Verdacht auf Korruption Afghanistan friert Vermögen von Bankaktionären ein

Das Finanzdesaster beim größten afghanischen Geldhaus stürzt das Land in eine neue politische Krise. Um die strauchelnde Kabul-Bank zu retten, haben die Behörden die Vermögenswerte der größten Anteilseigner eingefroren - ausgenommen ist der Bruder von Präsident Hamid Karzai.

Warteschlange vor der Kabul-Bank: Vermögen der Großaktionäre eingefroren
AP

Warteschlange vor der Kabul-Bank: Vermögen der Großaktionäre eingefroren


Hamburg - Es ist ein Szenario, vor dem sich westliche Banken in der Finanzkrise immer gefürchtet haben: Hunderte Afghanen haben am Wochenende die Filialen der Kabul-Bank belagert, um ihr ganzes Geld abzuheben. Die Zentralbank versucht jetzt verzweifelt, eine Eskalation der Krise zu verhindern: Sie hat den wichtigsten Kapitaleignern der Bank verboten, ihr Grundeigentum in Kabul zu verkaufen. Der Grund: Sie sollen einen Großteil ihrer Immobilien mit Krediten der Kabul-Bank finanziert und diese nicht zurückgezahlt haben.

Die Behörde verordnete das Verkaufsverbot in einem Brief an kommunale Behörden, aus dem die "Washington Post" zitiert. Das Verbot richtet sich gegen fünf Männer, darunter die beiden größten Anteilseigner der Bank, die vergangene Woche als Vorstände der Bank entlassen wurden.

Wie die Zeitung weiter berichtet, ist allerdings der Bruder des Präsidenten, Mahmoud Karzai, von dem Verbot ausgenommen. Er ist der drittgrößte Anteilseigner der Bank. Gegen den Vorwurf der Vetternwirtschaft wehrt er sich. Nach eigenen Angaben besitzt Mahmoud Karzai keine Vermögenswerte in Afghanistan. "Sie können meinen Grundbesitz nicht einfrieren, weil ich keinen habe", sagte Karzai laut der Zeitung. "Ich besitze kein einziges Haus, noch nicht einmal ein Stück Land in Afghanistan."

In Afghanistan ist es weitverbreitet, sein Vermögen unter den Namen von Verwandten oder guten Freunden zu registrieren. Laut "Washington Post" soll Mahmoud Karzai genau das getan haben, wie Kritiker ihm vorwerfen. Andere Stimmen sprechen von einer politisch motivierten Verleumdungskampagne.

Mahmoud Karzai gehört ein Anteil an einer afghanischen Zementfabrik, außerdem ist er an einem Entwicklungsprojekt in Kandahar beteiligt. In Kabul wohnt er aber zur Miete, schreibt die "Washington Post". Die meiste Zeit verbringe er in seiner 5,5 Millionen Dollar teuren Luxusvilla in Dubai, die er mit Mitteln der Kabul-Bank finanziert haben soll. Der Präsidentenbruder sei mit sieben Prozent an der Bank beteiligt. Seine Anteile habe er mit Geld finanziert, das er sich zuvor bei dem Institut geliehen habe.

Mit dem Verkaufsverbot für wichtige Vermögenswerte stemmen sich die afghanischen Behörden gegen den Untergang der größten afghanischen Bank. Berichten zufolge waren in mehreren Städten Bankmittel gestohlen worden. Nun will die Zentralbank offenbar verhindern, dass Bankinsider auch noch ihr Grundvermögen verkaufen. Dies haben sie vielfach mit Krediten der Kabul-Bank finanziert, die sie noch nicht zurückgezahlt haben.

Die Krise der Kabul-Bank ist vor allem selbstverschuldet. Die Anteilseigner haben zum Teil dubiose Kredite an sich selbst vergeben, außerdem wurden riskante Immobiliengeschäfte in Dubai getätigt. Rund die Hälfte der Anteilsscheine an der Bank sind laut "Washington Post" mit Krediten eben dieser Bank finanziert. Der bisherige Bankpräsident soll 160 Millionen Dollar veruntreut haben, um Immobilien in Dubai zu kaufen. In einem der Häuser soll Mahmoud Karzai mietfrei gewohnt haben.

Die Kabul-Bank wurde erst im Jahr 2004 gegründet. Über sie werden die Gehälter von Soldaten, Lehrern und Beamten ausgezahlt. Die Bank wickelt auch die Entschädigungen für die Opfer des Luftangriffs bei Kunduz ab. Seit vergangenen Mittwoch der "Bank Run" losbrach, sollen Kontoinhaber bis Sonntag rund 250 Millionen Dollar abgehoben haben - nach Angaben der Bank ist das bereits die Hälfte der liquiden Mittel.

jaw



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Juan Pérez, 06.09.2010
1. Selbiges hätte ich eigentlich von den Regierenden vor 2 Jahren hier erwartet!
Selbiges hätte ich eigentlich von den Regierenden vor 2 Jahren hier erwartet!
SethGecko 06.09.2010
2. juchuu die afghanen lernen kapitalismus
Na also, die Afghanen passen sich doch den westlichen Errungenschaften rapide an! Dubiose Kredite an sich selbst vergeben, in riskante Immobilien gesteckt, das Ding verkauft und den Kredit platzen lassen... In mancher Hinsicht sind sie uns ja schon voraus, während hier immer noch der Staat künstlich den Opium- und Heroinmarkt verknappt, haben die die Lücke schon erkannt und erzielen da Traumrenditen. Soll noch mal einer sagen, wir würden da keine Fortschritte machen. Mal sehen wie das weitergeht, wenn sie gute Schüler sind, werden sie jetzt versuchen, Steuergelder in die Bank umzuleiten, um damit die ausstehenden Schulden der Anteilseigner zu begleichen und liquide zu bleiben. Ach nee, soviel Steuern nehmen die ja wahrscheinlich noch gar nicht ein. Nagut, aber im Prinzip wissen sie ja, wie es geht. Sorry, aber manchmal bleibt einem nur der Zynismus.
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