Vapiano-Börsengang Basta mit Pasta?

Nudeln, Pizza und Salate: Die Restaurantkette Vapiano hat den deutschen Fast-Food-Markt revolutioniert. Jetzt will die Kette zu einer globalen Marke werden - und strebt dafür an die Börse. Kann das gut gehen?

Vapiano-Filiale in Münster
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Vapiano-Filiale in Münster

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An Vapiano kommt jeder mal vorbei. Schnellrestaurants der Bonner Italo-Kette gibt es inzwischen in fast jeder A-Lage einer deutschen Großstadt. Die Pasta Pesto Rosso oder die Pizza Rucola werden direkt vor den Augen der Kunden zubereitet, es gibt keine Kellner, bezahlt wird per Chipkarte: Mit diesem Konzept revolutionierte Gregor Gerlach im Jahr 2002 die deutsche Restaurantlandschaft, als er in Hamburg das erste Vapiano-Restaurant eröffnete.

15 Jahre später nun will die Restaurantkette an die Börse - und zu einer globalen Pizza- und Pastamarke aufsteigen. Der Börsengang an diesem Dienstag wird die wohl bisher größte Erstnotiz einer bekannten deutschen Marke in diesem Jahr. Vor allem aber wird es der entscheidende Testfall für die deutsche Systemgastronomie. Ist das Geschäftsmodell von Vapiano solide genug, um nach einem Börsengang global ausgerollt zu werden? Oder droht das Unternehmen an der Börse zu verglühen?

Der Erfolg von Vapiano in den vergangenen Jahren verblüfft, schließlich gibt es in Deutschland seit Jahrzehnten Pizzerien und italienische Nudelläden. Doch Vapiano hat sich einen Ruf als das Apple der deutschen Systemgastronomie erarbeitet: Die Restaurants sind mit schicken Designermöbeln ausgestattet, die Kunden werden per Vibrationsalarm benachrichtigt, wenn das Essen fertig ist. Das Konzept nennt sich "Fast Casual Dining", also Fast Food wie bei McDonald's - nur in schick und gesund.

Ein Skandal hat den Erfolg gebremst - zwischenzeitlich

Das Unternehmen ist in den vergangenen Jahren rasant gewachsen: Quer durch die Republik wurden Restaurants eröffnet, inzwischen sind es 76 in Deutschland, damit liegt das Unternehmen unter den Top 10 der Systemgastronomen - und macht inzwischen mehr Umsatz als der Branchenriese Starbucks. Weltweit hat die Kette 186 Filialen in 30 Ländern. Auch in Saudi-Arabien, Australien und den USA.

Selbst eine zwischenzeitliche Imagekrise konnte der Italo-Kette nichts anhaben. Vor einigen Jahren wurde Vapiano von einem Skandal um verdorbene Lebensmittel erschüttert. Mitarbeiter sollen interne Haltbarkeitsdaten manipuliert und alte Waren verarbeitet haben. Das Unternehmen bestreitet die Vorwürfe, doch die Umsätze in den Restaurants gingen daraufhin empfindlich zurück.

Doch inzwischen hat Vapiano das Vertrauen der Kunden zurückgewonnen. Seitdem der ehemalige Douglas-Manager Jochen Halfmann die Führung übernommen hat, ist das Unternehmen aus den Negativschlagzeilen verschwunden. Halfmann kündigte an, alle Restaurants zwölf Mal pro Jahr vom Fresenius-Institut durchchecken zu lassen.

Jetzt will Halfmann das Unternehmen auf weiteres Wachstum trimmen: Insgesamt will das Unternehmen durch den Börsengang 200 Millionen Euro einsammeln. Der größte Teil davon geht an Firmengründer Gerlach und die Wella-Erben Hans-Joachim und Gisa Sander, die einen Großteil ihrer Anteile veräußern.

