Wettbewerb Deutschlands Freud ist Amerikas Leid

Die USA fürchten um ihre Exportchancen - und sehen dabei vor allem China und Deutschland als Gefahr. Peking halte den Yuan künstlich niedrig, kritisiert das US-Finanzministerium jetzt. Und die Bundesregierung setze zu sehr auf Ausfuhren.

Läuft: Deutschland hat im vergangenen Jahr einen neuen Exportrekord erzielt
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Läuft: Deutschland hat im vergangenen Jahr einen neuen Exportrekord erzielt


Schwächelt die Währung eines Landes, hilft das dem Export. Diese Erfahrung machen derzeit auch die Eurostaaten. Während europäische Länder vom schwachen Kurs der Gemeinschaftswährung profitieren, sieht die US-Regierung die Entwicklung kritisch. In einem Bericht warnt das US-Finanzministerium vor der Exportlastigkeit der deutschen Wirtschaft. Auch China steht im Fokus.

In dem Bericht für den Kongress warnt die US-Regierung die Europäer und damit auch Deutschland davor, sich zu stark auf den schwachen Eurokurs und die Ausfuhren zu verlassen. "Unbedingt notwendig" wäre eine stärkere Nachfrageentwicklung in Deutschland - der größte europäischen Volkswirtschaft. Damit drängt die Regierung Deutschland zu einer expansiveren Ausgabenpolitik. In dem Bericht kommt auch eine Besorgnis über jüngste Entwicklungen an den Devisenmärkten zum Ausdruck. Dort gewann der Dollar Chart zeigen gegenüber maßgeblichen Währungen wie dem Euro deutlich an Stärke, was die US-Exporte bremst.

Das US-Finanzministerium würdigte zwar den Beitrag, den die Europäische Zentralbank (EZB) mit ihrer extrem lockeren Geldpolitik zur Stützung der Wirtschaft im Euroraum geleistet hat. Doch die EZB-Strategie ließ andererseits auch den Eurokurs sinken. "Eine Ergänzung dieser geldpolitischen Maßnahmen mit unterstützenden nationalen finanzpolitischen Schritten und angemessenen Strukturreformen (...) würde das Risiko vermeiden, dass das Wachstum zu sehr vom externen Sektor abhängt", heißt es in dem Bericht.

Deutschland hat - unterstützt durch den schwachen Euro Chart zeigen - im vergangenen Jahr einen neuen Exportrekord erzielt und damit auch seinen Überschuss im Handel weiter gesteigert. Diese Exportstärke ist seit Langem im Zentrum eines Streits mit den USA, die Deutschland immer wieder vorwerfen, zu wenig für die Stärkung der Binnennachfrage zu tun. Die Bundesregierung dagegen verweist auf ihre verstärkten Investitionspläne.

Auch China nimmt das US-Finanzministerium ins Visier

Peking halte den Yuan künstlich niedrig, um den Export anzukurbeln, hieß es. Die chinesische Währung sei "signifikant unterbewertet". Doch Manipulation kann das US-Ministerium nicht nachweisen. Kein Land greife bei der Währungsentwicklung so stark ein, dass dies als Manipulation eingestuft und mit Strafmaßnahmen geahndet werden könne, hieß es.

Die chinesische Währung hatte 2014 gegenüber dem Dollar 2,4 Prozent an Wert verloren, dieses Jahr blieb sie bislang stabil. Inflationsbereinigt sei der Wechselkurs des Yuan zum Dollar in den vergangenen sechs Monaten aber zehn Prozent zu hoch gewesen, kritisierte der Ministeriumsbericht. China habe zwar einen "echten Fortschritt" dabei gemacht, seine Währung weniger zu beeinflussen, ihr Wert sei aber weiter künstlich niedrig.

Auch Südkorea warf der Bericht Eingriffe vor, um seine Währung niedrig zu halten und damit Exporte zu verbilligen. So sei der Won von Juni 2014 bis Februar 2015 um neun Prozent gegenüber dem Dollar abgewertet worden.

mmq/Reuters/AFP



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insgesamt 162 Beiträge
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hansmaus 10.04.2015
1. keine Panik!
TTIP kommt und die deutschen Politiker werden sich dermaßen brutal übern Tisch ziehen lassen das sich das mit dem Exportüberschuss bald erledigt hat. Es wird ja hinter verschlossenen Türen ausgemauschelt und die Presse hält sich mit Protesten über dieses dubiose vorgehen dermaßen zurück das es schon verdächtig ist ;) Die "privaten Schiedsgerichte" werden schon dafür sorgen das die USA nicht drauf legen sondern profitieren.
oli h 10.04.2015
2. Würd' mich ja mal interessieren...
Wenn die U.S.A. einen hohen Exportüberschuss hätte,wie würden sie dort mit der Kritik an eben demselben umgehen? Ich denke, es wäre ihnen herzlich egal und sie würden darauf verweisen dass sie ja nichts dafür können wenn alle Welt ihre tollen Produkte haben will.
brehn 10.04.2015
3. Interessen
Jaja die Interessen der USA, was gibt es wichtigeres nicht wahr? Zum Glück haben wir hier kein Öl.....
Against_NWO 10.04.2015
4. Ttip
Nicht aus Gründen des Altruismus wollen die USA unbedingt das TTIP mit Deutschland und der EU
roxxor 10.04.2015
5.
tatsächlich wäre eine Stärkung der Binnennachfrage wünschenswert und da kann auch keiner der Linken meckern, ist es doch genau das, was man dort immer fordert. Löhne hoch und Nachfrage stärken. Ich gebe an dieser Stelle zu ein wirtschaftlicher Laie, das ist hier subjektives Geleier^^
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