Verdacht auf Insiderhandel BaFin hat Solar Millennium im Visier

Neuer Ärger bei Solar Millennium: Nach Ex-Vorstand Utz Claassen ist Unternehmensgründer Hannes Kuhn in der Kritik. Er soll laut "Süddeutscher Zeitung" Insiderhandel betrieben haben. Die Finanzaufsicht BaFin prüfe den Vorwurf.

Solarkraftwerk in Kalifornien: Firmengründer Hannes Kuhn steht in der Kritik
Solar Millennium

Solarkraftwerk in Kalifornien: Firmengründer Hannes Kuhn steht in der Kritik


München/Erlangen - Der Erlanger Energiekonzern Solar Millennium wollte mit dem weltgrößten Solarkraftwerk Geschichte schreiben, jetzt reiht sich ein Skandal an den nächsten. Nach einer Klage gegen Vorstandschef Utz Claassen gerät nun der Gründer des Unternehmens Hannes Kuhn selbst ins Visier der Börsenaufsicht BaFin. Der Verdacht: Insiderhandel.

Der Firmengründer und Aufsichtsrat soll nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" ("SZ") Aktien gekauft haben, bevor die Verpflichtung von Claassen für einen Kurssprung sorgte. Ein Aktionär des Unternehmens erhebt laut SZ Vorwürfe gegen Kuhn. Die BaFin sei offenbar schon aktiv geworden.

Im Dezember 2009 hatte der Erlanger Mittelständler den Top-Manager Claassen verpflichtet. Dass die Personalie sich positiv auf den Aktienkurs des Unternehmens auswirken würde, dürfte den Eingeweihten klar gewesen sein. Und in der Tat: Kurz nach Bekanntgabe von Claassens Einstieg bei Solar Millennium schoss die Aktie um 20 bis 50 Prozent nach oben.

Kuhn soll wenige Wochen vor der Bekanntgabe ein Paket von 150.000 Aktien gekauft haben. Der Aufsichtsrat hatte dem Bericht zufolge mehrmals mit Claassen verhandelt und von dem bevorstehenden Deal gewusst.

Kuhn erklärte auf einer Aktionärsversammlung im Mai, er habe das Paket gekauft, um es später privat an Claassen weiterzuverkaufen. Der Ex-Vorstandschef will laut "SZ" von der Aktion nichts gewusst haben. Über seine Anwälte ließ er erklären, dass er nie einen Dienstvertrag mit Solar Millennium abgeschlossen hätte, wenn er von dem Aktienkauf Kenntnis gehabt hätte.

Eine Sprecherin des Aufsichtsrats erklärte, die Solar Millennium AG habe "derzeit keinerlei Kenntnis darüber, dass mit Ihren Aktien unerlaubte Insidergeschäfte getätigt wurden und geht davon aus, dass sich derartige Vorwürfe nicht bestätigen werden". Das Unternehmen habe erst auf Anfrage von der BaFin-Untersuchung erfahren und "bereits auf der Hauptversammlung im Mai klar gemacht, dass der damalige Vorstandsvorsitzende Prof. Claassen ein umfangreiches Aktienpaket als Teil seiner Vergütung gefordert hat. Zu keinem anderen Zweck sind in diesem Zusammenhang Aktiengeschäfte getätigt worden."

Der Solarkraftentwickler liegt seit vielen Monaten mit Claassen im juristischen Clinch. Solar Millennium verlangt 9,18 Millionen Euro zurück, die das Unternehmen für den Antritt von Claassen im Januar 2010 aufbringen musste. Claassen hatte einen Fünfjahresvertrag unterschrieben, das Unternehmen aber nach nur 74 Tagen wieder verlassen.

dis/dab



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