Niedriglöhne Ver.di bestreikt Amazon bis drei Tage vor Weihnachten

Im Tarifstreit mit Amazon verschärft Ver.di mitten in der umsatzstarken Vorweihnachtszeit die Gangart. Noch bis Samstag will die Gewerkschaft zwei wichtige Standorte des Online-Händlers bestreiken lassen. Alle Pakete sollen trotzdem pünktlich ankommen.

Streik vor Amazon-Auslieferungshalle: Protest gegen Niedriglöhne
DPA

Streik vor Amazon-Auslieferungshalle: Protest gegen Niedriglöhne


Düsseldorf - Wenige Tage vor dem Weihnachtsfest weitet Ver.di die Streiks beim Versandhändler Amazon aus. Das Verteilzentrum im hessischen Bad Hersfeld soll bis Samstag bestreikt werden, sagte eine Sprecherin der Gewerkschaft am Mittwoch. Auch in Leipzig streiken die Beschäftigten bis kurz vor Weihnachten.

Die Gewerkschaft fordert von dem Konzern höhere Löhne und tarifliche Regelungen, wie sie im Einzel- und Versandhandel üblich sind. Amazon dagegen nimmt die Logistikbranche als Maßstab, in der niedrigere Löhne gezahlt werden.

Mit den Streiks in der Weihnachtszeit will Ver.di den Druck in dem seit Monaten andauernden Konflikt erhöhen. Für den Einzelhandel insgesamt und auch für Amazon ist die Weihnachtszeit die umsatzstärkste Zeit im Jahr. In Spitzenzeiten bestellten Kunden bei Amazon in Deutschland in der Vergangenheit fast vier Millionen Artikel am Tag - 45 Produkte in der Sekunde.

Trotz des Arbeitskampfs garantiert Amazon seinen Kunden eine Auslieferung ihrer Pakete zu Weihnachten. "Bestellen Sie mit Standardversand bis 20.12., 23:59 Uhr, und Sie erhalten Ihre Lieferung pünktlich zum Fest", wirbt Amazon in E-Mails an Kunden. Amazon hatte immer wieder betont, die Proteste hätten "keinerlei Auswirkungen auf den Versand an Kunden".

Im Verteilzentrum Leipzig beteiligten sich der Gewerkschaft zufolge rund 500 Beschäftigte an den Protesten. Im hessischen Bad Hersfeld legten nach Gewerkschaftsangaben mehr als 600 Menschen die Arbeit nieder. Insgesamt arbeiten Amazon zufolge derzeit an den neun deutschen Logistikstandorten rund 9000 festangestellte Mitarbeiter, unterstützt würden sie von 14.000 Saisonarbeitern.

ssu/Reuters

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insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
liquimoly 18.12.2013
1. Tragisch für die Festangestellten, aber ...
... sollte Amazon die Arbeiter durch Roboter ersetzen, säh es ganz mau aus für die Leute. Dabei quellen an den Standorten der Versandzentren die Arbeitsmärkte nicht gaerade über vor Jobangeboten für die Leute. Und es sind auch keine teuren Standorte wie Düsseldorf, Köln, Hamburg, Frankfurt oder München, wo man schon die Miete nicht bezahlen kann. Das ver.di-Theater dient nur dem Machterhalt der Ver.di-Funktionäre, denn deren Nobelklassedienstfahrzeuge kosten jeden Monat richtig Schotter und deren Gehälter ebenfalls.
cloud_19 18.12.2013
2. amazon zahlt keine niedriglöhne
Ich kann es langsam nicht mehr hören. Amazon zahlt als Einstieg knapp unter 10 Euro und nach einem Jahr um die 11 Euro. Das ist definitiv kein Niedriglohn. Mich nervt dass hier immer nur subjektiv gegen Amazon berichtet wird. Da soll sich Verdi und Spiegel doch mal lieber Zalando und andere ansehen, die haben wirklich schlechte Arbeitsbedingungen. Aber gegen Amazon zu schreiben ist ja gerade in Mode, warum sollte man da noch vernünftig recherchieren...
Privatier 18.12.2013
3. Ich wünsche mir bei Amazon die Option, Lieferungen aus dem Ausland wünschen zu können
Zitat von sysopDPAIm Tarifstreit mit Amazon verschärft Verdi mitten in der umsatzstarken Vorweihnachtszeit die Gangart. Noch bis Samstag will die Gewerkschaft zwei wichtige Standorte des Online-Händlers bestreiken lassen. Alle Pakete sollen trotzdem pünktlich ankommen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/ver-di-bestreikt-amazon-bis-kurz-vor-weihnachten-a-939910.html
Ich begrüße ausdrücklich jede geeignete Maßnahme, die nachhaltig sicher stellt, daß meine Bestellungen bei Amazon Körper und Geist von Verdi-Mitgliedern möglichst wenig beanspruchen, belasten und tangieren! Selbstverständlich gerne auch zum Preis einer verlängerten Lieferzeit. MfG
Sohn Meinereltern 18.12.2013
4.
Ich bin Angestellter im medizintechnischen Bereich, bekomme auch weniger Gehalt als es in meiner Berufsgruppe üblich ist. Dennoch kann ich nicht einfach die Arbeit niederlegen und streiken. Da zeigt mir mein Chef die Tür und auf nimmer Wiedersehen. Jeder soll so viel verdienen wie möglich, aber ganz ehrlich - wenn ich einen Arbeitsvertrag unterschreibe, bin ich mit der aufgeführen Lohnzahlung einverstanden. Wenn mir das im vornherein nicht passt, suche ich mir eine andere Stelle. Dieser Ver.di Verein ist nur ein Stimmungsmacher und erhofft sich einen medienwirksamen Sieg gegen den "großen, amerikanischen Amazon Konzern". Hoffe Amazon bleibt stark!
amüsiert 18.12.2013
5. Endlich bewegen sich mal
die Mitarbeiter. Selbstverständlich muss Amazon den Tarifvertrag des Einzelhandels bezahlen. Das Unternehmen agiert ja auch in dieser Branche und macht dementsprechend Gewinne und Umsatz. Einfach auf mehr Lohn zu warten, bringt nichts. Warum sollte der Arbeitgeber auch freiwillig mehr Lohn zahlen. Wir zahlen im Supermarkt auch nicht freiwillig mehr. Als Arbeitnehmer bleibt am Schluss nur der Arbeitskampf. Dies ist in unserem System rechtlich so angelegt und auch so gedacht - also nichts Anrüchiges.
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