US-Strafzölle Deutsche Unternehmen halten sich bedeckt

Mit Strafzöllen gegen die EU will US-Präsident Donald Trump die heimische Wirtschaft schützen. In der deutschen Stahl- und Autoindustrie hält sich die öffentliche Empörung in Grenzen.

Stahlproduktion bei Salzgitter
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Stahlproduktion bei Salzgitter


Deutsche Unternehmen haben verhalten auf den Strafzoll-Erlass der USA reagiert. Die deutsche Stahlindustrie sprach sich zwar gegen die protektionistischen Maßnahmen der USA aus, rechnet aber eher mit indirekten Konsequenzen. "Unsere direkte Betroffenheit ist gering", teilte der Stahlkonzern Salzgitter mit. Das eigentliche Problem der Zölle für die europäische Stahlbranche liege bei umgelenkten Stahlmengen aus China, die durch die Handelsbarrieren noch stärker als bisher auf den europäischen Markt drängen könnten. Gerade deshalb müsse die EU die Branche schützen: "Wir wiederholen unsere Forderung an die EU-Kommission, kurzfristig geeignete Maßnahmen zu ergreifen", teilte Salzgitter mit.

Der deutsche Marktführer ThyssenKrupp wollte sich zunächst nicht zu den Zöllen äußern.

Der Wirtschaftsverband Stahl- und Metallverarbeitung (WSM) warnte die EU aus Sorge vor einem Handelskrieg vor vorschnellen Gegenmaßnahmen. "Reaktionen der EU, die zu einer Eskalation der Situation und weiteren Handelsbarrieren führen, würden einen noch viel größeren Schaden anrichten. Die EU sollte gelassen bleiben", sagte WSM-Hauptgeschäftsführer Christian Vietmeyer.

Deutsche Autobauer halten sich bedeckt

Die Autobranche hielt sich zunächst bedeckt. BMW wolle die Auswirkungen auf das Geschäft zunächst prüfen, teilte der Autohersteller mit. Derzeit bezieht der Konzern nach eigener Auskunft mehr als 70 Prozent des jährlichen Stahlbedarfs im US-Werk Spartanburg aus örtlicher Produktion. Dieser Anteil solle weiter erhöht werden.

Volkswagen äußerte ähnlich wie der Stahlverband WSM die Befürchtung, dass es zu einer Eskalation im Handelsstreit kommen könnte. Donald Trump hat auch mit Zöllen auf Importautos gedroht - davon wäre Deutschland in der EU am stärksten betroffen.

Seit Donnerstag müssen Unternehmen in der EU bei Stahlimporten in die USA 25 Prozent, für Aluminium 10 Prozent Aufschlag zahlen. Deutsche und europäische Wirtschaftsverbände reagierten empört, die Politik kündigte Vergeltungsmaßnahmen an.

Im Video: USA verhängen Strafzölle gegen EU-Länder

Außenhandelsverband: Geschlossene EU-Strategie fraglich

Dass es eine geschlossene Strategie der Europäer in Zollfragen überhaupt geben werde, sei zweifelhaft, sagte der Hauptgeschäftsführer des deutschen Außenhandelsverbands, Gerhard Handke. Es gebe Länder, die überhaupt nicht beteiligt seien am Stahl- und Aluminiumhandel und auf die die US-Maßnahmen keine Auswirkungen hätten. Dagegen sei Deutschland Hauptbetroffener.

"Da die eigenen Reihen geschlossen zu halten bei 27 unterschiedlichen Interessen: viel Vergnügen", sagte Handke. Die Geschlossenheit der EU sei aber das A und O. "Das wird ein spannendes Ding."

"Die Zölle verletzen die Grundsätze der Welthandelsorganisation (WTO)", sagte der Handelsexperte des Münchner Ifo-Instituts, Gabriel Felbermayr. "Dieser Handelskonflikt ist eine wirtschaftliche Torheit, auch wenn der volkswirtschaftliche Schaden zunächst begrenzt bleibt." Es sei allerdings zu befürchten, "dass wir erst am Anfang einer Reihe weiterer US-Maßnahmen stehen".

In den USA sind Trumps protektionistische Maßnahmen nicht nur auf Enthusiasmus gestoßen. Selbst die Branchen, die Trump zufolge von den Zöllen profitieren sollen, sprachen sich dagegen aus. So riet der Verband Aluminium Association unter Verweis auf die Rekordnachfrage in der Branche von Zöllen und Quoten ab.

