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US-Schuldenkrise: Warum die Finanzmärkte den USA noch immer vertrauen

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Die Verschuldung der USA steigt dramatisch, nun steuert das Land auf die Zahlungsunfähigkeit zu. Doch europäische Banken haben zuletzt ihre Bestände an US-Anleihen sogar kräftig aufgestockt. Das Vertrauen in Amerika ist noch immer groß. Zu Recht?

Frisches Geld: Die US-Notenbank Fed kann das amerikanische Defizit finanzieren Zur Großansicht
AFP

Frisches Geld: Die US-Notenbank Fed kann das amerikanische Defizit finanzieren

Hamburg - Die Konjunktur lahmt, fast jeder Zehnte ist arbeitslos - und der Schuldenstand ist beinahe so hoch wie die jährliche Wirtschaftsleistung. Nein, die Rede ist nicht von Griechenland, Portugal oder Irland - sondern von der größten Volkswirtschaft der Welt, den USA.

Seit dem Jahr 2000 haben sich die Staatsschulden der Amerikaner fast verdreifacht. 5,6 Billionen Dollar waren es damals. Ende 2011 sollen es 15 Billionen Dollar sein. Weil schon in wenigen Tagen das gesetzlich festgelegte Schuldenlimit von 14,3 Billionen Dollar erreicht werden könnte, verhandeln Demokraten und Republikaner im Kongress schon seit Wochen über eine Anhebung der Grenze. Sollten sie sich bis Anfang August nicht einigen, droht den USA die sofortige Zahlungsunfähigkeit.

So dramatisch das alles klingt, so wenig scheint es die Investoren an den Finanzmärkten zu interessieren. Eigentlich müssten sie wegen des ständig steigenden Risikos höhere Zinsen von den USA verlangen. Doch das Gegenteil ist der Fall: Die Renditen amerikanischer Staatsanleihen sind monatelang gesunken. Erst seit einigen Tagen legen sie etwas zu. Noch immer kann sich der Staat für weniger als drei Prozent jährlich Geld über zehn Jahre leihen - billiger als etwa die Niederlande, Frankreich, Großbritannien oder Australien. Zum Vergleich: Italien musste am Donnerstag 5,77 Prozent Zinsen für zehnjährige Anleihen zahlen.

Auch Kreditausfallversicherungen für US-Staatsanleihen sind zuletzt zwar etwas teurer geworden, kosten aber immer noch kaum mehr als etwa Versicherungen gegen einen Ausfall deutscher Bundesanleihen.

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US-Bonität: Die wichtigsten Fakten zur US-Schuldenkrise
Gerade die europäischen Banken haben offenbar großes Vertrauen in die USA. Nach neuesten Statistiken haben sie ihre Bestände an US-Anleihen in den ersten drei Monaten des Jahres massiv aufgestockt: Von Ende Dezember bis Ende März stieg das Volumen öffentlicher US-Anleihen in ihren Geschäftsbüchern von 479 auf 752 Milliarden Dollar. Das geht aus aktuellen Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel hervor - einer Art Weltzentralbank, an die alle Institute regelmäßig ihre Kreditbestände melden müssen.

Vor allem britische Institute setzen voll auf die USA. Sie steigerten ihre Bestände von 184 auf 316 Milliarden Dollar. Aber auch französische, spanische und deutsche Banken kauften kräftig ein. Das Volumen der US-Anleihen bei deutschen Geldhäusern stieg von 18 auf 26 Milliarden Dollar - der Großteil davon dürfte bei der Deutschen Bank Chart zeigen liegen.

Woher kommt dieses Vertrauen der Investoren? Warum leihen sie einem so hochverschuldeten Staat immer noch Geld? Eugen Keller hat eine Vermutung: "Wir haben vor einiger Zeit mal eine kleine Umfrage auf einer Anlegermesse gemacht", erzählt der Anleihen-Experte des Frankfurter Bankhauses Metzler. "Die Anleger haben uns gesagt, dass sie bei US-Staatsanleihen immer noch davon ausgehen, dass das Geld zurückgezahlt wird - auch wenn es bezogen auf den Außenwert des Dollars vielleicht nicht mehr so viel wert ist."