Gewinn bleibt bei der Expansion auf der Strecke

Rund 85 Millionen Euro sollen für Vapiano übrigbleiben, um die Eröffnung neuer Filialen zu finanzieren. Firmenchef Halfmann hat ehrgeizige Ziele: Bis 2020 will er die Anzahl der Restaurants verdoppeln, allein in Deutschland soll die Zahl der Vapiano-Restaurants von derzeit 76 mittelfristig auf 100 steigen. Seine Vision: Vapiano soll eine globale Pizza- und Pastamarke werden. Mehr Restaurants, mehr Umsatz, mehr Gewinn.

Doch Experten sind skeptisch. Zwar wächst das Unternehmen wahnsinnig schnell und eröffnet immer neue Filialen, doch der Gewinn bleibt dabei auf der Strecke. So stieg der Umsatz des Unternehmens in den vergangenen zwei Jahren um mehr als 60 Prozent, gleichzeitig schrumpfte der Nettogewinn laut "Wirtschaftswoche" aber auf 300.000 Euro zusammen. Denn das Unternehmen muss viel Geld investieren, um neue Restaurants zu eröffnen und der Mindestlohn treibt die Lohnkosten nach oben. Es bleibt also fraglich, ob Vapiano in Zukunft schnell wachsen und gleichzeitig hohe Gewinne an seine Aktionäre ausschütten kann.

Hinzu kommt: Der Markt für Systemgastronomie ist hart umkämpft. Und mit L'Osteria kommt der jüngste Angreifer ausgerechnet aus dem eigenen Lager. Die Italo-Kette wird von ehemaligen Vapiano-Managern betrieben - und eröffnet derzeit eine Filiale nach der anderen.

Noch gefährlicher könnte Vapiano aber der Burger-Boom werden. In Deutschlands Großstädten eröffnen immer mehr schicke, moderne Burgerbratereien mit ausgefallenen Konzepten. Burgerketten wie "Hans im Glück" oder "Peter Pane" sind beim jungen Publikum angesagt und integrieren Apps und iPads in ihre Restaurants. Vapiano wird sich anstrengen müssen, um dieser Konkurrenz auf Dauer standhalten zu können.


Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikel hieß es, Vapiano verfüge in Deutschland über mehr Filialen als Starbucks. Das war falsch. Vapiano hat weniger Filialen als Starbucks, erzielt aber einen höheren Umsatz. Wir haben den Fehler korrigiert.



insgesamt 58 Beiträge
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frummler 26.06.2017
1. Die Restaurantkette Vapiano hat den deutschen Fast-Food-Markt revolutioniert. ???
wer zum geier ist das denn habe nie so einen laden gesehen! und 76 läden in deutschland sollen den ganzen Fast-Food-Markt revolutionieren?
streckengeher 26.06.2017
2. Vapiano - wo?
Da wo ich regelmäßig bin, gibt's die nicht. Nicht in Heidelberg, nicht in Trier, nicht in Jena, nicht in Potsdam. Man könnte meinen, die haben ein Problem mit Unistädten. Naja, sie werden wissen, warum. Ich würde jedenfalls keine Aktie von denen kaufen.
Tmeier 26.06.2017
3. Apps
In dem Artikel wird erwähnt, dass "coole" Unternehmen Apps/iPads in ihr Konzept integrieren und Vapiano hier mithalten muss. Was der Autor aber anscheinend nicht weiß ist, dass Vapiano vor kurzem eine App auf den Markt gebracht hat, mit welcher die Kunden vom Tisch aus bestellen und anschließend bezahlen können. Habe ich gerade letzte Woche ausprobiert.
ge1234 26.06.2017
4. Wer's mag....
.... ich mag es nicht! Sofern man zu mehreren unterwegs ist, steht immer einer entweder in irgendeiner Schlange beim Essen oder bei den Getränken an! Soviel zum Essen als kommunikatives und soziales Erlebnis! Und die Speisen selbst sind eher unterer Durchschnitt!
harms 26.06.2017
5. Brauch ich nicht!
Ich esse nur selten Pizza, aber wenn, dann bei einem richtigen Italiener. Mit netter Bedienung statt "Vibrationsalarm" Oder, ich mache meine Pizza selbst. Naja, soll jeder für sich entscheiden. Ich bevorzuge Qualität statt Junkfastfood.
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