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Verbot von Leerverkäufen: Planlos, hilflos, kontraproduktiv

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4. Teil: Droht der europäischen Finanzbranche eine Regulierungsflut?

Börse in Paris: "Jede Preisentwicklung woanders wird registriert" Zur Großansicht
DPA

Börse in Paris: "Jede Preisentwicklung woanders wird registriert"

"Wir haben es doch immer gewusst" - so in etwa ließ sich die deutsche Reaktion auf die Ankündigung der Verbote der vier Euro-Partner am Freitag deuten. Für die Regierung in Berlin sind die Schritte von Madrid bis Brüssel so etwas wie eine verspätete Bestätigung: Als die schwarz-gelbe Koalition im vergangenen Sommer ein langfristiges Verbot ungedeckter Leerverkäufe für alle Aktien und Staatsanleihen der Euro-Länder durchsetzte, zog kein anderes europäisches Land mit. Nun wirbt die Regierung von Angela Merkel (CDU) erneut für das Projekt - unterstützt von der deutschen Bankenbranche.

Dieses Mal sind die Chancen für eine europaweite Regulierung größer. Die EU-Kommission erklärte am Freitag, die Verhandlungen für einheitliche europaweite Leerverkaufsverbote seien sehr weit fortgeschritten. Sie rechne in Kürze mit einer Einigung. Noch wird das Vorhaben im Parlament verhandelt.

Doch folgen weitere Regulierungen? Finanzexperten halten das für sehr unwahrscheinlich. Schon nach der globalen Finanzkrise 2008 hatten sich die europäischen Regierungen schwer mit konkreten Maßnahmen getan. Vor allem die britische Regierung fürchtete um den Einfluss ihres Finanzplatzes London - und blockierte jedes größere Vorhaben. Dieses Mal dürfte es nicht anders sein.

Finanzprofi Burghof glaubt nicht einmal daran, dass es neue Vorschläge geben wird: "Der Instrumentenkasten ist leer." Ihm zufolge bedarf es auch nicht neuer und strengerer Regeln, um die Märkte im Zaum zu halten. Mehr Transparenz und Ehrlichkeit der Regierungen würden schon helfen. "Investoren überzeugt ein ernstgemeintes und gut gemachtes italienisches Sparpaket doch mehr als jedes vehemente Dementi eines Gerüchts."

Mit Material von Reuters und dpa

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1. Das Verbot von leerverkäuen ist sinnvoll und sollte konsequent ausgebaut werden
ADie 12.08.2011
Zitat von sysopEs soll mal wieder der große Schlag gegen Spekulanten sein: Vier europäische Staaten verbieten Leerverkäufe, mit denen Anleger auf fallende Kurse wetten. Aber löst der Schritt wirklich das Problem? Experten sind skeptisch - und warnen sogar vor einer Verschärfung der Krise. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,779857,00.html
Das Leihen und ungedeckte Verkaufen von Aktien muss genauso verboten werden wie der ungedeckt Handel mit CDS und ähnlichen "Produkten". Diese Methoden bringen ausschließlich Riskiko ins Marktegeschehen ohne auch nur einen minimalen Nutzen zu bringen. Wenn die europäischen Staaten ohne England sich endlich dazu aufraffen, reicht das vollkommen aus. Sollen dei Angelsachsen doch selbst an dem Gift verrecken, das sie unedingt schlucken wollen!
2. ..
Maya2003 12.08.2011
Zitat von sysopEs soll mal wieder der große Schlag gegen Spekulanten sein: Vier europäische Staaten verbieten Leerverkäufe, mit denen Anleger auf fallende Kurse wetten. Aber löst der Schritt wirklich das Problem? Experten sind skeptisch - und warnen sogar vor einer Verschärfung der Krise. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,779857,00.html
Schon wieder die "Experten". Wie wir alle wissen liegen die immer richtig. Langsam wirds langweilig.
3. Spekulanten raus
k430248, 12.08.2011
Zitat von sysopEs soll mal wieder der große Schlag gegen Spekulanten sein: Vier europäische Staaten verbieten Leerverkäufe, mit denen Anleger auf fallende Kurse wetten. Aber löst der Schritt wirklich das Problem? Experten sind skeptisch - und warnen sogar vor einer Verschärfung der Krise. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,779857,00.html
Die sogenannten Experten sind meist bei Banken beschäftigt, die natürlich an Leerverkäufen wie an allen Finanztransaktionen verdienen. Leerverkäufe verschärfen Abwärtstendenzen und dienen nur Spekulanten. Also richtig, verbieten. Am besten auch CDS, wenn nicht eigene Bestände versichert werden. Spekulanten sind nicht das Hauptübel aller Krisen, aber sie verschärfen sie. Nicht in meinem Interesse.
4. Keine LeerverkÄufe
crigs 12.08.2011
Leerverkäufe müssen weltweit verboten werden. Die Börse muss zum Wohle aller werden. Basta.
5. Andere Verbrechensarten werden doch auch global bekämpft
b-elanna 12.08.2011
Weltweit ist man sich einig über die Bekämpfung des Terrorismus. Weltweit ist man sich einig über die Bekämpfung von Steuerflucht. Warum ist man sich nicht einig bei der Bekämpfung von schädlichen Finanzmarktinstrumenten? Weil es zwei Volkswirtschaften in der Welt gibt die von dieser Art Kriminalität in Ihrem Wirtschaftssystem leben anstatt Werte in Form von nützlichen Produkten zur Steigerung Ihrer Wirtschaftsleistung und Ihres Wohlstandes herzustellen. Der globale Finanzmarkt wird von NY und LSE bestimmt. Er wird mißbraucht um einem überflüssig aufgeblähten Finanzmarkt mit krimineller Energie Gewinne zu verschaffen. Da hilft nur eine Überprüfung der Basis des Wirtschaftssystem dieser beiden Länder. Bei deren horrender Verschuldung aufgrund von gesellschaftlichem Auseinanderdriften - in USA Tea-Party - in GB Straßenschlachten - wird daraus aber wohl erst dann was werden wenn die Bevölkerung sich gegen den unsinnigen neoliberalen Kurs dieser Länder stellt. Das sind die neuen Betonkopf Neoliberalen die genauso trauig anzusehen sind wie Betonkommunisten der Ära Breschnew. Ideologie führt immer ins Aus. Eigentlich müsste die Lektion gelernt sein nach so vielen gescheiterten Ideologien der Vergangenheit. Aber es hat auch 40 Jahre gedauert bis der real existierende Sozialismus zusammenbrach. Wenn sich nichts ändert bricht auch der real existierende Neoliberalismus in sich zusammen. Die Vorboten sind überall schon zu sehen.
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Zehn Argumente gegen die Börsen-Panik

