Verdacht auf Kursmanipulation: Razzia bei Standard & Poor's in Mailand

Italienische Fahnder haben Geschäftsräume von Standard & Poor's in Mailand durchsucht. Sie verdächtigen die Rating-Agentur, Kurse an der Börse manipuliert zu haben. Auch gegen den Konkurrenten Moody's ermitteln die Behörden.

Mailand - Es war bereits die zweite derartige Aktion der Fahnder: Die italienische Polizei hat erneut Geschäftsräume der US-Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) in Mailand durchsucht. Laut einem S&P-Anwalt steht der Besuch der Steuerfahnder im Zusammenhang mit im vergangenen Jahr eingeleiteten Ermittlungen wegen ungewöhnlicher Kursbewegungen an der Mailänder Börse.

Schon im vergangenen August hatte die italienische Justiz die Mailänder Büros von S&P durchsuchen lassen. Diesmal handelte Insidern zufolge die Finanzpolizei aus Bari auf Anordnung der Staatsanwaltschaft im süditalienischen Trani. Diese geht dem Verdacht nach, Standard & Poor's und Moody's hätten in ihrer täglichen Arbeit gegen Geschäftsregeln verstoßen.

Den Ermittlern liegen Strafanzeigen zweier Verbraucherverbände vor. Eine der Anzeigen betrifft die Veröffentlichung eines Moody's-Bericht im Mai 2010, in dem vor Ansteckungsgefahren der Griechenland-Krise für die italienischen Banken gewarnt wurde. Die zweite Anzeige richtet sich gegen S&P, nachdem die Agentur im Mai vergangenen Jahres mit einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit Italiens gedroht hatte.

Die Staatsanwaltschaft untersucht nach eigenen Angaben auch, ob hinter Kursstürzen an der Mailänder Börse am 8. und 11. Juli 2011 kriminelle Machenschaften stecken. Damals waren viele Anleger aus Angst vor einem Übergreifen der Schuldenkrise aus Aktien geflüchtet. Die Rating-Agenturen betonten, sich stets korrekt verhalten zu haben, und erklärten sich zur Zusammenarbeit mit den Ermittlern bereit.

fdi/AFP/Reuters

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