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Gewerkschaftsstreit: Ver.di-Chef Bsirske stellt sich gegen GDL-Boss Weselsky

Betroffene Kunden des Bahnstreiks in Nürnberg: Konkurrenzkampf mit der EVG Zur Großansicht
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Betroffene Kunden des Bahnstreiks in Nürnberg: Konkurrenzkampf mit der EVG

Die Lokführergewerkschaft GDL muss sich Kollegenschelte gefallen lassen. Ver.di-Chef Frank Bsirske kritisiert deren Blockadehaltung - diese gehe am Ende zulasten von Beschäftigten und Kunden.

Berlin - Es geht um Einfluss, Macht und Mitarbeiter: Der Streit der Gewerkschaften ist verfahren. Der Chef der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) will sogar einen Notar einschalten, um die Gespräche voranzubringen. Die Lokführergewerkschaft GDL um ihren Boss Claus Weselsky gerät zunehmend in die Kritik. Jetzt kommt neue Schelte - und von ungewohnter Seite: Auch die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di rügt nun den Arbeitskampf der GDL.

Die Lokführergewerkschaft blockiere gemeinsame Tarifverhandlungen mit der EVG, "obwohl im öffentlichen Dienst seit langem gezeigt wird, dass DGB- und Beamtenbund-Gewerkschaften erfolgreich zusammenarbeiten können", sagte Ver.di-Chef Frank Bsirske. Ver.di ist wie die EVG im DGB organisiert, die GDL ist Mitglied des Beamtenbundes; allerdings sind nur noch wenige Lokführer verbeamtet.

"Am Ende geht das zulasten der Kundinnen und Kunden"

Es entstehe der Eindruck, als gehe es der GDL vorrangig gar nicht um die Durchsetzung ihrer Tarifforderung, sagte Bsirske, sondern darum, einen Konkurrenzkampf mit der EVG auszufechten. "Am Ende geht das zulasten der Beschäftigten wie der Kundinnen und Kunden der Bahn", befand der Ver.di-Vorsitzende.

Ver.di-Chef Bsirske (Archivbild): Kritik am Konkurrenzkampf von GDL und EVG Zur Großansicht
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Ver.di-Chef Bsirske (Archivbild): Kritik am Konkurrenzkampf von GDL und EVG

EVG-Chef Alexander Kirchner hatte zuvor moniert, dass es mittlerweile auf den Bahnhöfen zu schweren Konflikten zwischen den Mitgliedern beider Gewerkschaften komme. So seien EVG-Mitglieder beleidigt und als Streikbrecher beschimpft worden. "Mittlerweile gibt es GDL-Lokführer, die wegschauen oder nicht mehr grüßen, wenn sie EVG-Kollegen treffen", sagte Kirchner der "Süddeutschen Zeitung".

Die GDL fordert, künftig nicht nur die Tarifverhandlungen für die Lokführer zu führen, sondern auch für andere Berufsgruppen wie Zugbegleiter und Bordgastronomen. Für diese ist bisher die konkurrierende EVG zuständig. In dem Arbeitskampf hat die GDL für die laufende Woche eine Streikpause eingelegt. Die Lokführer fordern unter anderem auch fünf Prozent mehr Lohn und eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit.

Die Bundesregierung plant ein Gesetz zur Tarifeinheit, um ein Gerangel mehrerer Gewerkschaften in einem Betrieb zu begrenzen. Bei Gewerkschaften, aber auch in der Koalition stoßen die Pläne auf Vorbehalte.

bos/dpa

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1.
xxbigj 22.10.2014
Die Ignoranz der GDL bedroht alle anderen Gewerkschaften. Leute glauben, das es kein Recht zum streiken gibt, dabei steht das in unserem Grundgesetz. Mit solchen übermotivierten Aktionen, schießt sich die GDL selbst ins aus!
2. Sozialer Frieden
quark@mailinator.com 22.10.2014
Der soziale Frieden war einmal DER Standortvorteil Deutschlands ... kaum Streik ... Die Bahn mußte ja unbedingt privatisiert werden ... nun klappt es mit den neuen Zügen nicht, die Preise haben sich verdoppelt und die Streiks werfen die ehemalige Zuverlässigkeit über den Haufen ... ach ja, das Netz ist um ein Drittel kleiner, durch die Gründung der ganzen Minibahnen gibt es keinen einheitlichen Fahrplan mehr, man bekommt für kürzere Strecken das Ticket nicht über die Bahnwebsite gekauft und am Automaten ist es ein getrennter Pfad ... und im Zug kann man Kurzstrecken gar nicht mehr kaufen usw. usf. Ein ELEND. Genau das, was der Kunde NICHT brauchen kann. Obendrein wurden tausende und tausende Jobs gestrichen, welche ärmere Familien ernährten. Also teurer, schlechter und unsozialer. Womit wir wieder am Anfang sind: diese Art Kapitalismus zerstört den Standortvorteil sozialer Friede. Es ist höchste Zeit endlich umzukehren.
3. Weselskys Ziel
cooner 22.10.2014
Er träumt davon, einst selbst verdi-Chef zu werden.
4. Nur zu Lasten der Beschäftigten?
urdemokrat 22.10.2014
Das stimmt so nicht ! Hier werden die Bürger -Bahnreisende- als Geiseln genommen für die Machtgelüste eines ausgerasteten GdL-Chefs. Das ist eine Geiselnahme die mit der originären Aufgaben von Gewerkschaften aber auch garnichts zu tun hat.
5. Angst
henrikw 22.10.2014
"Am Ende geht das zulasten der Beschäftigten wie der Kundinnen und Kunden der Bahn", befand der Ver.di-Vorsitzende." Mitnichten geht es ihm um das Wohl der Kunden oder Beschäftigten. Er hat Angst, dass vielleicht doch die Diskussion um die Einschränkung des Streikrechts aufkommt und er an Macht verliert.
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