 Nudisten im Herzen der Weltfinanz war eine Idee des Performance-Künstlers Zefrey Throwell. "Ich will die dunkelsten Winkel der Finanzwelt ausleuchten", sagte er. Seine Mutter habe ihre gesamten Lebensersparnisse in der Finanzkrise verloren. "Nichts hat sich seitdem verändert."

Am Montag war das, als die Wall Street nackt dastand, für fünf Minuten. Diesmal handelte die Justiz flink: Während die großen Schurken der Kreditkrise bis heute frei herumlaufen, wurden die, die sie textilfrei anprangerten, einkassiert. Drei Nackedeis landeten in U-Haft - und die Wall Street nahm ihren Rhythmus auf, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken.

Die Wall Street hat ihre eigenen Gesetze. Das zeigte sich in dieser Woche auch an einem anderen, noch bedeutenderen Beispiel. Trotz des Schuldendeals in Washington setzten die US-Aktien ihre steile Talfahrt fort. Insgesamt fielen sie acht Tage in Folge, der dauerhafteste Sturz seit der Krise 2008. Am schlimmsten war es am Dienstag, als der Dow Jones um 266 Punkte abrutschte (2,2 Prozent). Erst am Mittwoch fingen sich die Kurse wieder, um haarscharf im grünen Bereich zu landen.

Die Entwicklung widersprach allen Erwartungen: Nach der Zitterpartie um die US-Schuldenobergrenze und das 2,14-Billionen-Dollar-Sparpaket, das die Staatspleite abwendete, hätten sich die Börsen eigentlich berappeln müssen. Doch das Gegenteil war der Fall. Denn, so offenbart sich jetzt: Die Crux war nie wirklich der Schuldenstreit. Er war nur eine von der Tea Party inszenierte Ablenkung. Das Problem, das Investoren und Spekulanten belastet, liegt viel tiefer: Konjunktur und Arbeitsmarkt kränkeln, eine neue Rezession droht, und die Rating-Agenturen haben der USA noch längst keinen Freibrief ausgestellt.

"Es herrschen Unsicherheit und Angst"

Diese Sorgen köcheln auch an der Wall Street schon lange, die jüngste Schuldenfarce Washingtons hatte sie nur vorübergehend vertuscht. "Seit die Leute nicht mehr auf die Schuldengrenze starren", sagte der Portfolio-Manager Erik Weisman dem "Wall Street Journal", "starren sie auf eine Wirtschaft, die schlechter aussieht als gedacht." Brian Sullivan, Börsenexperte beim Wirtschaftssender CNBC, formuliert es so: "Es herrschen Unsicherheit und Angst."

Eine Abfolge mieser Konjunkturdaten fachen diese Angst zusätzlich an: Einkommen, Ausgaben, Preise, Produktion - die Fundamente beben. Immer mehr setzt sich die Einsicht durch: Aus dem erhofften Aufschwung 2011 wird nichts. Schlimmer noch: Das Gespenst einer zweiten Rezession (Double-Dip-Rezession) spukt durch die Wall Street - trotz aller Dementis des Weißen Hauses. Das gab es voriges Jahr schon mal, doch da konnte die Notenbank mit ihrer lockeren Geldpolitik einen solchen Absturz verhindern. Doch diesmal sind die Tricks fast ausgereizt, und sogar die Kaffeesatzleser des Wall-Street-Giganten Goldman Sachs warnen vor einem zweiten Absturz ins Tal der Konjunkturtränen.

Die Analysefirma Strategas Research Partners erhöhte die Wahrscheinlichkeit einer Rezession fürs US-Wahljahr 2012 jetzt von 20 auf 35 Prozent und für 2013 von 50 auf 60 Prozent. Das Sparpaket, so die Experten, würde zwar mit Verzögerung durchschlagen, doch ab 2013/14 auf die Konjunktur drücken.

