Energieversorger Vattenfall verkauft Braunkohlesparte an tschechische Firma

Vattenfall verkauft seine Braunkohlesparte in der Lausitz an den tschechischen Konzern EPH. Das Unternehmen will damit seinen Ausstoß von Kohlendioxid um mehr als 50 Millionen Tonnen pro Jahr senken.

Vattenfall-Braunkohlekraftwerk in Brandenburg
DPA

Vattenfall-Braunkohlekraftwerk in Brandenburg


Die Braunkohlekraftwerke von Vattenfall in Ostdeutschland und der zugehörige Tagebau in der Lausitz gehen an den tschechischen Versorger EPH. Das teilten beide Seiten am Montag mit. EPH, dem bereits die Mitteldeutsche Braunkohlegesellschaft (Mibrag) gehört, hat sich für den Kauf mit dem tschechischen Finanzinvestor PPF Investments zusammengetan.

EPH erhält den Angaben zufolge neben den Anlagen, deren Wert auf 3,4 Milliarden Euro beziffert wurde, die Verpflichtungen einschließlich der Rekultivierung von Vattenfall. Die Tschechen bekommen dazu Barmittel in Höhe von rund 1,7 Milliarden Euro.

Im Rennen war auch ein Konsortium um den Versorger Steag und die australische Macquarie Bank. Die schwedische Regierung hatte von dem Staatskonzern Vattenfall den Verkauf der Braunkohlegeschäfte gefordert, damit sich dieser verstärkt auf den Ökostrom konzentriert. Sie muss dem Deal noch zustimmen.

Vattenfall gehören die drei Kohlekraftwerke Jänschwalde und Schwarze Pumpe in Brandenburg, Boxberg und Block R der Anlage Lippendorf in Sachsen sowie die dazugehörigen Braunkohle-Tagebaubetriebe in der Lausitz. 2014 hatte sich Vattenfall entschieden, sich von der Sparte zu trennen - in der Lausitz arbeiten rund 8000 Menschen für den Konzern.

Der schwedische Staatskonzern geht davon aus, dass an der Lausitzer Braunkohle rund 16.000 weitere Arbeitsplätze bei Zulieferern hängen. Der Gesamtbetriebsratschef der Vattenfall Europe Mining AG, Rüdiger Siebers, sagte der Deutschen Presse-Agentur, EPH bekenne sich zu den geltenden Tarifverträgen. Betriebsbedingte Kündigungen seien bis Ende 2020 ausgeschlossen.

Die Bundesregierung hatte vergangenes Jahr beschlossen, alte Braunkohlekraftwerke Zug um Zug vom Markt zu nehmen , um die CO2-Ziele bis 2020 zu erreichen. Die Meiler dienen bis dahin als Reserve, die Betreiber erhalten dafür Ausgleichszahlungen.

Vattenfall hatte den Verkauf Ende 2014 angestoßen, um seine CO2-Bilanz zu verbessern. Der Wert des Braunkohlegeschäfts ist seither aber deutlich gesunken , die Stromgroßhandelspreise sind durch den Ausbau von Solar- und Windkraft im freien Fall.

Die Schweden hatten bereits im vergangenen Jahr 1,6 Milliarden Euro auf ihre Braunkohle-Aktivitäten abgeschrieben. In seiner Heimat Skandinavien setzt der Stromkonzern vor allem auf Wasserkraft und Atomstrom, in Deutschland und den Niederlanden betreibt er auch Gas- und Steinkohlekraftwerke. Die Braunkohlekraftwerke machen fast ein Viertel seiner fossilen Erzeugungskapazität aus.

Im vergangenen Jahr hatte Vattenfall noch 84 Millionen Tonnen Kohlendioxid ausgestoßen, bis 2020 soll die CO2-Bilanz auf 21 Millionen Tonnen sinken. Allein durch den Verkauf seines Braunkohlegeschäfts sinkt der Ausstoß auf weniger als 25 Millionen Tonnen jährlich.

nck/dpa

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