US-Währung Mit dem starken Dollar steigt die Gefahr eines Handelskrieges

Die US-Währung wird wieder stärker. Das bringt Schwellenländer unter Druck und steht den Zielen von Donald Trump entgegen. Der Dauerkonflikt mit wichtigen Handelspartnern dürfte sich weiter zuspitzen.

Getty Images

Eine Kolumne von


Eine neue Normalität hält Einzug - und sie verheißt wenig Gutes. Der Dollar wird stärker und stärker. Dadurch ziehen neue wirtschaftspolitische Konflikte herauf. Sie werden uns in den kommenden Wochen und Monaten beschäftigen.

Eigentlich hätte der Dollar schon früher aufwerten sollen. Die volkswirtschaftlichen Daten jedenfalls sind schon seit Längerem danach: Während in den USA die Zinsen steigen, liegen sie in der Eurozone, Japan und anderswo bei null. Die höheren Renditen in den USA sollten Kapital nach Amerika locken, was den Wert des Dollar steigen lassen sollte. Eigentlich.

Aber Finanzmärkte sind ziemlich seltsame Veranstaltungen. Phasenweise blenden sie wichtige Fakten aus. Sie folgen dann anderen Narrativen und ignorieren Daten, die zu anderen Zeiten im Mittelpunkt des Interesses stehen.

So war es seit Beginn des vorigen Jahres. Die Finanzmarkt-Story hatte eine politische Hauptfigur, nämlich Donald Trump. Seit seinem Amtsantritt Anfang 2017 war der Dollar seltsam schwach. Dabei hatte der neue Präsident Steuersenkungen und Ausgabenerhöhungen - folglich steigende Schulden - angekündigt. Entsprechend stiegen die Zinsen. Aber der Dollar wurde nicht stärker, sondern schwächer - ganz anders als etwa in den frühen Achtzigerjahren, als der damalige Präsident Ronald Reagan einen ähnlichen Kurs gesteuert und eine rapide Dollar-Aufwertung ausgelöst hatte.

Die Geschichten der Börsen

Man konnte den schwachen Trump-Dollar als Misstrauensvotum interpretieren. Es sah so aus, als begännen die Anleger allmählich an der unbedingten Zahlungsfähigkeit der USA zu zweifeln - als würden sie Dollars nur zu höheren Zinsen kaufen wollen, weil sie Trumps Kurs angesichts des hohen Schuldenstands der USA für allzu risikoreich hielten. Und es ist durchaus möglich, dass die Sorgen um Amerikas Solvenz erneut aufkommen. Insbesondere, falls US-Regierungsmitglieder wieder versuchen sollten, den Dollar schwach zu reden, wie im Januar beim Weltwirtschaftsforum in Davos.

Erst Trump-Dollar, dann Powell-Dollar

Vor etwa zwei Wochen jedoch sind die Devisenmärkte auf eine andere Story eingestiegen. Deren zentrale Akteure sind die Notenbanken, insbesondere die Federal Reserve Bank (Fed) mit ihrem neuen Chairman Jay Powell an der Spitze.

Das derzeit dominierende Narrativ geht in etwa so: In den USA entwickelt sich die Konjunktur robust. Anderswo jedoch scheint die konjunkturelle Erholung ins Stocken zu kommen, insbesondere in der Eurozone und in Japan. Deshalb werden die Notenbanken in Frankfurt und Tokio die Zinsen noch länger bei null halten und Wertpapiere aufkaufen. Die Fed hingegen wird die Zinsen weiter entschlossen anheben. Der Gouverneursrat der Fed hat diesen Kurs am vorigen Mittwoch bestätigt: Man bereite sich auf "weitere graduelle Erhöhungen" des Leitzinses vor, um inflationären Entwicklungen zuvorzukommen.

Steigende Zinsen sprechen für eine stärkere Währung. Auf den Trump-Dollar folgt der Powell-Dollar. Eigentlich eine normale Entwicklung. Aber so normal sind die Zeiten leider nicht.

Zum Autor
  • Roland Bäge
    Henrik Müller ist Professor für wirtschaftspolitischen Journalismus an der Technischen Universität Dortmund. Zuvor arbeitete der promovierte Volkswirt als Vizechefredakteur des manager magazin. Außerdem ist Müller Autor zahlreicher Bücher zu wirtschafts- und währungspolitischen Themen. Für SPIEGEL ONLINE gibt er jede Woche einen pointierten Ausblick auf die wichtigsten Wirtschaftsereignisse der Woche.

