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Verbraucherschutz: Studie kritisiert Milliarden-Abzocke beim Strom

Hunderte Stromversorger schrauben 2011 die Preise nach oben, es ist die stärkste Verteuerung seit Jahren - und sie ist völlig ungerechtfertigt, heißt es nun in einem Gutachten der Grünen. Die Konzerne haben demnach massiv gesunkene Kosten nie an die Kunden weitergegeben. Und kassieren Milliarden zu viel.

Stromversorgung in Deutschland: Einkaufskosten um 30 bis 40 Prozent gesunken Zur Großansicht
dpa

Stromversorgung in Deutschland: Einkaufskosten um 30 bis 40 Prozent gesunken

Leipzig/Saarbrücken - Die Konzerne begründen ihre Preiswelle mit der höheren Umlage für erneuerbare Energien (EEG). Alles Humbug, heißt es nun in einer Studie, die im Auftrag der Grünen erstellt wurde. Demnach dürften Stromkunden im kommenden Jahr rund zwei Milliarden Euro zu viel zahlen. Über die Studie berichten die "Leipziger Volkszeitung" und die "Saarbrücker Zeitung".

570 Versorger haben der "Leipziger Volkszeitung" zufolge Preissteigerungen angekündigt. Die EEG-Umlage ist der Studie zufolge jedoch offenbar nur ein vorgeschobener Grund. Sie ließe sich durch Einsparungen ausgleichen, die bisher nicht an die Verbraucher weitergegeben wurden, zitiert die Zeitung aus der Studie.

"Hier wird ein Vorwand genutzt, um ungerechtfertigte Preiserhöhungen zu kaschieren", sagte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Bärbel Höhn, der Zeitung. Gesunkene Beschaffungskosten würden nicht an die Kunden weitergegeben.

"Die Versorger erhöhen vielfach die Preise, um ihre Gewinne zu steigern", sagte die Energieexpertin der Grünen-Fraktion, Ingrid Nestle, der "Saarbrücker Zeitung". Laut Gutachten sei der Preisanstieg "nicht nachvollziehbar". So würden die Konzerne ihr Vorgehen mit der gestiegenen EEG-Umlage von 1,5 Cent pro Kilowattstunde zum Jahreswechsel begründen. Demgegenüber stehe jedoch "ein bislang nicht weitergegebenes, erhebliches Preissenkungspotential", heiße es in der Expertise. So seien unter anderem die Beschaffungskosten beim Strom seit Herbst 2008 um 30 bis 40 Prozent gesunken, aber nicht an die Stromkunden weitergegeben worden.

Das Gutachten des Energiewirtschaftlers Gunnar Harms, der auch stellvertretender Vorsitzender des Bunds der Energieverbraucher ist, komme überdies zu dem Ergebnis, dass 2010 ertragsmäßig ein Rekordjahr insbesondere für die vier großen Stromversorger wird. "Ihr gesamter Jahresgewinn dürfte bei rund 30 Milliarden Euro liegen. Nie zuvor haben sie einen höheren Gewinn eingefahren", analysiert Harms nach Angaben der "Saarbrücker Zeitung".

