Trotz "America First" US-Handelsdefizit auf höchstem Wert seit 2008

US-Präsident Trump hat versprochen, die Position der USA im "unfairen" Welthandel zu verbessern. Erreicht hat er bislang nicht viel: Das Handelsbilanzdefizit liegt nun höher als unter Vorgänger Obama.

US-Präsident Trump
AFP

US-Präsident Trump


US-Präsident Donald Trump zählt gern wirtschaftliche Erfolge auf. Bei seinem Prestigeprojekt - der Stärkung von Amerikas Position im Welthandel - ist er bislang allerdings nicht erkennbar weitergekommen.

Das Handelsdefizit der USA ist im vorigen Jahr auf das höchste Niveau seit 2008 gestiegen. Es weitete sich um 12,1 Prozent auf 566 Milliarden Dollar aus, wie das Handelsministerium mitteilte. 2016 hatte das Defizit noch bei 481 Milliarden Dollar gelegen. Damit fällt die Handelsbilanz im ersten Jahr von Donald Trumps "America First"-Politik schlechter aus als während der Amtszeit von Vorgänger Barack Obama (2009 - 2017).

Zur Erklärung: Die Handelsbilanz drückt die Differenz zwischen Exporten und Importen einer Volkswirtschaft aus. Die USA haben also 2017 deutlich mehr aus dem Ausland importiert als ins Ausland verkauft.

Fotostrecke

10  Bilder
Handelspolitik: So amerikanisch sind die US-Verkaufsschlager

Der von Trump besonders kritisch beäugte Fehlbetrag im Handel mit China legte 2017 um 8,1 Prozent auf den Rekordwert von 375,2 Milliarden Dollar zu. Trump wirft der Volksrepublik vor, sich mit unfairen Praktiken Vorteile im internationalen Wettbewerb zu erschleichen. Bei seinem Auftritt auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos warnte er jüngst vor "Raubtierpraktiken". Sein Handelsminister Wilbur Ross hält Chinas Produktoffensive bei Hightech-Gütern für eine Bedrohung.

Im Dezember übertrafen die amerikanischen Importe die Exporte im Handel mit der Welt um 53,1 Milliarden Dollar. Im November waren es 50,4 Milliarden Dollar. Damit erwies sich der Außenhandel zum Jahresende als Bremsklotz für das Wirtschaftswachstum: In den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres kostete dieser Effekt die USA insgesamt 1,13 Prozentpunkte an Zuwachs beim Bruttoinlandsprodukt.

Auffallend: Während die USA im Güterhandel sogar ein Defizit von 810 Milliarden Dollar verzeichneten, erwirtschaftete das Land im Dienstleistungsverkehr einen Überschuss von 244 Milliarden Dollar. Grund dafür ist vor allem die hohe Nachfrage aus dem Ausland nach US-Bildungsangeboten und Bankgeschäften.

beb/Reuters

insgesamt 14 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
hefe21 06.02.2018
1. Der Mann selbst ist doch ein einziger Export...
Über den messbaren monetären Rückfluss ist zwar nichts bekannt, aber der Donald hat eine der kolossalsten US-Aufmerksamkeitsexporte der Mediengeschichte in Gang gesetzt. SPIEGEL/Spon haben soviel davon geordert, dass sie praktisch jedes Ereignis mit ihm in Verbindung bringen. By the Way, wenn jetzt hunderte auslandsgebunkerte Milliarden der US-Konzerne rückfliessen, müssen dann nicht die US- Handelsdefizitbilanzen der letzten Jahre zumindest angepasst werden?
joe49 06.02.2018
2. wundert sich jemand?
Ganze Industriezweige wie die Textikindustrie und Hersteller wie Apple produzieren nichts in den USA, Lebensmittel werden in großem Stil irgendwo auf der Welt eingekauft hauptsache billig, dass sie der US Durchschnittsbuerger, der 'minimum wage' bekommt und 3 Jobs haben muss um halbwegs ueber die Runden zu kommen zwingen das Land zu Importen um das Auszugleichen muesste man auch etwas Exportierbares produzieren und da hapert es nun mal. Ein VW Passat ist für einen Durchschnittsamerikaner ein Fahrzeug aus dem Luxussegment, warum sollte dann jemand in Europa ernsthaft an einem in den USA produzierten Blechhaufen interessiert sein. America first ist ja eine schoene Idee aber eben nicht realisierbar. Trump hat nichts verstanden und es fehlt ihm auch am Intellekt zu verstehen wie die Weltwirtschaft funktioniert. Für die USA und den Rest der Welt bleibt nur zu hoffen, dass der Spuk Trump bald ein Ende hat.
willibaldus 06.02.2018
3.
Obwohl die Fed schon einige Zinsschritte vollzogen hat, was den Dollar stärken sollte, hat der Trump in seiner Amtszeit den Dollar nach unten geprügelt. Vielleicht um die heimische Produktion zu stärken, oder weil er halt der Trump im Porzellanladen ist. Der geneigte mag es sich aussuchen. Das verstärkt erstmal das Handelsdefizit weil importierte Waren teurer bezahlt werden müssen. Irgendwelche zurückgeholten Gelder - das es da belastbare Zahlen gibt, wage ich zu bezweifeln - tauchen in der Bilanz nicht auf. Mit dem Geld wurden keine Waren oder Dienstleistungen ge oder verkauft. Es könnte sich da auch so verhalten, wie bei den Arbeitsplätzen. Laut Weissem Haus hat Trump jede Menge Arbeitsplätze geschaffen - 2017 waren es fast so viele wie 2016 oder 2015.
skr72 06.02.2018
4. Warum zurückfließen?
Zitat von hefe21Über den messbaren monetären Rückfluss ist zwar nichts bekannt, aber der Donald hat eine der kolossalsten US-Aufmerksamkeitsexporte der Mediengeschichte in Gang gesetzt. SPIEGEL/Spon haben soviel davon geordert, dass sie praktisch jedes Ereignis mit ihm in Verbindung bringen. By the Way, wenn jetzt hunderte auslandsgebunkerte Milliarden der US-Konzerne rückfliessen, müssen dann nicht die US- Handelsdefizitbilanzen der letzten Jahre zumindest angepasst werden?
Sie glauben doch nicht das Apple-Märchen von Rückfluss der Gewinne? Zuviel Fox geschaut? Das was Apple angekündigt hat ist nur die Summe des zukünftigen Gewinn in den USA, d.h. in der Praxis geht da gar nix zurück. Warum auch? Wenn die im Ausland irgendwo liegen, dann sind sie sicher. In den USA können sich die Steuergesetze bald wieder ändern, etwa wenn bei Trump aufgrund der Russlandermittlungen die Handschellen klicken. Das Risiko geht bei so hohen Summen doch niemand ein
isi-dor 06.02.2018
5.
Die US-Industrie hat chinesischen Hightech-Produkten nichts entgegenzusetzen. Handelsbilanzdefizite kann man niemals durch Protektionismus abbauen, sondern einzig und allein durch innovative Produkte und dazu würde eine Bildungsoffensive gehören. Bildung ist in den USA für eine breite Öffentlichkeit einfach extreme Mangelware.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.