US-Geldpolitik: Notenbankchef Bernanke hält Kurs

Fed-Chef Bernanke: Fed hält an Anleihekäufen fest Zur Großansicht
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Fed-Chef Bernanke: Fed hält an Anleihekäufen fest

Die US-Notenbank setzt unverdrossen auf die Geldschwemme: Bis zu einer Besserung der Wirtschaftslage will Zentralbankchef Bernanke weiter massiv Anleihen kaufen. Die Wall Street schloss danach im Minus.

Washington - Die US-Notenbank hält bis auf weiteres Kurs. Bis zu einer nachhaltigen Verbesserung der Wirtschaftslage würden weiter Monat für Monat für 85 Milliarden Dollar Staatsanleihen und Immobilienpapiere gekauft, teilte die Federal Reserve am Mittwoch in Washington nach einer Sitzung des für die US-Geldpolitik entscheidenden Offenmarktausschusses (FOMC) mit. Ihren Leitzins beließ die Zentralbank wie erwartet bei 0 bis 0,25 Prozent.

Wie bereits Anfang Mai signalisierte die Fed, die Anleihekäufe künftig flexibel handhaben zu wollen. Das Tempo der Käufe könne abhängig von der Entwicklung am Arbeitsmarkt erhöht oder auch reduziert werden, bekräftigte die Notenbank in ihrer Erklärung. Zugleich sicherte die Fed zu, ihren hochexpansiven Kurs auch dann noch beizubehalten, wenn die Anleihekäufe bereits eingestellt seien und sich die Konjunkturerholung beschleunige.

US-Notenbankchef Ben Bernanke sagte auf einer Pressekonferenz, das Erreichen von bestimmten Schwellenwerten werde nicht automatisch Handlungen der Fed auslösen. Zuletzt hatte er angekündigt, die Fed werde ihr Anleihekaufprogramm zurückfahren, wenn die Arbeitslosenquote in den USA unter 6,5 Prozent falle. Auch insgesamt hatte Bernanke im Mai die Möglichkeit einer Abkehr von der ultralockeren Geldpolitik in Aussicht gestellt - seitdem bestimmte Unsicherheit das Geschehen an den Weltfinanzmärkten. Auch dieses Mal griff er nur zu der schwammigen Formulierung, die Anleihekäufe könnten "später im Jahr" gedrosselt werden.

Die US-Börsen quittierten dies mit einem Kurssturz, nach den Äußerungen von Fed-Chef Ben Bernanke bauten sie ihre Abschläge deutlich aus. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte ging mit einem Minus von knapp 1,4 Prozent auf 15.112 Punkte aus dem Handel. Der breiter gefasste S&P-500 fiel 1,4 Prozent auf 1628 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq büßte 1,1 Prozent auf 3443 Punkte ein.

Prognose nach unten korrigiert

Die Fed senkte ihre Prognosen für das Wirtschaftswachstum und die Inflation im laufenden Jahr. 2013 werde die US-Wirtschaft vermutlich zwischen 2,3 und 2,6 Prozent wachsen, teilte der Offenmarktausschuss (FOMC) mit. Die bisherige Prognose vom März hatte zwischen 2,3 und 2,8 Prozent gelegen.

Die Inflationsprognose für 2013 wurde unterdessen recht deutlich zurückgenommen. Nachdem im März für die von der Fed besonders beachtete Kerninflation Raten von 1,5 bis 1,6 Prozent genannt worden waren, werden nun Raten von 1,2 bis 1,3 Prozent erwartet. Die derzeit geringe Inflation gilt unter Experten als einer der Gründe, die die Fed von einer zügigen Verringerung ihrer Anleihekäufe abhalten könnten.

