Verdacht auf Steuerbetrug Siemens soll dreistelligen Millionenbetrag erschlichen haben

Tarnen, tricksen und kassieren: Siemens soll nach SPIEGEL-Informationen bis in die neunziger Jahre hinein Steuersubventionen in dreistelliger Millionenhöhe erschwindelt haben. Dafür bediente sich das Unternehmen einer Strohfirma.

Die Fassade der Konzernzentrale der Siemens in München:
ddp

Die Fassade der Konzernzentrale der Siemens in München:


Hamburg - Steuersubventionen in dreistelliger Millionenhöhe soll sich nach SPIEGEL-Informationen der Siemens-Konzern bis in die neunziger Jahre offenbar mit Hilfe der Deutschen Bank erschlichen haben. Dafür nutzte das Industrieunternehmen eine Strohfirma in Hamburg, die offiziell von drei Banken unter Führung einer Deutsche-Bank-Tochter gehalten wurde. Tatsächlich beherrschte aber Siemens die Firma schon seit 1960, wie aus Geheimverträgen hervorgeht.

Durch die Einschaltung der Hamburger Lincas GmbH als Zwischenhändler konnte Siemens für Waren, die sie in ihren Berliner Werken herstellte und an Auslandstöchter lieferte, die sogenannte Berlin-Förderung kassieren. In einem Bericht des Bayerischen Landeskriminalamts von 2009 heißt es dazu: "Es besteht der Verdacht, dass mehrere hundert Millionen DM durch staatliche Stellen gezahlt wurden, die ohne diese treuhänderische Konstruktion nicht in dieser Höhe gezahlt worden wären."

Ein internes Schreiben aus der Siemens-Steuerabteilung bezifferte noch im Jahr 1993, als die Berlin-Förderung auslief, die drohenden Nachzahlungen für die Zeit von 1986 bis 1989 auf 325 Millionen Mark, sollte die Konstruktion auffliegen. "Das Risiko liegt nicht nur in der zu erwartenden Rückforderung. Wir verlieren unser Gesicht mit all den daraus sich ergebenden Konsequenzen", warnten die Siemens-Steuerexperten. Insgesamt kassierte Siemens über die Lincas nach eigenen Angaben Berlin-Vorteile in Höhe von 1,4 Milliarden Mark.

Hilmar Kopper war Aufsichtsratschef

Aufsichtsratschef der Lincas GmbH war von 1988 bis 1997 der Ex-Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Hilmar Kopper. Lincas-Papieren zufolge wollte Kopper die Lincas-Beteiligung nach dem Ende der Berlin-Förderung kurzfristig aufgeben. Weil Siemens fürchtete, dies könne den Verdacht der Steuerprüfer auf das Konstrukt werfen, stützte der Münchner Konzern die Lincas zu jener Zeit mit 25 Millionen Mark.

Daraufhin hielt die Deutsche Bank über ihre Tochter die Lincas-Anteile noch bis 2003. Anschließend übernahm Siemens die Firma. Aufgedeckt wurden die inzwischen verjährten mutmaßlichen Subventionsbetrügereien bei den Ermittlungen zum Siemens-Korruptionsskandal. Die Lincas war von Siemens-Bereichen auch als Schwarzgeld-Kasse für Auslandsbestechungen genutzt worden.

Die Deutsche Bank und Kopper wollten sich zur Sache nicht äußern. Siemens teilte mit, man habe den Konzern umfassend reformiert; die Lincas sei heute nicht mehr operativ tätig.



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insgesamt 27 Beiträge
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Seite 1
Emmi 20.11.2010
1. Wollen wir wetten...
Zitat von sysopTarnen, tricksen und kassieren: Siemens soll nach SPIEGEL-Informationen bis in die neunziger Jahre hinein Steuersubventionen in dreistelliger Millionenhöhe erschwindelt haben. Dafür bediente sich das Unternehmen einer Strohfirma. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,730249,00.html
Wollen wir wetten, dass deswegen niemdand zur Rechenschaft gezogen wird und Siemens keinen Pfennig/Cent zurückzahlen muss? Alles verjährt...
altruist 20.11.2010
2. Nebelkerzen
da wird wieder eine sau durchs dorf getrieben. was regen wir uns auf es ist alles verjährt. mehr als die hälfte des konzerns arbeitet schon im ausland.wer will siemens hier an den karren fahren?dann geht der konzern mit dem rest auch noch ins ausland und deutschland-bund, land, kommunen,arbeitnehmer,gewerkschaften-haben das nachsehen! bei siemens war man immer cleverer-vergessen? krieg in afghanistan,gleiche entlohnung mann/frau,steuerrform... sind wichtiger,viel wichtiger
kdshp 20.11.2010
3. NEUwahlen jetzt
Zitat von sysopTarnen, tricksen und kassieren: Siemens soll nach SPIEGEL-Informationen bis in die neunziger Jahre hinein Steuersubventionen in dreistelliger Millionenhöhe erschwindelt haben. Dafür bediente sich das Unternehmen einer Strohfirma. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,730249,00.html
Hallo, ja und hier sollte ein hohes busgeld verhängt werrden an siemens UND die deutsche bank PLUS die rückzahlung der erschlichenen staatlichen leistungen inklusive zinsen natürlich.
Benjowi 20.11.2010
4. Bananenrepublik oder schlimmer
Tolle "Vorbilder" - unsere ach so ehrenwerten "Eliten"!
weltoffener_realist 20.11.2010
5. Gut erkannt
Zitat von EmmiWollen wir wetten, dass deswegen niemdand zur Rechenschaft gezogen wird und Siemens keinen Pfennig/Cent zurückzahlen muss? Alles verjährt...
Sehr scharfsinnig, was soll aus der im Artikel genannten Verjährung denn anderes folgen?
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