Konfliktpotenziale: Schwellenländer, Handel, Fed

Denn die Auswirkungen eines stärkeren Dollar treffen auf eine fragile Weltwirtschaft. Drei Bruchstellen sollten Sie im Blick behalten:

  • Erstens: In den Schwellenländern haben sich viele Unternehmen und Regierungen in den vergangenen Jahren massiv in Dollar verschuldet, um die niedrigen US-Zinsen zu nutzen. Nun werden die Anleger nervös. In Argentinien ist diese Woche eine Währungskrise ausgebrochen. Der Peso ist auf ein Rekordtief gefallen. Ähnlich ist die Lage in der Türkei, wo die Lira in den vergangenen Monaten abgeschmiert ist. Auch Ägypten und Südafrika sind anfällig für eine Kapitalflucht, sagen Volkswirte.
    Selbst Schuld, könnte man sagen. Niemand ist gezwungen, sich billig, aber risikoreich in Dollar zu verschulden - niemand ist gezwungen, sein Geld an unsichere Schuldner zu verleihen. Doch die Gefahr eines Übergreifens der Krise auf andere, solidere Schwellenländer ist durchaus gegeben.

  • Zweitens: Ein starker US-Dollar passt überhaupt nicht zu Trumps handelspolitischen Zielen. Nach seinen Vorstellungen sollen die USA möglichst mit jedem einzelnen Partnerland eine ausgeglichene Handelsbilanz haben. Von Peking hat er diese Woche gefordert, das US-Defizit gegenüber China müsse sich um knapp zwei Drittel verringern. Andernfalls drohen happige Zölle und andere Handelsbeschränkungen.

    Auch gegenüber der EU - insbesondere gegenüber dem Überschuss-Weltmeister Deutschland - ist die Gefahr einer Eskalation keineswegs beigelegt, sondern nur um einen weiteren Monat vertagt. Das Trumpsche Drama darf nie enden - zumal nicht im beginnenden Halbzeit-Wahlkampf zum Kongress. (Achten Sie in diesem Zusammenhang auch auf das Auslaufen des Iran-Abkommens am Samstag.)
    Ein stärkerer Dollar jedoch macht aus Sicht der USA Importe billiger und Exporte teurer. Das heißt: Eine aufwertende Währung vergrößert das US-Handelsdefizit noch weiter. Die derzeitigen Wechselkursverschiebungen drohen deshalb, den Handelskonflikt weiter anzuheizen.
    Es wäre kaum verwunderlich, wenn die US-Administration demnächst Europäern und Chinesen vorwirft, ihre Währungen zu manipulieren - also bewusst zu schwächen. Das wäre eine Umkehr von Ursache und Wirkung. Schließlich liegt die Ursache für die derzeitige Dollar-Stärke eindeutig in den USA. Nichtsdestotrotz sollten wir uns auf derlei Attacken einstellen.

  • Drittens: Falls sich die Fixierung auf schnelle Lösungen beim Handelsdefizit in der US-Regierung durchsetzt, könnte die Unabhängigkeit der Fed in Gefahr geraten. Bislang ist davon wenig zu sehen. Aber wer weiß. Trump ist ja nicht gerade zimperlich, wenn es gilt, anderen Schuld zuzuweisen und sie an den Pranger zu stellen. Wenn steigende Zinsen einen noch stärkeren Dollar bedeuten, droht der Fed erheblicher Druck seitens der Politik. Möglich, dass die Trump-Regierung Powell und Co. nötigt, auf den Wechselkurs Rücksicht zu nehmen und dafür höhere Inflationsraten zu riskieren. Den USA würde der nächste Konflikt zwischen tragenden nationalen Institutionen ins Haus stehen - diesmal zwischen dem Präsidenten und der Notenbank. Achten Sie auf Risiken und Nebenwirkungen.
Die wichtigsten Wirtschaftsereignisse der Woche
Montag
Moskau - Immer wieder Wladimir - Putin wird erneut als Präsident Russlands vereidigt. Seine vierte Amtszeit

Paris - La France en greve - Der nächste Streik, dieses Mal bei Air France

Berichtssaison I - Geschäftszahlen von Schaefller und Hannover Rück
Dienstag
Budapest - Immer wieder Viktor - Konstituierung des neuen ungarischen Parlaments. Bei der Parlamentswahl am 8. April war der rechtsnationale Ministerpräsident Viktor Orbán klarer Sieger.

Nikosia - Südflanke - Auf Zypern treffen sich die Ministerpräsidenten Israels und Griechenlands, Netanyahu und Tsipras, mit ihrem zypriotischen Amtskollegen, Anastasiatdes, um über den Ausbau der trilateralen Zusammenarbeit zu beraten.

Wiesbaden - Deutsche Stärke? - Neue Zahlen zum Export vom Statistischen Bundesamt

HV-Saison I - Hauptversammlungen von Lufthansa, Commerzbank, EnBW, Rheinmetall

Berichtssaison II - Geschäftszahlen von Deutsche Post, Eon, Beiersdorf, Munich Re, Continental, Zalando, Axel Springer, Uniper, Evonik, SGL Carbon, Intesa Sanpaolo, LafargeHolcim, Walt Disney
Mittwoch
Kuala Lumpur - Fake Democracy - Simulation von Demokratie: Parlamentswahl in Malaysia. Der seit 2009 amtierende Ministerpräsident Razak bemüht sich um eine weitere Amtszeit.