ler/dpa/dapd

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insgesamt 304 Beiträge
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1. Laut Verbraucherschutz...
Schmockse 28.12.2010
Zitat von sysopHunderte Stromversorger schrauben zur Jahreswende die Preise nach oben, es ist die stärkste Verteuerung seit Jahren - aber gerechtfertigt ist sie nicht, heißt es nun in einem Gutachten im Auftrag der Grünen. Die Konzerne haben demnach stark gesunkene Kosten nie an die Kunden weitergeben und kassieren Milliarden zu viel. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,736764,00.html
... soll es sich hierbei um ca. 2 Milliarden Euro handeln, die als Kaufkraft verloren gehen. Auf der anderen Seite erhöhen sich die Dividenten der Aktienbesitzer dieser Stromunternehmen. Tja, die können dann wiederum den erhöhten Strompreis locker zahlen! Ob dann aber noch etwas "Gewinn" übrig bleibt?
2. ...
M. Michaelis 28.12.2010
Zitat von sysopHunderte Stromversorger schrauben zur Jahreswende die Preise nach oben, es ist die stärkste Verteuerung seit Jahren - aber gerechtfertigt ist sie nicht, heißt es nun in einem Gutachten im Auftrag der Grünen. Die Konzerne haben demnach stark gesunkene Kosten nie an die Kunden weitergeben und kassieren Milliarden zu viel. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,736764,00.html
Gespart wurde vor allem beim Personal. Bevor man die Einspareffeke an den Kunden weitergibt werden erst die Aktionäre bedient. Ein Teil der Einsparungen wurde durch die EEG wieder aufgefressen. Ein anderer Teil wird reinvestiert.
3. und was solls der michel zahlt weiter....
goozerin 28.12.2010
ist doch eh egeal der deutsche michel bezahlt trotzdem fleissig weiter warum also aufregen. die stromkonzerne wissen das und kassieren weiter kräftig ab..... jahrelange gehirnwäsche hat den michel schön ruhig gestellt und das obrigkeitsgefühl gestärkt.......weiter so....
4. Die Rendite steigt
Roana, 28.12.2010
Es kann ja jeder Strom sparen. Oder wo anders hin gehen. Die Deutschen sind da einfach zu träge. Ich find es jedenfalls toll, meine Rendite aus den Aktien steigt und steigt und steigt... Wenn jetzt demnächst auch noch die Stromzähler mit variablem Tarif und Internet-Anschluss kommen, dann steigt meine Rendite noch mehr. Dann wird der Tarif verbrauchsoptimiert... heißt: immer wenn der Stromverbrauch am höchsten ist, ist der Strom am teuersten... geniale Idee... Rosige Zeiten für Leute die Aktien von EVUs haben. Kauft doch auch welche! (Dann werden meine mehr wert...) Wie man es auch sieht., als Aktieneigner ist Deutschland das Schlaraffenland schlechthin.
5. Wen wunderts?
hallo_geht_s_noch? 28.12.2010
Es gibt einfach keinen Wettbewerb auf dem Energiemarkt. So lange das so ist, wird ein gesunkener Beschaffungspreis nicht an die Kunden weitergegeben. Für die grossen Vier, gibt es gar keinen Grund, die Preise zu senken. Die EEG-Umlage dient als willkommenes Argument, die Gewinne zu maximieren. Leider ist die Tigerente nichtg gewillt, auch nur einen Finger zu rühren, damit ein wirklicher Wettbewerb stattfindet. Warum das so ist, mag sich jeder selbst denken. Ich rate allen, den Anbieter zu wechseln. Ist wirklich einfach.
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Energie-Oligopol in Deutschland
Konzerne Anteil Kraft- werks- kapa- zität Anteil erzeugte Strom- menge Anteil Groß- kunden- markt
RWE, E.on, Vattenfall, EnBW 82% 89% 60%
Quellen: IZES, BEE; Werte aus dem Jahr 2009