Die Lage am Arbeitsmarkt bewertet die Fed indes besser. So wird es nunmehr für möglich gehalten, dass die Schwelle von 6,5 Prozent schon im Jahr 2014 und nicht wie bislang gedacht im Jahr 2015 erreicht wird.

cte/Reuters/dpa-AFX

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insgesamt 15 Beiträge
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1. Was sollte er sonst tun?
Der_Junge_Fritz 19.06.2013
Was sollte er auch sonst tun, etwa die Zinsen erhöhen und die Geldmenge verkleinern?! Dann müssten die Zocker ja einen neuen Job suchen.
2. es jst unsere währung....
pusterino 19.06.2013
Aber Euer Problem. Solange Rohstoffe in Dollar gehandelt werden und Exportländer sich freuen Dollar für ihre Waren zu erhalten, solange werden immer weiter Zahlen mit $-Zeichen erschaffen. Wenn die USA es wirklich schaffen in den nächsten Jahren unabhängig von öl-/ Gasimporten zu werden, zeigen die der Welt eh den Mittelfinger und ziehen sich wie eine Schildkröte in ihr Haus zurück.
3. Irre.
v819 20.06.2013
Einfach nur irre. Mehr fällt einem dazu wirklich nicht mehr ein.
4. Warum auch nicht?
Marcus_XXL 20.06.2013
Egal wie viele Tonnen an grünen Zetteln die FED jeden Tag druckt, die Welt ist bereit dafür den USA quasi unbegrenzt Waren zu verkaufen. Was ist naheliegender als einfach immer mehr von den Zetteln zu drucken? Im Jahr 2013 scheint die Regel, dass ein Staat sich nicht reich drucken kann anscheinend nicht zu gelten. Keine Ahnung wieso, aber offensichtlich giert die Welt nach immer mehr von diesen Zetteln. Also gibt man sie der Welt und bekommt im Austausch Öl, Gold, Autos, Firmen und was es eben sonst so für Geld zu kaufen gibt. Tolles System. Ich bin begeistert...
5.
muellerthomas 20.06.2013
Zitat von Der_Junge_FritzWas sollte er auch sonst tun, etwa die Zinsen erhöhen und die Geldmenge verkleinern?! Dann müssten die Zocker ja einen neuen Job suchen.
Den Banken ist ziemlich egal, wo die Zinsen stehen, Banken denken in Zinsmargen. Aber wieso sollte man auch bei eher schwachem Wachstum, nur langsam sinkender Arbeitslosigkeit und niedriger Inflation die Zinsen erhöhen?
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Die Aufgaben der Fed und der EZB
EZB
Der Auftrag der Europäischen Zentralbank (EZB) ist im EU-Vertrag festgelegt. Dort heißt es: "Das vorrangige Ziel der EZB ist es, die Preisstabilität zu gewährleisten." Zugleich soll die Notenbank die allgemeine Wirtschaftspolitik des Währungsraums unterstützen - allerdings nur soweit, falls hierdurch nicht das Ziel stabiler Preise beeinträchtigt wird. Durch diese Formulierung wird dem Ziel stabiler Preise Vorrang gegenüber weiteren Zielen eingeräumt.
Die EZB ist laut EU-Vertrag aber auch für die Stabilität des Finanzsystems mitverantwortlich. Eine Aufgabe, die gerade in Zeiten starker Turbulenzen an den Finanzmärkten besonders wichtig ist.
Fed
Die US-Notenbank Federal Reserve Banks ("Fed") sieht sich im Gegensatz zur EZB mehreren Aufgaben gegenübergestellt. Der "Federal Reserve Act" schreibt drei allgemeine Ziele vor: Demnach soll die Fed mit ihrer Geldpolitik sowohl eine "maximale Beschäftigung" als auch stabile Preise und langfristig moderate Zinsen gewährleisten. Ungeachtet der Tatsache, dass das Wachstumsziel in der Aufzählungsreihenfolge vor dem Ziel der Sicherung stabiler Preise rangiert, können sich aus diesem Zielkatalog Probleme ergeben. Wenn das Preisniveau in den USA anzieht und sich zugleich das Wirtschaftswachstum der Vereinigten Staaten abschwächt, kommt es zum Dilemma: Zur Sicherung der Preisstabilität müsste die Notenbank eigentlich die Leitzinsen anheben, angesichts der Wachstumsschwäche wären hingegen Zinssenkungen angebracht.
In der Vergangenheit hat die Fed im Zweifel dem Wachstumsziel eine höhere Bedeutung beigemessen als dem Ziel stabiler Preise.