Teuerster Deal der Tech-Industrie Broadcom senkt Kaufgebot für Qualcomm

Wirbel um den Firmenkauf der Superlative - Chiphersteller Broadcom bot zuletzt 143 Milliarden für den Kauf von Qualcomm, doch der Konkurrent lehnte ab. Nun hat der Kaufinteressent sein Angebot gesenkt.

Qualcomm-Gebäude in San Diego
REUTERS

Qualcomm-Gebäude in San Diego


Bei den Verhandlungen um die bisher teuerste Tech-Übernahme hat der Chipkonzern Broadcom sein Gebot für den Konkurrenten Qualcomm leicht gesenkt. Auslöser ist, dass Qualcomm Chart zeigen am Vortag seinerseits das Angebot für die Übernahme des europäischen Halbleiter-Spezialisten NXP angehoben hatte. Broadcom Chart zeigen argumentiert, dass damit mehr Vermögen von Qualcomm-Aktionären an NXP-Anteilseigner rübergeschoben werde.

Qualcomm ist der weltgrößte Hersteller von Handychips. Die Chips in Smartphones und Tablet-Computern sorgen für die Verbindung zu Netzen. Zudem stammt in vielen Telefonen der Hauptprozessor von dem Unternehmen. Bei dem US-amerikanischen Unternehmen sorgen die Chips für den Großteil der Umsätze - der Gewinn hingegen wird vor allem mit Patentlizenzen auf diverse Technologien erzielt.

Broadcom erhofft sich, im Falle einer Fusion mit Qualcomm unter anderem eine Schlüsselposition beim kommenden schnellen 5G-Datenfunk einzunehmen.

Das Unternehmen mit Sitz in Singapur senkte das Angebot an die Qualcomm-Anteilseigner von 82 auf 79 Dollar pro Aktie. Den Einschnitt gibt es bei der Barkomponente - sie sinkt von 60 auf 57 Dollar. Insgesamt liegt das aktuelle Kaufangebot nun bei 117 Milliarden Dollar. Auf die Nachricht hin fiel die Qualcomm-Aktie um mehr als 1.5 Prozent.

Unterdessen bietet Broadcom weiterhin pro Qualcomm-Anteil eigene Aktien im Wert von 22 Dollar an. Zugleich sollen die drei Dollar automatisch wieder draufgepackt werden, wenn der NXP-Deal scheitern sollte.

Broadcom wollte sich die Übernahme von Qualcomm bisher insgesamt 146 Milliarden Dollar kosten lassen: 121 Milliarden Dollar für das Unternehmen plus die Übernahme von Schulden im Wert von rund 45 Milliarden.

Das Broadcom-Angebot war von der Qualcomm-Führung als zu niedrig und regulatorisch riskant abgelehnt worden. Broadcom appelliert jetzt direkt an die Aktionäre, Vertretern der Firma bei der Hauptversammlung Anfang März die Mehrheit im Qualcomm-Verwaltungsrat zu geben.

Qualcomm hatte am Vortag das Gebot für NXP von 110 auf 127,50 Dollar pro Aktie in bar angehoben. Der Deal wäre damit insgesamt 44 Milliarden Dollar schwer. Qualcomm will sich mit der Übernahme unter anderem bei Chips für vernetzte und autonome Fahrzeuge stärken. Zugleich wird der Zukauf auch als eine Abwehrmaßnahme gegen das feindliche Broadcom-Angebot gesehen.

Da sich das Geschäft von Qualcomm und Broadcom an vielen Stellen überschneidet, gehen Experten davon aus, dass die Regulierungsbehörden einen möglichen Deal streng prüfen würden. Ähnliche Geschäftsfelder beider Konzerne sind zum Beispiel die Bereiche WLAN und Bluetooth.

ans/dpa/AP/Reuters



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