Verdacht auf Steuerhinterziehung: Staatsanwälte ermitteln gegen Gas-Händler

Eine Handelsgesellschaft für Gas soll von Deutschland aus gesteuert worden sein, ohne Steuern zu bezahlen. Dem Fiskus sollen so laut einem Zeitungsbericht 600 Millionen Euro entgangen sein. Zu den Kunden des Unternehmens soll auch der russische Konzern Gazprom gehört haben.

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Russischer Gasmarkt: Ermittlungen gegen Handelsgesellschaft

Frankfurt am Main - Die Generalstaatsanwaltschaft in Frankfurt am Main ermittelt wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung bei Geschäften im russischen Energiesektor. Eine Handelsgesellschaft für Gas soll von Frankfurt am Main aus gesteuert worden sein, aber keine Steuern entrichtet haben. 600 Millionen Euro seien dem deutschen Fiskus dadurch entgangen, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Alle zwölf Verdächtigen aus Deutschland, Russland und Zypern streiten dem Bericht zufolge die Vorwürfe ab.

Informationen der Zeitung zufolge handelt es sich bei einigen der Beschuldigten um Unternehmer und Betreiber von Gas-Gesellschaften des russischen Markts. Sie sollen Anteile an ihren Firmen über die Handelsgesellschaft in Zypern veräußert haben. Bei den Transaktionen sei ein Gewinn von 1,5 Milliarden Euro gemacht worden.

Ein Teil der Gesellschaft in Zypern - die Insel gilt als Steuerparadies - befinde sich in deutschem Besitz und ein deutscher Geschäftsmann habe dort ein Amt inne. Deswegen, so der Bericht, gingen die Fahnder davon aus, dass die Geschäfte aus Deutschland gelenkt worden seien - und dass auf den Milliardengewinn Körperschaftsteuer und Solidaritätszuschlag hätten gezahlt werden müssen.

Einer der Käufer soll der Erdgas-Konzern Gazprom gewesen sein, 500 Millionen Euro soll der Konzern gezahlt haben. Gegen den russischen Gas-Riesen werde aber nicht ermittelt, dem Unternehmen werde auch nichts vorgeworfen. Gazprom beliefert die deutschen Energieunternehmen E.on und RWE. Zudem ist Gazprom Sponsor des Fußballbundesligisten Schalke 04.

RWE und E.on schreiben im Gashandel zum Teil hohe Verluste, da sie auf alten Langfristverträgen sitzen. In diesen sind die Preise an den hohen Ölpreis gebunden. Die eigenen Kunden wollen jedoch nur noch die inzwischen wegen des Überangebots an Gas gefallenen Spotmarktpreise berappen. Die Folge: Die deutsche Konzerne verkaufen Gas zu deutlich günstigeren Preisen, als sie selbst bezahlen. Wegen der fehlenden Einigung auf neue Verträge laufen bereits Schiedsverfahren.

ulz/dapd/Reuters

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