Ökonomen verlangen höhere Staatsausgaben

Immer häufiger werden hier jetzt auch Vergleiche mit den dreißiger Jahren laut. Da schlitterten die USA nach dem Crash von 1929 in eine tiefe Depression - und zogen die Weltwirtschaft mit nach unten. Ökonomen wie Irwin Keller warnen, dass die US-Regierung alte Fehler wiederhole: "Dieses Umfeld verlangt höhere Staatsausgaben, um die Konjunktur zu stützen, nicht weniger", schreibt er im Wirtschaftsdienst Dow Jones. "Entweder haben die Politiker Washingtons die Lektionen der Geschichte vergessen, oder sie haben sich nie bequemt, sie zu lernen." Keller erinnert an Präsident Herbert Hoover, der 1930 die Ausgaben drosselte und die Rezession von 1929 so nur vertiefte: "Die politische Ursünde."

Selbst die Analystenikone Meredith Whitney spricht inzwischen schon von einer Double-Dip-Rezession: Diese finde in Städten und Kommunen sowie im Immobilienmarkt bereits statt, was wiederum "enormen Druck" auf den Rest der Wirtschaft ausübe, sagte sie auf CNBC.

Der Spar-Deal verschärft die Sache nun nur noch. In puncto Schulden seien die USA "aus dem Gröbsten raus", sagte Mohamed El-Erian, der Chef der weltgrößten Anleiheninvestors Pimco, im Interview mit dem "Wall Street Journal". Was jedoch die "breiteren Zielvorgaben" angehe, "haben wir die Dinge womöglich verschlechtert als verbessert".

Sparpakete drücken bekanntlich immer auf die Konjunktur - dieses jetzt könnte zu keinem ungünstigeren Zeitpunkt kommen. Ökonomen glauben, dass das US-Wirtschaftswachstum im kommenden Jahr so schon um 1,5 Prozentpunkte schrumpfen wird, da dann die letzten Konjunkturprogramme enden. Auch die vorübergehende Zwei-Prozent-Steuersenkung und die Langzeitarbeitslosenhilfe laufen aus. Präsident Barack Obama will die Steuersenkung zwar verlängern, doch die erstarkte Tea Party im Kongress wird sich dagegenstemmen.

Entscheidende Arbeitslosenzahlen

Auch der US-Arbeitsmarkt sieht trübe aus. Die Wall Street wartet auf Freitag, auf die nächsten Arbeitslosenquoten. "Der Markt zittert", sagte Peter Coleman, Research-Direktor bei JMP Securities, dem "Wall Street Journal". "Die Arbeitslosenzahlen werden entscheidend sein, wollen wir Boden gewinnen."

Die Zeichen stehen schlecht. Die Zahl der Entlassungen war im Juli mit mehr als 66.000 so hoch wie in 16 Monaten nicht mehr. "Firmen stellen nicht mehr nur nicht ein", sagt Finanzanalystin Vera Gibbons, "sie feuern wieder." Auch Regierung und Behörden haben seit Mai 2010 mehr als 900.000 Arbeitsplätze gestrichen - ein Exodus, den die nun von den Republikanern erzwungene Staatsschrumpfung nur noch beschleunigen wird. Selbst die Wall Street avisiert massive Stellenkürzungen.

Kein Wunder, dass die Investoren vergeblich auf ein Zeichen des Optimismus hoffen. Doch was macht der Kongress? Der verabschiedet sich, gebeutelt vom Schuldenzank, am Wochenende für einen Monat in die Sommerpause. Dutzende Probleme bleiben bis dahin ungelöst - darunter die Finanzierung der US-Luftfahrtbehörde FAA.

Die Konsequenzen allein in diesem Einzelfall sind unglaublich. Rund 4000 FAA-Mitarbeiter - etwa Sicherheitsinspektoren - sind zwangsbeurlaubt und bekommen erst im September wieder Lohn. Auch verliert die Regierung Steuereinnahmen aus Flugtickets, die sich insgesamt auf eine Milliarde Dollar summieren. "Es ist eine Situation", schimpfte Obama am Mittwoch, "bei der jeder verliert."

