Fleischlose Lebensmittel Nachfrage nach vegetarischen Produkten steigt

Ob Sojaschnitzel oder Fruchtgummi ohne Schweinegelatine - der Absatz von veganen und vegetarischen Lebensmitteln steigt. Laut Marktforschern verzichten viele Deutsche aus ideellen Gründen auf Fleisch - und der Handel reagiert.

  Vegetarische Lebensmittel: Sieben Millionen Deutsche sind Vegetarier
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Vegetarische Lebensmittel: Sieben Millionen Deutsche sind Vegetarier


Vorbei sind die Zeiten, in denen Vegetarier lange nach passenden Angeboten suchen mussten. Egal ob Edeka oder Aldi: Alle großen deutschen Handelsketten haben inzwischen Vegetarier und Veganer als Kunden entdeckt. Laut einer Untersuchung des Marktforschungsinstituts GfK haben sich die Umsätze mit Fleischersatzprodukten und pflanzlichen Brotaufstrichen in den vergangenen fünf Jahren fast verdoppelt. In Deutschland ist die Nachfrage nach Wurst seit 2008 mengenmäßig um acht, die nach Fleisch sogar um neun Prozent gesunken. Zugleich steigt der Export deutscher Fleischwaren.

Selbst große deutsche Wursthersteller wie Wiesenhof, Meica und Rügenwalder sind auf den Trend eingeschwenkt und bieten inzwischen vegetarische Alternativen zu den klassischen Wurstwaren an. Rügenwalder will bis 2020 rund ein Drittel seines Umsatzes mit fleischfreien Artikeln erzielen.

Auch Nicht-Vegetarier reduzieren ihren Fleischkonsum

Laut GfK reduzieren auch immer mehr Verbraucher, die prinzipiell nichts gegen Fleisch haben, aus Tierschutz-, Umwelt- und Gesundheitsgründen ihren Fleischkonsum. Vor allem jüngere Konsumenten kaufen heute erheblich mehr vegetarische und vegane Produkte als noch vor einigen Jahren.

Nach Angaben des Vegetarierbunds Deutschland verzichtet jeder zehnte Deutsche völlig auf Fleisch. Demnach gibt es in der Bundesrepublik rund 7 Millionen Vegetarier und 1,2 Millionen Veganer.

Eine repräsentative Studie der Universitäten Göttingen und Hohenheim kam dagegen 2013 zu deutlich niedrigeren Zahlen. Demnach ernähren sich mittlerweile etwa 3,7 Prozent der Deutschen fleischlos.

Trotz des aktuellen Booms handele es sich bei fleischlosen Produkten noch immer um einen Nischenmarkt, nicht um eine Massenbewegung, das betonte Rewe-Chef Alain Caparros erst kürzlich.

Wo er selbst im Streit über den Verzicht auf tierische Produkte steht, daran ließ der französische Rewe-Chef, der aus seiner Begeisterung für gutes Essen keinen Hehl macht, bei dieser Gelegenheit keinen Zweifel. "So viel Verzicht, nur um vielleicht etwas länger zu leben? Veganer sein, das wäre nichts für mich."

Erich Reimann/dpa



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eryx 11.08.2015
1.
Im Prinzip eine gute Entwicklung, auch wenn ich es immer noch kurios finde, dass viele vegetarische/vegane Produkte zu Würstchen und anderen fleischähnlichen Produkten geformt und benannt werden. Ein wenig Selbstbetrug scheint doch notwendig zu sein.
bernhard1964 11.08.2015
2. Lieber Herr Alain Caparros
Es geht doch nicht darum ob wir mit oder ohne Fleisch ?änger leben. Diese Aussage ist um es salopp auszudrücken - zu kurz gesprungen. Vor allem geht es darum durch Fleischverzicht die Lebens qualität von Mensch - und Tier - zu verbessern, als auch die Umweltschäden verursacht durch die invasive Massentierhaltung zu vermeiden.
muellerthomas 11.08.2015
3.
Zitat von eryxIm Prinzip eine gute Entwicklung, auch wenn ich es immer noch kurios finde, dass viele vegetarische/vegane Produkte zu Würstchen und anderen fleischähnlichen Produkten geformt und benannt werden. Ein wenig Selbstbetrug scheint doch notwendig zu sein.
Wieso? Viele Vegetarier mögen Fleisch doch durchaus, lehnen den Konsum aber aus Tierschutzgründen ab. Da ist es doch nur konsequent, vergleichbare Produkte, aber eben ohne tierische Herkunft zu produzieren.
loeweneule 11.08.2015
4.
Zitat von eryxIm Prinzip eine gute Entwicklung, auch wenn ich es immer noch kurios finde, dass viele vegetarische/vegane Produkte zu Würstchen und anderen fleischähnlichen Produkten geformt und benannt werden. Ein wenig Selbstbetrug scheint doch notwendig zu sein.
Es ist doch vielfach eine Frage der Gewohnheit. Wenn man auf fleischlos umsteigt, hat man vielleicht 30 Jahre vorher Wüstchen, Frikadellen etc. gegessen. Warum dann jetzt nicht Ähnliches, halt nur aus einem anderen Grundprodukt?
taste-of-ink 11.08.2015
5.
Vegetariern/Veganern wird ja gerne vorgeworfen, einerseits auf Fleisch zu verzichten, andererseits aber genau solche Produkte zu essen, die Fleischgeschmack nachahmen, sei widersprüchlich. Dabei ist für die meisten Vegetarier gerade nicht der Grund für den Fleischverzicht, dass es ihnen nicht schmeckt, sondern schlicht der ethische Konflikt in Bezug auf die Thematik "Massentierhaltung". Gerade da ist es doch schön, wenn man weiterhin eine Wurst auf den Grill schmeißen kann. Leider sind viele dieser vegetarischen Alternativen so vollgepackt mit Geschmacksverstärkern, Zusatzstoffen etc., dass von einem gesunden Genuss kaum noch die Rede sein kann...
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