DDP
Die Strompreise steigen, vielen Bürgern drohen saftige Mehrkosten. Da hilft nur eines: den Verbrauch senken - und zwar schnell. Überprüfen Sie im SPIEGEL-ONLINE-Test, ob Sie das Zeug zum Energiesparer haben!
Anbieterwechsel - so funktioniert's
In wenigen Minuten zum Ziel
Der Wechsel des Stromanbieters ist sehr einfach. Für die Formalitäten braucht man nur wenige Minuten. Im Kern gilt das Gleiche auch für Gaskunden. Wechselwillige Kunden sollten Folgendes beachten.
Verbrauch ermitteln
Als Erstes sollte man seinen individuellen Jahresverbrauch ermitteln. Am einfachsten geht das über die letzte Rechnung. Wichtig: Es kommt nicht auf den Betrag in Euro an, sondern auf den Verbrauch in Kilowattstunden (kWh). Wer die letzte Rechnung nicht mehr findet, kann seinen jährlichen Strombedarf zur Not auch anhand des Verbrauchs der letzten Monate hochrechnen.
Die Suche nach dem passenden Anbieter
Nun beginnt die Suche nach dem günstigsten Anbieter. Eine wichtige Hilfestellung bieten dabei unabhängige Verbraucherportale wie www.toptarif.de, www.verivox.de, www.stromtarife.de, www.check24.de oder www.verbraucherzentrale.de. Auf diesen Seiten finden sich Tarifrechner, in die man nur zwei Werte eingeben muss: seine Postleitzahl und seinen jährlichen Stromverbrauch in Kilowattstunden. Der Tarifrechner bietet dann eine Übersicht sämtlicher Anbieter, die in dieser Region verfügbar sind.
Die Auswahl
Jetzt kommt der entscheidende Schritt - die Wahl des neuen Anbieters. Dabei sollte man Folgendes beachten: Der günstigste ist nicht automatisch der beste. So warnen Verbraucherschützer vor Unternehmen, die Vorkasse verlangen. Auch sollte man sich nicht zu lange an einen Anbieter binden - Vertragslaufzeiten von zwei Jahren also lieber meiden. Allen anderen Unternehmen darf man getrost Vertrauen entgegenbringen.
Ökoanbieter
Wer möchte, kann sich an dieser Stelle auch für einen Ökostromanbieter entscheiden. Diese Unternehmen garantieren grünen Strom aus erneuerbaren Energien, ohne Kohle und Kernkraft. Nach Angaben der Verbraucherschützer sind Ökostromprodukte in zwei Dritteln der Städte sogar billiger als die der ortsüblichen Grundversorger.
Die Formalitäten
Nun muss man mit dem neuen Anbieter nur noch Kontakt aufnehmen. Häufig ist das direkt über das Verbraucherportal möglich - entweder per Mausklick oder per Telefon. Der neue Anbieter klärt dann sämtliche Formalitäten. Eine Abmeldung beim alten Versorger ist nicht nötig, auch das übernimmt das neue Unternehmen automatisch. Nur eine Sache sollte man beachten: Die Vertragslaufzeit beim alten Anbieter muss eingehalten werden. Wer seit acht Monaten in einem Jahresvertrag ist, muss eben noch vier Monate warten.
Die Technik
Technisch ist der Anbieterwechsel überhaupt kein Problem. Das physikalische Produkt Strom bleibt in jedem Fall dasselbe, eine Unterbrechung der Versorgung ist ausgeschlossen. Dass man einen neuen Anbieter hat, merkt man nur daran, dass die Rechnung von einem anderen Unternehmen kommt als bisher. Übrigens: Selbst wenn der neue Anbieter pleitegehen sollte, bekommt man weiterhin Strom. In diesem Fall ist der örtliche Grundversorger gesetzlich verpflichtet einzuspringen.
Wie lange dauert der Anbieterwechsel?
Seit April 2012 können Strom- und Gaskunden schneller den Anbieter wechseln. Sobald die Anmeldung beim Netzbetreiber erfolgt ist, dürfen laut Energiewirtschaftsgesetz nur noch drei Wochen verstreichen, bis die Strom- oder Gaslieferung durch den neuen Anbieter beginnt. Starttermin muss nicht der Monatserste sein - jeder Tag ist möglich. Dauert die Umstellung länger als drei Wochen, kann der Kunde Schadenersatz vom Lieferanten oder Netzbetreiber fordern.
Ich habe eine Nachtspeicherheizung. Kann ich auch den Anbieter wechseln?
In den meisten Fällen leider nicht. "In vielen Regionen gibt es nur einen Anbieter, der die Betreiber von Nachtspeicherheizungen beliefert", sagt ein Verivox-Sprecher. Durch den mangelnden Wettbewerb kommt es öfter zu überdurchschnittlichen Preiserhöhungen. Im vergangenen Jahr sind beispielsweise in Baden-Württemberg die Preise um bis zu 30 Prozent gestiegen. Die Bundesregierung tut dagegen wenig, denn es ist politisch gewollt, dass stromfressende Nachtspeicherheizungen nach und nach ausrangiert werden.

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Grafiken: Der deutsche Energiemarkt

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