Doch gesunder Menschenverstand herrscht offenbar schon lange nicht mehr in Washington. Er scheint dieser Tage eher an der allseits beschimpften Wall Street zu regieren. Zefrey Throwell und seine Performance-Nudisten hätten sich besser vor dem Kapitol ausgezogen.

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1. Es ist absurd...
Pablo Diablo 04.08.2011
...zuerst erzwingt die Wall Street praktisch die Absiedlung der amerikanischen Industrie nach Asien. Dann fürchtet sie sich vor den Arbeitslosenzahlen. Hätte einer dieser Super-Duper-Manager auch nur einen Tag weiter als bis zum nächsten Quartalsabschluss gedacht, hätte er das kommen sehen. Aber es war egal, es ist egal. So lange, bis weder die US- noch die europäischen Konsumenten mehr Geld haben, um irgend was zu kaufen.
2. Wir suchen ein Heilmittel …
wika 04.08.2011
---Zitat--- Zitat aus Artikel: Die Zeichen stehen schlecht. Die Zahl der Entlassungen war im Juli mit mehr als 66.000 so hoch wie in 16 Monaten nicht mehr. "Firmen stellen nicht mehr nur nicht ein", sagt Finanzanalystin Vera Gibbons, "sie feuern wieder." Auch Regierung und Behörden haben seit Mai 2010 mehr als 900.000 Arbeitsplätze gestrichen - ein Exodus, den die nun von den Republikanern erzwungene Staatsschrumpfung nur noch beschleunigen wird. Selbst die Wall Street avisiert massive Stellenkürzungen. ---Zitatende--- Klar, alle wissen das es die sich exponentiell vermehrenden Geldberge sind die uns in Bälde erschlagen werden. Was liegt da näher als sich endlich dem eigentlichen Übel zuzuwenden. Es gibt einfach zu viele Menschen die daran partizipieren wollen, das System sieht aber nur Wenige vor. Was müssen wir jetzt machen? ganz klar, im Bereich des „Humnakapitals“ jetzt noch ganz fix die Gift- und Schrottmodelle aus dem Verkehr ziehen, weil diese eine Ansteckungsgefahr für den Rest bilden. Wir kennen dieses Szenario ja bereits aus dem Bereich der Derivate und sonstigen Schrottpapiere. Hier läge dann auch das nächste Geschäftsfeld der Rate-Agenturen, die sich jetzt endlich dazu aufraffen könnten *das Humankapital mit in ihre Aktivitäten einzubeziehen* … Link (böse) (http://qpress.de/2011/07/31/rating-agenturen-erweitern-geschaftsfeld-um-humankapital/). Sicherlich dringend erforderlich, denn nicht kann den Siegeszug des Geldes mehr bremsen als diese verkannte Masse des Humankapitals. Das Geld scheint entschlossen zu sein hier durchzugreifen. ES muss also noch viel mehr gefeuert werden, denn jede Stelle die Geld kostet, nagt an den Möglichkeiten die Zinsen auf erfundenes Geld zu zahlen … ein Umstand der aus Sicht der Finanzsicherheit nicht hinzunehmen ist. (°!°) Sollten sie der Versuchung erliegen diesen Beitrag als böseste Schwarzmalerei zu betrachten, dann liegen sie nicht ganz verkehrt, nur allein die Beobachtung der realen Entwicklungen der letzten paar Jahre füllt diesen schwarzen Farbeimer. Der Mensch ist in diesem Spiel auch nur Mittel zum Zweck und es wird Zeit sich das System ein wenig genauer zu betrachten. Darüber hat der Spiegel hier und da ja schonmal zaghaft angefangen zu berichten.
3. Krise
hdwinkel 04.08.2011
Zitat von Pablo Diablo...zuerst erzwingt die Wall Street praktisch die Absiedlung der amerikanischen Industrie nach Asien. Dann fürchtet sie sich vor den Arbeitslosenzahlen. Hätte einer dieser Super-Duper-Manager auch nur einen Tag weiter als bis zum nächsten Quartalsabschluss gedacht, hätte er das kommen sehen. Aber es war egal, es ist egal. So lange, bis weder die US- noch die europäischen Konsumenten mehr Geld haben, um irgend was zu kaufen.
