Brunsbüttel: Vattenfall will Atomkraftwerk abreißen
Der Abriss des stillgelegten Atomkraftwerks Brunsbüttel rückt näher. Auf Druck der schleswig-holsteinischen Landesregierung hat sich der Betreiber Vattenfall dazu durchgerungen, einen entsprechenden Antrag zu stellen. Streit gibt es aber noch über die Bedingungen für den Rückbau.
Kiel - Das stillgelegte Atomkraftwerk Brunsbüttel soll abgerissen werden. Der Betreiber Vattenfall stellte dazu einen Antrag beim Energieministerium in Kiel, wie das Unternehmen mitteilte. In den kommenden Monaten würden der Behörde weitere Unterlagen übermittelt.
Brunsbüttel gehört zu jenen Reaktoren, die nach dem Atomausstieg von 2011 sofort abgeschaltet wurden. Die Anlage steht nach schweren technischen Pannen aber bereits seit Jahren still. Die schleswig-holsteinische Regierung aus SPD, Grünen und Südschleswigschem Wählerverband (SSW) hatte zuletzt den Druck auf Vattenfall erhöht und die Einleitung des Abrisses gefordert.
Bis das AKW aber komplett verschwunden ist, dürften noch einige Jahre vergehen. Ein Abriss dauert wegen technischer Herausforderungen und umfangreicher Genehmigungsverfahren in der Regel 15 Jahre und mehr. Experten arbeiten sich von außen nach innen vor, besonders heikel ist die Verschrottung des extrem radioaktiv verseuchten Reaktorkerns. Nach Expertenangaben fallen dabei rund 300.000 Tonnen Schutt und Schrott an. Etwa ein Prozent davon ist dauerhaft verstrahlt und muss in geeignete Atommüll-Endlager gebracht werden.
Voraussetzung für einen Abriss von Brunsbüttel ist laut Vattenfall die baldige Verfügbarkeit von Schacht Konrad als bundesdeutsches Endlager für schwach- und mittelradioaktiven Müll. Das ehemalige Erzbergwerk bei Salzgitter in Niedersachsen wird derzeit umgebaut. Es ist aber unklar, wann es zur Verfügung steht. Nach letzten Angaben wird damit nicht vor 2019 gerechnet.
Der schleswig-holsteinische Energieminister Robert Habeck (Grüne) sagt dagegen, die ungelöste Endlagerfrage sei kein Argument gegen einen Rückbau. Es sei zwar unbefriedigend, dass es kein Endlager gebe. Dennoch wäre es falsch, der Bevölkerung die Belastungen länger als nötig zuzumuten.
In Deutschland wurden bereits zahlreiche Atomkraftwerke und Forschungsreaktoren abgerissen. Derzeit werden laut dem Energiekonzern E.on bundesweit 14 Reaktorblöcke an neun Standorten "zurückgebaut". Für die im vergangenen Jahr im Zuge des Atomausstiegs sofort abgeschalteten acht Meiler liegen aber noch nicht in allen Fällen Anträge vor. E.on stellte für seine betroffenen AKW bereits entsprechende Anträge, der Energieversorger EnBW entschied sich im August ebenfalls für den Rückbau von zwei nuklearen Kraftwerksblöcken und kündigte an, die Anträge bald stellen zu wollen.
cte/dpa
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