Studie US-Zölle könnten Kosten für Autobauer verzehnfachen

Die Angst vor US-Strafzöllen für Autoimporte ist weiter groß - auch nach einem Treffen der deutschen Manager mit Trump. Eine neue Studie berechnet die Zollkosten auf drei bis fünf Milliarden Euro.

Audi-Fahrzeuge für den Export im Hafen von Emden (Archivfoto)
DPA

Audi-Fahrzeuge für den Export im Hafen von Emden (Archivfoto)


Die Gefahr von US-Strafzöllen für Autoimporte bereitet der deutschen Wirtschaft auch nach dem Treffen von Automanagern und US-Regierung weiter Sorgen. Der Verband der Bayerischen Wirtschaft (vbw) warnte vor "äußerst schwerwiegenden" Belastungen, die weit über die betroffenen Unternehmen hinausgingen, falls die angedrohten Einfuhrzölle von bis zu 25 Prozent umgesetzt würden.

Wie die Beratungsfirma EY in einer Studie im Auftrag des vbw berechnete, drohten dann den Autoherstellern Zollkosten von bis zu 5 Milliarden Euro im Jahr - zehnmal so viel wie aktuell. Derzeit verlangen die Amerikaner 2,5 Prozent Zoll.

"Der Zollstreit zeigt, dass alle Beteiligten wieder an den Verhandlungstisch zurückkehren müssen, um die bei unseren Unternehmen ausgelöste Unsicherheit schnellstmöglich zu beenden", sagte vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt der Deutschen Presse-Agentur.

Nach dem Treffen der Spitzenvertreter von Daimler, Volkswagen und BMW mit US-Präsident Donald Trump am Dienstag im Weißen Haus klangen die deutschen Manager zwar optimistisch. Aber vom Tisch sind die Strafzölle nicht, auch wenn die Konzerne hohe Investitionen in den USA angekündigt haben.

VW-CEO Herbert Diess und VW-Cheflobbyist Thomas Steg in Washington (Dienstag)
AP

VW-CEO Herbert Diess und VW-Cheflobbyist Thomas Steg in Washington (Dienstag)

Zollkosten von einer Milliarde Euro für Fahrzeugteile drohen

US-Handelsminister Wilbur Ross hatte am Dienstag das Ziel bekräftigt, das Handelsdefizit mit Deutschland bei Autos und Autoteilen zu senken. Trump, der seit Monaten als Reaktion auf den aus seiner Sicht unfairen Handel mit Sonderzöllen droht, hatte im Sommer zwar der EU-Kommission zugesichert, vorerst davon abzusehen. Doch zuletzt plädierte er - angesichts des Stellenabbaus beim US-Autobauer GM - erneut für Zölle von bis zu 25 Prozent auf Autos aus dem Ausland.

Sollte es dazu kommen, würde das der deutschen Wirtschaft um ein Vielfaches mehr schaden als die im Frühjahr verhängten Strafzölle auf Aluminium und Stahl, heißt es in der EY-Studie. Die jährlichen Zollkosten für den Export der Metalle in die USA seien zwar von 22 Millionen Euro auf ungefähr 400 Millionen Euro gestiegen. "Gesamtwirtschaftlich" hielte sich der Schaden aber vergleichsweise in Grenzen, urteilten die Wirtschaftsberater.

Anders sähe das aus, wenn die US-Regierung ihre Drohung wahr machte, die Importe von Autos und Fahrzeugteilen kräftiger zu besteuern. Diese machten 2017 rund ein Drittel aller deutschen Exporte in die USA aus. Bei Sätzen von 15 bis 25 Prozent auf die Einfuhr von Autos würden demnach Zollkosten in Höhe von 3 bis 5 Milliarden Euro entstehen - bis zu zehnmal mehr als die rund 507 Millionen Euro, die 2017 bei deutschen Autoexporten in die USA anfielen.

Dazu kämen Zollkosten von rund einer Milliarde Euro für Fahrzeugteile. Auch andere Studien zu den möglichen Auswirkungen, etwa des ifo-Instituts, waren früher zu ähnlichen Ergebnissen gekommen.

abl/dpa



insgesamt 54 Beiträge
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bajanibash 09.12.2018
1. Nicht die Kosten der Autobauer
sondern die Zollkosten verzehnfachen sich möglicherweise. Wie hoch der Anteil an den Gesamtkosten ist: keine Aussage. Welche "Auswirkungen" es auf Produzenten hat (Preiserhöhung in den USA, kleinere Margen, Absatzrückgang): keine Aussage. Dafür die Erkenntnis, dass zwischen 2,5 und 25 Prozent der Faktor 10 liegen könnte....
iasi 09.12.2018
2. Man sollte Probleme eben nicht immer nur aussitzen.
Trump ist ja schließlich nicht der erste US-Präsident, der einen Abbau des Handelsdefizist fordert. Und er ist auch nicht der einzige, der hohe Leistungsbilanzüberschüsse als problematisch und destabilisierend einstuft. Geändert hat sich nichts, den wir Deutschen schauen eben lieber auf uns und lassen z.B. lieber die anderen durch Konjunkturprogramme das Wachstum - auch unserer Exporte - fördern. Wir frieren lieber unsere Löhne ein und kühlen damit die Binnennachfrage aus, was eben auch die Importe bremst. Nun sind wir eben an dem Punkt, an dem das schöne Geldverdienen endet. Wobei: Geld haben wir ja eigentlich mit unseren Exportüberschüssen gar nicht verdient. Denn einen Gegenwert für unsere schönen exportierten Autos werden wir wahrscheinlich zu 100% nie erhalten. Also umsonst gearbeitet. Für stagnierende Löhne.
christoph_schlobies 09.12.2018
3.
Helmut Schmidt wollte mal,dass Deutschland vor allem Blaupausen exportiert.Nun hilft Trump,das zu verwirklichen -so furchtbar schlimm muss das auf Dauer nicht sein.Der Übergang allerdings kann heftig werden-deshalb müssen Verhandlungen her für einen vernünftigen Übergang..
joachimkawallek 09.12.2018
4. Ja und wer trägt die Zollkosten am Ende ?
Die Kosten werden eh über den Verkaufspreis vom Endverbraucher gezahlt . Ein Tesla Model 3 mit Vollausstattung kostet auch locker € 60.000 ,- der Käufer von deutschen High Tech Fahrzeugen zahlt dann eben den Zollaufschlag und fertig. Wenn man Premium fahren will , zahlt man eben etwas mehr. Wer hat eigentlich die Milliardenstrafe in den USA gezahlt ? Sicher nicht die der Aufsichtsrat oder die Top Manager des VW Konzerns sondern im Zweifel immer der VW Kunde.
leeberato 09.12.2018
5. Die Mehrkosten
einfach auf den Kaufpreis aufschlagen. Wer ein deutsches Auto will zahlt auch die Mehrkosten. Damit entlastet DT zwar nicht seine anvisierten Steuerzahler, ist aber egal, er hat sowieso keinen Durchblick.
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