HV-Saison II - Hauptversammlungen von Allianz, E.on, Adidas, Dürr, Vossloh, Kion, Wacker Chemie

Berichtssaison III - Geschäftszahlen von Siemens, Toyota, Deutsche Telekom, Henkel, ProSiebenSat.1, Jenoptik, Evotec, United Internet, Enel, ING.
Donnerstag
Berichtssaison IV - Geschäftszahlen von Banca Montei dei Paschi di Siena, British Telecom, UniCredit
Freitag
Berichtssaison V - Geschäftszahlen von Osram, Talanx
Samstag
Washington - I-Day - Die Frist zur Entscheidung von US-Präsident Donald Trump über eine weitere Aussetzung von Atom-Sanktionen gegen den Iran läuft ab. Präsident Macron und Kanzlerin Merkel hatten sich bei ihren Besuchen in Washington vehement für eine Fortsetzung des Vertrags ausgesprochen.
Sonntag
Berlin - Solidarität - mit wem, wieviel? - Der DGB beginnt seinen Bundeskongress unter dem Motto "Solidarität - Vielfalt – Gerechtigkeit".
Mehr zum Thema
Newsletter
Müllers Memo


insgesamt 38 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
curiosus_ 06.05.2018
1. Und nun?
Was macht dann "Whatever it takes" - Draghi wenn es so kommt? Zinsen rauf kann er sich nicht erlauben, da drohen ganz schnell die mediterranen Staatsinsolvenzen. Bleibt spannend...
joG 06.05.2018
2. Obama hatte damals sich beschwert, dass....
.....das die Ausgaben und Geldpolitik der Amerikaner Europa aus der Krise wieder heraus ziehen musste und die Europäer fiskalisch nichts taten bzw. sogar das Gegenteil mit der Sparpolitik erreichten. Das amerikanische Vorgehen funktionierte. Eine Folge, die wir nun haben ist, dass die Amis weiter in der Erholung fortgeschritten sind und die EZB ihre Instrumente so einsetzt, dass der Euro schwach ist und weiterhin wird. Obama war sauer damals aber tat nichts gegen das Trittbrettfahrerin.
Darwins Affe 06.05.2018
3. Final Crash
1) Was bleibt denn wohl den hochverschuldeten Staaten übrig als ihre Schulden mit Inflationierung abzutragen. Die Alternative einer Währungsreform und Rückkehr zu einer Art Goldstandard ist illusorisch. 2) Die weitere Nullzinspolitik der EZB scheint noch gefährlicher als das Vorgehen der FED: Bei der nächsten Krise bleibt lediglich Helicoper-Geld oder der Zerfall der Währungsunion. 3) Irgendwann (im Durchschnitt nachz 57 Jahren) war jede Fiat-Währung kaputt, und jede Währungsunion hatte keinen Bestand. Der final crash ist lediglich eine Frage der Zeit.
Erythronium2 06.05.2018
4.
Ich frage mich, wie viel an diesen "Narrativen" wirklich dran ist und wie viel davon auf normalen Spekulationsbewegungen beruht. Zeitweise haben amerikanische Investoren massiv europäische Aktien gekauft. Dadurch stieg der Wert des Euro gegenüber dem Dollar. Und die Werte der so begehrten Aktien stiegen lange ebenfalls, trotz des immer höher bewerteten Euro. Dadurch haben die Investoren lange, wenigstens auf dem Papier, doppelt gewonnen. Im Februar gab es einen kleinen Crash am Aktienmarkt. Seither ist die schöne Aktienblase angeknackst und das amerikanische Geschäftsmodell mit den doppelten Gewinnen klappt nicht mehr so recht. Also werden jetzt wohl wieder etliche Leute jenseits des großen Teiches europäische Aktien verkaufen.
curiosus_ 06.05.2018
5. Locker mal...
Zitat von joG.....das die Ausgaben und Geldpolitik der Amerikaner Europa aus der Krise wieder heraus ziehen musste und die Europäer fiskalisch nichts taten bzw. sogar das Gegenteil mit der Sparpolitik erreichten. Das amerikanische Vorgehen funktionierte. Eine Folge, die wir nun haben ist, dass die Amis weiter in der Erholung fortgeschritten sind und die EZB ihre Instrumente so einsetzt, dass der Euro schwach ist und weiterhin wird. Obama war sauer damals aber tat nichts gegen das Trittbrettfahrerin.
...die Staatsschuldenquote von 73,7% (2008) auf 108% (2018) (https://de.statista.com/statistik/daten/studie/165786/umfrage/staatsverschuldung-der-usa-in-relation-zum-bruttoinlandsprodukt-bip/) erhöht. Damit haben die USA reagiert. Geld drucken bis zum umfallen, abgerechnet wird dann später. Deutschlands Schuldenquote ist in dem Zeitraum von 65% auf 61,2% gesunken. Weiteres _hier_ (http://www.spiegel.de/forum/wirtschaft/amerika-vor-der-wahl-obamas-wirtschaftswunder-thread-523958-13.html#postbit_48795510).
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.