Das ist nur zum Teil richtig. Der viel größere Teil der Industriearbeitsplätze geht durch Produktivitätssteigerungen verloren. Auch in China werden mehr Stellen abgebaut als geschaffen. "Von 1982 bis 2002 stieg die amerikanische Stahlproduktion von 75 auf 102 Millionen Tonnen. Im selben Zeitraum nahm die Zahl der Stahlarbeiter von 289.000 auf 74.000 ab. In den 20 größten Volkswirtschaften der Erde sind zwischen 1995 und 2002 mehr als 30 Millionen Arbeitsplätze abgebaut worden. Wohin sie schauen, dasselbe Bild: Die Produktion steigt, die Produktivität steigt, aber die Arbeitsplätze nehmen ab. Aus: "Langfristig wird die Arbeit verschwinden" http://content.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/detail.php/916564
4. Wieso eine zweite Rezession?
deppvomdienst 04.08.2011
Zitat von sysopTrotz des Sparkompromisses von Washington geht die*Angst an den US-Börsen um - und treibt Aktivisten zu textillosen Protestaktionen. Die Investoren haben erkannt, dass der Schuldenstreit die wahren Probleme nur vertuscht: Die USA drohen in eine zweite Rezession zu schlittern. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,778300,00.html
Das ist immer noch die erste, nämlich die von den Attentaten am 11.09.2001. Deren Auswirkungen sind immer noch nicht finanziert: vorher die Dotcom-Blase, dann zwei Kriege, massive Ausweitung der Kosten für Zivilschutz, ... Die Lehman-Pleite war nur eins von mehreren Anzeichen dafür, dass sich die USA in einer Dauer-Rezession befinden. Man mag sich über die Motive streiten, warum die Finanzindustrie die "Konkursverschleppung" der US-Politik dermaßen lange mitgetragen hat, man darf sich auch darüber streiten, warum das so war und ob das gut oder böse war - aber man muss endlich der Realität ins Auge sehen. Mit allen brutalen Folgen! Jeder (!) hat das wissen können, es hat aber Keinen interessiert. Auf der Titanic hat die Musik ja auch bis zuletzt gespielt. Und denjenigen, die jetzt ihren Talerchen nachweinen, sei gesagt, dass die böse, böse Finanzindustrie der Welt für einige Jahre eine unverdiente (weil schuldenfinanzierte) Riesen-Party spendiert hat. Jetzt gehts ans Aufräumen - und der Kater nach vielen Jahren Party wird bestialisch. Die Demokratien dieser Welt sind aufgerufen sich neu zu erfinden: funktioniert die Selbstbestimmung auch noch, wenn es keine Wohltaten mer zu verteilen gibt, die erst in der nächsten Generation erwirtschaftet werden? Oder kapitulieren wir vor der Freiheit und lassen uns doch wieder von ein paar wenigen regieren, die nicht alle paar Jahre an der Wahlurne gerated werden müssten? In der Hoffnung, dass die wenigstens wissen, was sie tun. Die Wahlbürger der Demokratien sind jedenfalls ihrer Verantwortung nicht gerecht geworden!
5. Und was ist neu an dieser Erkenntnis?
Toebbens 04.08.2011
