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Verdacht auf Börsenbetrug: Ramsch-Aktie stieg um 1000 Prozent

Es war ein beispielloser Hype: Der Aktienkurs von De Beira Goldfields war um 1000 Prozent in die Höhe geschnellt. Jetzt erhebt die Staatsanwaltschaft Stuttgart gegen vier Männer Anklage. Sie sollen die Bewertung künstlich nach oben getrieben und kräftig abkassiert haben. 

Frankfurter Börse (Archivbild): Händler trieben offenbar Kurs nach oben Zur Großansicht
dapd

Frankfurter Börse (Archivbild): Händler trieben offenbar Kurs nach oben

Stuttgart - Wegen krummer Geschäfte mit Ramsch-Aktien "in ganz großem Stil" hat die Staatsanwaltschaft Stuttgart Anklage gegen vier Männer erhoben. Das Quartett soll in insgesamt 62 Fällen mit Marktmanipulationen rund um den Aktienkurs eines Goldunternehmens 38 Millionen Euro eingestrichen haben. Das gab die Behörde am Montag bekannt.

Die vier Männer im Alter von 32 bis 46 Jahren sollen den Kurs des Unternehmens De Beira Goldfields 2006 in die Höhe getrieben haben. Tatsächlich stieg der Kurs zwischenzeitlich um mehr als 1000 Prozent. Binnen Wochen. Am Ende des künstlich ausgelösten Kurshöhenflugs kassierten die Männer demnach ab.

Der Anklage zufolge brachten sie dafür im Jahr 2006 Kaufempfehlungen in einem Magazin sowie in Börsenbriefen unter. Die Beschuldigten sollen selber "erhebliche Bestände" der Papiere besessen haben, dies wurde in den Artikeln aber verschwiegen. Die Staatsanwaltschaft gab 2011 an, die Beschuldigten hätten "wertbildende Tatsachen vorgetäuscht", zum Beispiel, dass Schürfvorhaben geplant seien und eine gestiegene Nachfrage nach der Aktie existiere.

Die positiven Bewertungen in Magazin und Börsenbrief zeigten Wirkung: Der Börsenpreis der betroffenen Aktie stieg laut Staatsanwaltschaft von 1,40 Euro im Mai 2006 auf 18,50 Euro Mitte Juni. Mit Ausnahme des 33-Jährigen Aktienkäufers sind die Beschuldigten laut Staatsanwaltschaft "weitgehend geständig".

Künstliche Wertblase

De Beira Goldfields firmiert seit 2010 unter dem Namen Panex Resources. Die Ermittlungen gegen das Quartett starteten im Sommer 2010 nach einer Anzeige der Finanzaufsicht BaFin. Es folgten Durchsuchungen in Deutschland und Österreich. Dabei hätten die Ermittler "diverse Vermögenswerte" sichergestellt und eingefroren. Geschädigte der Kursturbulenzen werden daher ausdrücklich aufgefordert, sich bei der Staatsanwaltschaft zu melden.

Laut einem Bericht der "Wirtschaftswoche" aus dem Mai 2011 wird unter anderem der frühere Chef eines Rohstoff-Unternehmens verdächtigt, dazu ein PR-Unternehmer und ein Journalist.

Laut der Nachrichtenagentur AFP hatten der PR-Berater, heute 32 Jahre alt, und ein 33-jähriger Komplize die Idee für den Coup: Der Ältere sei dafür zuständig gewesen, eine hohe Anzahl von Aktien des Unternehmens zu beschaffen, der Jüngere sollte sie vermarkten.

Eine solche unrechtmäßige Bereicherung auf Kosten anderer Aktionäre wird in der Branche "Scalping" genannt: Windige Börsenakteure kaufen in großem Stil billige Papiere eines unbekannten Unternehmens. Für die Aktien geben sie irreführende Kaufempfehlungen heraus. Steigt dadurch die Nachfrage nach der Aktie, so steigt auch deren Preis. Ist er für die Initiatoren der geschönten Börsen-Schreiben hoch genug, verkaufen sie ihre Aktien mit hohen Gewinnen weiter. Irgendwann platzt die künstliche Wertblase und der Kurs der Aktie fällt - wer vorher Papiere zu überteuertem Preis gekauft hat, macht mitunter erhebliche Verluste.

ssu/AFP/dpa-AFX

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insgesamt 41 Beiträge
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    Seite 1    
1. Ramschaktie?
neu_ab 21.05.2012
Ach so, ich dachte schon, es sei die Rede von der neuen "Facebook"-Ramschaktie.
2.
Pupsie 21.05.2012
Zitat von neu_abAch so, ich dachte schon, es sei die Rede von der neuen "Facebook"-Ramschaktie.
Haha, 2 Doofe, ein Gedanke =)
3. Ein Reissack...
axiom 21.05.2012
Zitat von sysopDPAEs war ein beispielloser Hype: Der Aktienkurs von De Beira Goldfields war um 1000 Prozent in die Höhe geschnellt. Jetzt erhebt die Staatsanwaltschaft Stuttgart gegen vier Männer Anklage. Sie sollen die Bewertung künstlich nach oben getrieben und kräftig abkassiert haben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,834197,00.html
Ist es nicht immer so das die dummen, gierigen von den cleveren abkassiert werden? Die cleveren, gierigen gehen halt teilweise in den Knast. Deja vu
4.
Der Meyer Klaus 21.05.2012
Dieses Beispiel zeigt doch eigentlich eher wie bescheuert das ganze Börsensystem ist. Bzw wie leichtgläubig die Menschen sind. Sammel ich 100 glatte Steine am Strand und verticke die für 20 Euro das Stück als "Wohlfühlseelenstein" an Spacken ist es doch auch kein Betrug. Selber Schuld wenn man sich auf das verläßt was in Zeitschriften steht oder jemand einem erzählt der selbst nur an seinen eigenen Profit denkt.
5. 2?
snigger 21.05.2012
Zitat von PupsieHaha, 2 Doofe, ein Gedanke =)
aller guten dinge sind drei ^_^
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