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Energiewende: Vattenfall stimmt deutsche Mitarbeiter auf Kohle-Aus ein

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Der Chef von Vattenfall sieht für die deutsche Kohleenergie keine Zukunft. "Die Arbeitsplätze im Tagebau werden früher oder später verschwinden", sagte Magnus Hall SPIEGEL ONLINE. Das sei "eine schmerzhafte Erkenntnis", aber man müsse sie akzeptieren.

Protest in der Lausitz: Arbeitsplätze, die "früher oder später verschwinden" Zur Großansicht
DPA

Protest in der Lausitz: Arbeitsplätze, die "früher oder später verschwinden"

Der schwedische Energieversorger Vattenfall Chart zeigen baut sein Deutschlandgeschäft radikal um. Jetzt äußert sich sein Chef Magnus Hall in klaren Worten zur neuen Konzernstrategie. Der Kohletagebau in der Lausitz stehe "vor einem fundamentalen strukturellen Wandel", sagt Hall SPIEGEL ONLINE. "Es gibt in der Region auch ein wachsendes Bewusstsein, dass die Arbeitsplätze im deutschen Kohletagebau früher oder später verschwinden werden."

Er habe Verständnis, dass die Menschen in der Lausitz für ihre Jobs kämpfen, fuhr Hall fort. Für die Menschen, die lange in der Branche tätig waren, müsse es eine "schmerzhafte Erkenntnis" sein, dass die Zeit des Kohlebergbaus allmählich zu Ende gehe. "Es dauert sicher eine Weile, bis man das akzeptieren kann."

Die Kohleenergie gilt in Deutschland als Auslaufmodell. Die Bundesregierung will die CO2-intensiven Kraftwerke in den kommenden Jahrzehnten durch sauberere Technologien ersetzen. Ein geplantes Gesetz von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel könnte den Ausstieg noch einmal deutlich beschleunigen. Der SPD-Chef plant eine CO2-Strafsteuer für ältere Kohlekraftwerke, damit Deutschland seine Klimaziele bis 2020 erreichen kann. Sein Konzept war allerdings auf heftigen Widerstand gestoßen. Nun will der Minister noch einmal nachbessern.

Vattenfall ist von den Plänen der Bundesregierung unmittelbar betroffen. Der schwedische Staatskonzern will seine deutsche Braunkohlesparte bis Ende des Jahres verkaufen. Vattenfall betreibt in der Lausitz, Deutschlands zweitgrößtem Braunkohlerevier, fünf Gruben und mehrere Kraftwerke.

Hall dringt auf Regierungsstrategie

Die Ausgestaltung von Gabriels CO2-Gesetz habe "starke Effekte auf den Wert unserer Kohlesparte", sagte Hall SPIEGEL ONLINE. "Es wäre hilfreich, wenn die Bundesregierung sich bis zum Sommer auf eine Strategie für die Kohleenergie einigt." Sonst könnte es mit einem Verkauf der Sparte bis Ende des Jahres womöglich eng werden.

Die Idee einer CO2-Strafsteuer für Kohlekraftwerke lehnt der Vattenfall-Chef rundheraus ab. Er halte ein solches Gesetz "nicht für realistisch". Es würde seiner Meinung nach dazu führen, dass zu schnell zu viele Kohlekraftwerke abgeschaltet werden, sodass Versorgungsengpässe in Deutschland drohten.

Gabriels Staatssekretär Rainer Baake hatte zuletzt vorgeschlagen, die Energieversorger zu entlasten, indem man die Höhe der Strafsteuer an die Höhe der Großhandelsstrompreise koppelt. Nur wenn die Firmen viel verdienen, würde die CO2-Steuer also entsprechend höher ausfallen.

Hall lehnt auch diesen Vorschlag ab. "Wir sind generell gegen eine Strafsteuer", sagte er. "Wir ziehen eine rasche Wiederbelebung des Handels mit CO2-Verschmutzungsrechten vor." Er verstehe, dass eine entsprechende politische Lösung für die Bundesregierung wahrscheinlich zu spät käme, um die selbstgesteckten Klimaziele zu erfüllen. Doch dann müsse die Bundesregierung eben eine ganz andere Lösung finden.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1. Jetzt aufhören!
fawlty 01.05.2015
Dann sollen sie gefälligst so schnell wie möglich aufhören. Dann bleiben in der Lausitz, aber auch am Niederrhein nämlich gewachsene jahrhundtertealte Siedlungsstrukturen und die Landschaft von der kompletten spurlosen Ausradierung verschont, die ihnen in den nächsten Jahren bevorsteht. Diese Technik ist rückschrittlich!
2. Die Ethikkommission sagt, das geht.
Zensuropfer 01.05.2015
40% des Strom werden noch aus Kohle erzeugt. Die sog. Erneuerbaren liegen bei schön gerechneten 25% aber wir können auf Steinkohle, Braunkohle auf Kernkraft sowieso und am liebsten auch auf Erdgas verzichten. Na ja, die Ethikkommission hat ja gesagt das geht.
3. Was ist besser:Arbeitsplätze oder Heimat
baghira1 01.05.2015
Ich denke , das die Zerstörung der Lausitz ausreicht und die fürden Abriss gedachten Orte überleben sollten. Dort wo die Bagger gewütet haben, wird unbenutzbar. Die Braunkohle ist das schlimmste, was man verbrennen kann, das Zeug ist nur billig.
4. Das Problem. ...
laufer 01.05.2015
von Vattenfall ist das jahrelange Missmanagement. Es wurden extrem hohe Fehlinvestitionen getätigt, wie z.B. der Nuonkauf und der Konzern alle naselang umstrukturiert. Jetzt wird er größte Umsatzbringer, die Braunkohlesparte, verkauft. Der Konzernumbau hätte viel eher beginnen müssen. Mit den jetzt verlorenen Milliarden und den Gewinnen aus dem Braunkohlegeschäft hätte man dies leicht geschafft. Zum Glück bin ich nicht mehr für VF tätig.
5. Atom vs. Kohle
frank-thiele 01.05.2015
Auch ich bin für den Atomausstieg, aber in folgender Reihenfolge: 1) Braunkohle 2) Steinkohle 3) Gas 4) Atom
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Energie-Oligopol in Deutschland
Konzerne Anteil Kraft- werks- kapa- zität Anteil erzeugte Strom- menge Anteil Groß- kunden- markt
RWE, E.on, Vattenfall, EnBW 82% 89% 60%
Quellen: IZES, BEE; Werte aus dem Jahr 2009


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