Leser aufgeklärter wirtschaftspolitischer Blogs wissen schon seit langem, das die scheinbare Erholung der US-Wirtschaft einzig und allein an der galoppierenden Staatsverschuldung hängt. Rechnet man diese heraus, dann hat die Rezession von 2008 nie geendet. Erwin Keller hat völlig recht, wenn er an die Fehler Präsident Hoovers erinnert und jammert "Entweder haben die Politiker Washingtons die Lektionen der Geschichte vergessen, oder sie haben sich nie bequemt, sie zu lernen." Er liegt allerdings völlig falsch, wenn er die lange Depression damit begründet, daß Hoover in 1930 die Ausgaben gedrosselt habe. Die gesamten Staatsausgaben (Bundesstaat & Länder) sind die ganze Depression hindurch weiter gestiegen. Die Bundesstaatsausgaben, für die Hoover verantwortlich war, haben sich unter seiner Regierung fast verdoppelt! DAS ist die Parallelität zur aktuellen Krise und genau wie 1929 führen die ungezügelten Interventionen der Regierung erst zu einer richtig langen Depression.
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Die wichtigsten Eckpunkte zum US-Schuldenkompromiss
Wochenlang haben Demokraten und Republikaner in Amerika um einen Kompromiss für den Staatshaushalt gerungen. Jetzt ist die Einigung da. Die wichtigsten Eckpunkte in der Übersicht.
Wie viele Schulden darf Amerika künftig machen?
Die US-Schuldengrenze wird nach Angaben des Weißen Hauses schrittweise um mindestens 2,1 Billionen Dollar angehoben - zunächst um fast eine Billion Dollar bis Ende dieses Jahres, der Rest folgt dann bis Ende 2012. Sie steigt damit von derzeit 14,3 Billionen auf mindestens 16,4 Billionen Dollar.
Wie viel Geld will Amerika sparen?
Insgesamt rund 2,4 Billionen Dollar will die amerikanische Regierung in den kommenden zehn Jahren sparen. Das Sparprogramm soll in zwei Etappen realisiert werden. Kurzfristig sollen die Ausgaben um 917 Milliarden Dollar gekürzt werden. Bis Ende 2011 sollen zusätzliche Einsparungen von 1,5 Billionen Dollar beschlossen werden.
Was wird in der ersten Etappe eingespart?
Insgesamt geht es um 917 Milliarden Dollar. 350 Milliarden Dollar der rasch fälligen Einsparungen entfallen auf die Militärausgaben. Hinzu kommen Einsparungen im Regierungsapparat. Renten und Sozialbezüge werden fürs Erste nicht gekappt. Steuererhöhungen stehen zunächst ebenfalls nicht zur Debatte.
Wer legt die Einsparungen der ersten Etappe fest?
Den kleineren Teil des Sparprogramms müssen Repräsentantenhaus und Senat bis Dienstag absegnen. Die Abstimmungen dürften knapp ausfallen: Linke Demokraten und rechte Republikaner sind mit vielen Details des Abkommens unglücklich.
Was wird in der zweiten Etappe eingespart?
Hier geht es um 1,5 Billionen Dollar innerhalb der kommenden zehn Jahre. Die Maßnahmen können alles umfassen. Allein im Bereich Militär sind Kürzungen von mindestens 500 Milliarden Dollar geplant. Hinzu kommen Kürzungen bei Renten, Sozialausgaben (wie das Arbeitslosengeld und Lebensmittelmarken) und der Krankenversicherung für Senioren (Medicare) und Arme (Medicaid). Auch Steuererhöhungen dürften diskutiert werden.
Wer legt die Einsparungen der zweiten Etappe fest?
Bis Ende November soll ein sogenannter Super-Kongress alle weiteren Sparmaßnahmen beschließen. Es handelt sich dabei um einen Sonderausschuss aus sechs Demokraten und sechs Republikanern.

Sollte sich der Super-Kongress auf keine konkreten Maßnahmen einigen können oder der Kongress diese nicht bis Weihnachten 2011 absegnen, treten automatische Kürzungen in Kraft. Diese würden auf jeden Fall Kürzungen bei Sozial- und Verteidigungsausgaben umfassen. Renten-und Sozialschecks würden in diesem Fall kategorisch ausgespart.

Fotostrecke
US-Bonität: Die wichtigsten Fakten zur US-Schuldenkrise