Protektionismus Drohender Handelskrieg mit den USA belastet die Börsen

Der Streit über US-Strafzölle und die angekündigte europäische Vergeltung setzen die Kurse an den Aktienmärkten unter Druck. Erst fielen die Kurse an der Wall Street, dann in Asien - nun verlor auch der Dax.

Parketthandel der Frankfurter Börse
AFP

Parketthandel der Frankfurter Börse


Die von US-Präsident Donald Trump angekündigten Strafzölle haben die Kurse an der Frankfurter Börse einknicken lassen. Der Leitindex Dax verlor zur Eröffnung mehr als ein Prozent und rutschte unter die Marke von 12.000 Punkten.

Der Dax folgte damit der New Yorker Wall Street sowie den asiatischen Börsen. Über den Wochenverlauf hinweg summiert sich der Verlust des Dax Chart zeigen so auf mehr als drei Prozent. Ende Januar hatte er mit 13.597 Punkten ein Rekordhoch erreicht. Der Mittelstandsindex MDax Chart zeigen gab zu Handelsbeginn sogar um mehr als 1,6 Prozent nach.

Als Auslöser der Verkaufswelle gilt die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, US-Strafzölle auf Stahl- und Aluminium-Importe einzuführen. Dies schüre die Furcht vor steigenden Kosten für die Unternehmen und deutlich schrumpfenden Gewinnmargen, sagte Anlagestratege Michael Hewson vom Brokerhaus CMC Markets.

Aktien von Stahlkonzernen unter Druck

Trump hatte angekündigt, sämtliche Stahlimporte der USA mit einem Zoll von 25 Prozent zu belegen. Dem europäischen Stahlverband Eurofer zufolge betrifft das eine Gesamtmenge von 35 Millionen Tonnen im Gesamtwert von 30 Milliarden Dollar (2017). "Wir erwarten, dass die Zölle die US-Einfuhren um etwa 20 bis 25 Millionen Tonnen beschneiden", sagte Eurofer-Generaldirektor Axel Eggert. Er fürchtet eine Halbierung der Exporte. Auch die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft BDI und DIHK äußerten Kritik.

An der Börse waren die europäischen Stahlkonzerne besonders betroffen. Thyssenkrupp und Salzgitter Chart zeigen verloren zwischenzeitlich bis zu drei Prozent. In Wien gaben Voestalpine und in Amsterdam ArcelorMittal Chart zeigen zu Handelsbeginn jeweils knapp zwei Prozent nach. "Die Strafzölle kommen zwar nicht unerwartet, fallen aber höher aus als zuvor signalisiert", sagte ein Börsianer.

Bereits am Donnerstag hatte der Dax bei 12.190,94 Punkten um zwei Prozent im Minus geschlossen. Als weiterer Grund für das Absacken des deutschen Leitindex gilt die Spekulationen über eine aggressivere Geldpolitik der US-Notenbank Fed, die zu steigenden Zinsen führen könnte.

Auch an den asiatischen Börsen hatte der Handelsstreit Folgen. Der chinesische Shanghai Composite gab 0,5 Prozent nach. Der japanische Nikkei-Index in Tokio sackte zwischenzeitlich um 2,9 Prozent ab. Außer Stahlfirmen standen dort auch Papiere von Autobauern zum Verkauf - Toyota Chart zeigen verzeichnete im frühen Handel einen Abschlag von 2,6 Prozent, Honda Chart zeigen ein Minus von 3,9 Prozent.

"Autobauer werden die Kosten tragen müssen und eventuell auch die Preise erhöhen", sagte Takuya Takahashi vom Börsenmakler Daiwa Securities. Das seien keine guten Aussichten für die Branche, in der die Verkäufe ohnehin schleppend seien. Hinzu kommt eine starke japanische Währung, die die Absatzchancen der Autohersteller auf dem Weltmarkt schmälert.

Die EU kündigte bereits Vergeltungsmaßnahmen an. "Wir werden nicht tatenlos zusehen, wie unsere Industrie durch unfaire Maßnahmen getroffen wird, die Tausende europäische Arbeitsplätze gefährden", sagte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Ohne ins Detail zu gehen sagte er: "Die EU wird entschieden und angemessen reagieren, um ihre Interessen zu verteidigen."

apr/dpa/Reuters

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MisterD 02.03.2018
1. Schade...
aber die EU kann sich das nicht gefallen lassen. In zweiter Instanz sollte man die US-Tech-Firmen angreifen, also Google, Facebook und Co... nur diese Firmen haben genug Einfluss um Trump zur Vernunft zu bringen und das werden sie erst tun, wenn es weh tut... Die EU ist mit 500 Millionen Menschen für Google und Co der größte freie Markt weltweit im Moment. Da muss man den Hebel ansetzen, da tut es den USA so richtig weh...
Normaler Wutbürger 02.03.2018
2. Bezweifel ich
Ganz ehrlich, ich bezweifel stark dass die EU in der Lage ist, angemessen und hart zu reagieren. Ich meine, Whiskey und Harleys ? Allein das diese Namen im Raum stehen ist schon ein Witz. Agrarerzeugnisse und Öl/Erdgas würden die USA hart treffen. Aber ich glaube nicht dass man sich das traut. Es würde auch dringend Zeit werden, mal europäische Alternativen zu Apple, Google, Intel, AMD, Microsoft, Twitter und, und, und, zu fördern. Darauf warten wir aber wohl leider vergebens. Denn das sind genau die richtigen Firmen wo man Druck ansetzen kann.
haraldbuderath 02.03.2018
3. Welthandel ?
Gibt es einen freien Welthandel nur unter der Diktatur der USA ? ist die NATO noch Sinnvoll für Europa? Wir lassen uns Erpressen durch Protektionismus? Nur Profit wird mit Gewalt verteidigt ?
GoaSkin 02.03.2018
4. jetzt kaufen, kaufen, kaufen
Alle wichtigen Börsen-Indices fallen und die meisten Aktien sind deutlich billiger zu haben. Jetzt können Investmentbanker Aktien billig kaufen, um sie dann zur nächsten weltpolitischen Positivmeldung zu einem dann besseren Kurs wieder loszuwerden. Ich habe schon lange das Gefühl, dass politische Handlungen mit Auswirkungen auf die Märkte ein einstudiertes und gespieltes Kasperltheater sind, bei denen jeder Akt zum passenden Zeitpunkt gespielt wird, sodass der Wertpapierhandel für alle, die die Fortsetzung dieses Theaters kennen, eine sichere Sache ist.
oldman2016 02.03.2018
5. Steuern von Amazon und Co.?
Wie hoch sind die Steuern, die Amazon, E-Bay u.a. US-Unternehmen in Deutschland - ja in Deutschland - abführen? Seit Jahren treiben US-Unternehmen Handelskrieg mit einheimischen Konkurrenten. Und unsere Politiker sind nicht in der Lage, diesen unfairen Wettberwerb zu unberbinden. Ein Armutszeugnis erster Güte.
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