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Die drei Rating-Riesen
Standard & Poor's
Henry Varnum Poor veröffentlichte 1868 das "Manual of the Railroads of the United States", in dem die Anleger Informationen über die Eisenbahngesellschaften erhielten. 1941 verschmolzen die Poor's Publishing Company und die Standard Statistics Company zur Rating-Agentur Standard & Poor's . Das Rating reicht von AAA ("Triple A", exzellente Bonität, praktisch kein Ausfallsrisiko) über BBB (befriedigend) bis D (in Zahlungsverzug, keine Bonität).
Moody's
John Moody gründete 1909 die Agentur Moody's Investors Service , die seit 1975 von der US-Börsenaufsicht SEC anerkannt ist. Die Bewertungen reichen von Aaa über Baa1 bis C.
Fitch Ratings
1924 entstand in New York aus der Fitch Publishing Company von John Fitch das Unternehmen Fitch Ratings . Alle drei Unternehmen haben ihren Sitz in New York, Fitch Ratings zudem in London; sie betreiben Büros in aller Welt. Das Rating reicht von AAA bis D.
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Wie Notenbanken funktionieren
Woher nehmen Notenbanken das ganze Geld?
Für die Milliardensummen, die die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-amerikanische Federal Reserve Bank (Fed) im Verlauf der Finanzkrise den Banken zur Verfügung stellten, müssen die Notenbanken nicht die Notenpresse anwerfen und Geldscheine drucken. Die Beträge werden lediglich auf den Konten der Geschäftsbanken gutgeschrieben, die bei den Notenbanken geführt werden. Gegen Wertpapiere als Sicherheiten leiht die EZB oder Fed Geld aus. Nach einer bestimmten Frist zahlen die Banken die Summe inklusive Zins zurück.
Können sie pleitegehen?
Technisch nein. Die EZB hat im Euro-Raum das Monopol über das Zentralbankgeld und kann unabhängig darüber entscheiden, wann sie wie viel Geld in Umlauf bringt.
Warum buttern sie so viel Geld in die Märkte?
Generell leihen sich Geldinstitute auf dem Geldmarkt untereinander oder bei der EZB oder Fed Geld aus und zahlen dafür Zinsen - so wie ein Bankkunde bei einer Bank einen Kredit bekommt und diesen abträgt. Für die Geschäftsbanken ist es wichtig, dass sie über flüssiges Geld (Liquidität) verfügen, zum Beispiel für die Vergabe von Krediten an Unternehmen und Verbraucher. Wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten und eventueller noch unbekannter Risiken bei einzelnen Häusern sind die Banken jedoch misstrauischer geworden und nicht mehr im üblichen Maße bereit, sich gegenseitig Geld auszuleihen. In so einem Fall können die Notenbanken eine Finanzspritze geben, um einen Geldengpass (Kreditklemme) zu verhindern. Vorrangiges Ziel der Notenbanken sind stabile Preise. Die EZB ist laut EU-Vertrag aber auch für die Stabilität des Finanzsystems mitverantwortlich.

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