"Es können nicht alle Schweizer Franken kaufen"

Der Gedanke dahinter ist einfach: Weil der Dollar die wichtigste Währung der Welt ist, können die Vereinigten Staaten fast nicht pleitegehen. "Anders als die Europäische Zentralbank kann die Notenbank Fed einfach frisches Geld drucken", erklärt Keller. "Das kann zwar den Wechselkurs des Dollars schwächen, aber ein Ausfall von US-Anleihen ist extrem unwahrscheinlich."

Bei einigen Euro-Ländern sah die Lage in den vergangenen Monaten deutlich schwieriger aus. Portugal und Irland schweben nach Ansicht vieler Investoren noch immer in Pleitegefahr - bei Griechenland ist der teilweise Zahlungsausfall mittlerweile offiziell vereinbart.

"Den Anlegern fehlen die Alternativen zu US-Anleihen. Wo soll das ganze Geld hin?" sagt Stefan Schneider, Leiter des Teams Macro Trends bei Deutsche Bank Research. Viele Investoren hätten in den vergangenen Monaten auf Gold und Schweizer Franken gesetzt, um den Risiken in der Euro-Zone und den USA zu entgehen. Langsam werde es aber auch in diesen Märkten eng. "Es können nicht alle Schweizer Franken kaufen. So viel gibt es einfach nicht."

Schneider sieht noch einen weiteren Grund, warum die Finanzmärkte den USA immer noch vertrauen: die schon traditionelle Fähigkeit des Landes, seine Probleme doch noch irgendwie zu lösen. "Die USA haben bisher immer die Kurve gekriegt. Darauf setzen die Anleger auch nun wieder."

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1. Keine Angst....
juergw. 28.07.2011
Zitat von sysopDie Verschuldung der USA*steigt*dramatisch,*nun steuert das Land*auf die Zahlungsunfähigkeit zu. Europäische Banken haben zuletzt*ihre Bestände an US-Anleihen sogar kräftig aufgestockt. Das Vertrauen in Amerika ist offenbar grenzenlos. Zu Recht? http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,777000,00.html
die US Milliardäre und Millionäre werden ihr Vermögen schon nicht den Bach runter gehen sehen.Lösung in letzter Sekunde. Wie lange man aber das Spiel aufs neue treiben kann ??
2. heute ist Donnerstag
4magda 28.07.2011
Die Finanzmärkte sind Bestandteil des "Rettungssystems". Die werden genau wissen, was hinter den Kulissen in den USA läuft. Könnte auch heißen: "Insidergeschäfte" :-)
3. Geldkreisläufe und Geldflüsse, bitte erklären.
mcf1975 28.07.2011
Wer sind denn diese ominösen Investoren, die am 2.August den USa dann 1 Billionen Dolalr leihen? Und wo ist diese Kohle im Moment?
4. Eine interessante Illustration
sorata 28.07.2011
Zitat von sysopDie Verschuldung der USA*steigt*dramatisch,*nun steuert das Land*auf die Zahlungsunfähigkeit zu. Europäische Banken haben zuletzt*ihre Bestände an US-Anleihen sogar kräftig aufgestockt. Das Vertrauen in Amerika ist offenbar grenzenlos. Zu Recht? http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,777000,00.html
"Es ist gut, dass nur wenige Leute unser Bank-und Finanzsystem verstehen, wäre dem nicht so, hätten wir gleich morgen eine Revolution". Henry Ford "Gebt mir die Möglichkeit für ein Land Geld zu drucken und die Kontrolle darüber und es wäre völlig belanglos für mich, wer die Gesetze macht". Mayer Anselm Rothschild Banker http://www.wtfnoway.com/
5. Erstaunlich
Willie, 28.07.2011
Zitat von sysopDie Verschuldung der USA*steigt*dramatisch,*nun steuert das Land*auf die Zahlungsunfähigkeit zu. Europäische Banken haben zuletzt*ihre Bestände an US-Anleihen sogar kräftig aufgestockt. Das Vertrauen in Amerika ist offenbar grenzenlos. Zu Recht? http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,777000,00.html
Was fuer ein realitaetsfremder Artikel mal wieder. Noch nicht einmal zwischen Zahlungsunfaehigkeit und -unwilligkeit kann da unterschieden werden. Und sich dann wundern: Erstaunlich wer so alles beim SPON Artikel unterbringen kann.
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