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Tagebau in der Lausitz: Vattenfall bereitet Ausstieg aus deutscher Braunkohle vor

Tagebau von Vattenfall in Welzow-Süd: 30.000 Arbeitsplätze in der Region Zur Großansicht
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Tagebau von Vattenfall in Welzow-Süd: 30.000 Arbeitsplätze in der Region

Der schwedische Energiekonzern Vattenfall erwägt, sich aus dem Braunkohle-Tagebau in Brandenburg und Sachsen zurückzuziehen. Hintergrund ist offenbar Druck der Regierung in Stockholm.

Stockholm - Vattenfall stellt seine Braunkohle-Tagebaue und Kohlekraftwerke in der Lausitz zur Disposition. Derzeit würden Optionen für eine "nachhaltige und neue Eigentümerstruktur" geprüft, sagte Vattenfall-Chef Magnus Hall am Donnerstag. Seinen übrigen Geschäftsaktivitäten in Deutschland - Fernwärme, Vertrieb und Verteilnetze sowie Handel, Windkraft und weitere Energieerzeugung - bleibe Vattenfall weiterhin vollauf verpflichtet, hieß es.

Zugleich musste Vattenfall erhebliche Verluste melden. Im dritten Quartal verbuchte das Unternehmen unter anderem durch hohe Abschreibungen einen Verlust von rund 18 Milliarden schwedischen Kronen (1,94 Milliarden Euro). Im Vorjahreszeitraum hatten unterm Strich noch etwas mehr als 1,5 Milliarden Kronen Gewinn gestanden. Auch der Umsatz sank leicht auf rund 34,7 Milliarden Kronen. Für das kommende Jahr hat sich der Energiekonzern deshalb ein verschärftes Sparprogramm über drei Milliarden Kronen auferlegt. Ursprünglich sollte nur eine Milliarde eingespart werden.

"Vattenfall erlebt schwierige Marktbedingungen, mit einer schwachen Nachfrage, einem Überfluss an Erzeugungskapazität und historisch niedrigen Strompreisen", wurde Hall in einer Mitteilung zitiert. "Erfolgreiche Sparmaßnahmen haben diese negativen Faktoren nur teilweise ausgeglichen."

Investieren will Vattenfall vor allem in erneuerbare Energien. Auch in Ostdeutschland sei die Strategie auf eine entsprechende Umstellung ausgerichtet. "Wir werden uns außerdem weiter von Vermögenswerten trennen, die nicht zu unserem Kerngeschäft gehören oder nicht unseren Renditeanforderungen entsprechen können", sagte Hall.

Hinter den Überlegungen stecken jedoch auch Signale der neuen schwedischen Regierung. Die Minderheitskoalition aus Sozialdemokraten und Grünen hatte Anfang Oktober mitgeteilt, sie wolle eine Expansion von Vattenfall im Braunkohleabbau stoppen. "Die Zukunft des Unternehmens muss in der Entwicklung erneuerbarer Energien liegen, und nicht in Kohle und Gas", hieß es in einer Mitteilung der Sozialdemokraten.

Die Länderchefs Stanislaw Tillich (Sachsen, CDU) und Dietmar Woidke (Brandenburg, SPD) warnten daraufhin in einem Brief an den neuen schwedischen Regierungschef Stefan Löfven vor einem "Systembruch" durch einen Verkauf der Sparte, von der insgesamt rund 30.000 Arbeitsplätze in der Region abhängen. Vattenfall versicherte, die Landesregierungen von Brandenburg und Sachsen blieben wichtige Ansprechpartner und das Unternehmen setze "auch weiterhin auf den engen Dialog".

dab/dpa/Reuters

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 177 Beiträge
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1. ein Beitrag
christian-h 30.10.2014
Das die Energiewende Arbeitsplätze kostet sollte jedem klar sein. Eventl. kommen die 30.000 Arbeiter bei irgendwelchen EE Unternehmen unter, was aber zu bezweifeln ist.
2. ohne Druck
logabjörk 30.10.2014
würden die weitermachen...
3. Vattenfall macht alles richtig
Monsterwelle 30.10.2014
Aussteigen, Subventionen abgreifen und Deutschland seinen Willen lassen und gegen die Wand laufen lassen. Vattenfall macht alles richtig. Und wir werden uns noch wundern.
4. Das wurde auch Zeit!
genia249 30.10.2014
Wenn ich mir die Landschaft um Tschernobyl anschaue und sie mit der Tagebaulandschaft vergleiche muß ich sagen, daß in Tschernobyl keine Schäden zu sehen sind. (Bin selbst lange Zeit, häufig, täglich durch die Sperrzone von Tschernobyl gefahren.)
5. Nachhaltiges Konzept
prefec2 30.10.2014
Ein nachhaltiges Konzept für ein Braunkohlekraftwerk ist dessen Stilllegung. Alles andere ist Quark. Da das aber teuer ist, möchte Vattenvall das wohl an den Staat verkaufen. Notfalls für einen Euro. Dann kann der den Laden schließen und die Kosten tragen.
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