ans/Reuters

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gertner27 01.06.2018
1. Trump, der Sieger
Donald Trump hat jetzt alle Trümpe in der Hand. Er schützt die eigene Stahlindustrie und bringt sie zum erblühen, gleichzeitig hetzt er die EU-Länder nicht nur gegeneinander auf, sondern auch noch gegen China, das seine Stahlüberschüsse nun in die EU versucht loszuwerden. Sollte die EU deswegen nun gegen China Einfuhrbeschränkungen verhängen, dann liegt der weltweite Freihandel endgültig in Scherben und der geniale Trump hat alle seine Ziele erreicht. Sollte die EU törichterweise gegenmaßnahmen beschliessen, dann holt Trump eben den Dampfhammer raus. Schön, das Trump auch seinen Teil dazu beiträgt, die elende EU endgültig zu begraben. Italien ist ja schon auf dem guten Weg, sich aus den Klauen der EU zu befreien.
tschoe 01.06.2018
2. Schade
dass die EU nicht kurz nach der Verkündung ihrerseits eine Pressekonferenz einberufen hat, um ihre "Maßnahmen" vorzustellen und umzusetzen. Das ist die Sprache, die der Dealman versteht. So quacken sie erst mal rum, empören sich und reagieren...nicht. Kein Wunder, dass der Ruf als Laberverein manifestiert ist.
Horch und Guck 01.06.2018
3. Was wäre denn der "Dampfhammer"?
Zitat von gertner27Donald Trump hat jetzt alle Trümpe in der Hand. Er schützt die eigene Stahlindustrie und bringt sie zum erblühen, gleichzeitig hetzt er die EU-Länder nicht nur gegeneinander auf, sondern auch noch gegen China, das seine Stahlüberschüsse nun in die EU versucht loszuwerden. Sollte die EU deswegen nun gegen China Einfuhrbeschränkungen verhängen, dann liegt der weltweite Freihandel endgültig in Scherben und der geniale Trump hat alle seine Ziele erreicht. Sollte die EU törichterweise gegenmaßnahmen beschliessen, dann holt Trump eben den Dampfhammer raus. Schön, das Trump auch seinen Teil dazu beiträgt, die elende EU endgültig zu begraben. Italien ist ja schon auf dem guten Weg, sich aus den Klauen der EU zu befreien.
Vielleicht ein heisser Krieg? Denn irgendwie sieht dieser Handelskrieg so aus wie die Vorstufe zum Kriegshandel eines sich selber für ein Empire haltendes Landes, welches so nochmal dem drohendem Untergang zu entgehen versucht! Wer versucht der ganzen Welt den (Handels-)Krieg zu erklären, der ganzen Welt Vorschriften zu machen weil man sich selber angeblich in einer Opferrolle befindet, weil ja alle Verträge die die USA jemals mit anderen Ländern abgeschlossen hatte, so schlecht waren, dann muss man sich die Frage stellen ob denn vor Trump alle US Präsidenten, Politiker etc aller US Parteien, die dort jemals etwas zu bestimmen hatten(also 2 Parteien), komplette, antipatriotische Vollidioten waren. Und nur Trump und seine Anhänger sind in der Lage das zu erkennen, der Rest der Welt ist halt nur zu blöde um zu verstehen. Wie immer. Alles Geisterfahrer die mir entgegenkommen, nur ich nicht. Deshalb ist es für diese Leute wohl auch logisch das man am Ende als Gewinner vom Platz geht, wenn man sich nicht nur mit der generischen Mannschaft, den Schiris, dem Stadionbesitzern, der Polizei, allen Besuchern dort und den Millionen Zuschauern vor den TV Geräten anlegt und es sich mit all denen verscherzt, sie bedroht, ihnen versucht den eigenen Willen aufzuzwingen, oft unter Androhung von Gewalt, sondern auch noch mit dem kompletten Rest der Welt. Da kann man ja nur gewinnen, fragt sich nur wie groß der Dampfhammer dafür sein müsste!
auweia 01.06.2018
4. "Gegenmassnahmen" der EU
Man überschlägt sich medial ob des famosen Konters der EU. Habe heute im Radio sogar von "Vergeltungszöllen" faseln hören (Musste sofort an V1und V2 denken, hihi) Aber im Ernst Leute, Zölle auf Harleys, Jeans und Peanut Butter sind - richtig: Peanuts. Analogie: Die EU nimmt an einer Schiesserei teil und bringt als Waffe ein Messer mit. Damit tut man den Amerikanern nicht weh, auch wenn die Leidtragenden der EU-Zölle zumeist in den Trump-Wählergegenden sitzen. Die Antwort muss vielmehr asymmetrisch sein. Verschärfung der Steuerkonditionen im Dienstleistungsbereich (dazu zählen die Giganten wie Microsoft, Google, Netflix, Oracle, Facebook e tutti quanti die in EU super verdienen unt teilweise nur 0,01% Steuern zahlen) Diese Firmen haben auch in den USA eine Menge Einfluss. Dieser würde sich dann auf Ausgleichsbemühungen seitens der USA richten. Eine entsprechende Gesetzesinitiative kann ordnungspolitisch sauber verargumentiert werden und würde im Idealfall sogar die einnahmen der EU bzw. Ihrer Mitglieder verbessern. Alternativ wären Chärfere Sanktionen mit Strafzahlungen im Datenschutzbereich denkbar, DSGVO sei Dank. Die USA konnten - allein mit den Strafzahlungen von VW und Deutscher Bank mindestens einen Flugzeugträger finanzieren. Zeit, dass geantwortet wird.
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