Brüssel - Die EU-Kommission geht gegen Europas Großbanken vor: Wie das "Wall Street Journal" berichtet, haben Ermittler der Behörde Dokumente zahlreicher Institute beschlagnahmt. Die genaue Anzahl der betroffenen Finanzinstitute sei noch unklar, schreibt die Zeitung und beruft sich auf namentlich nicht genannte Personen, die mit den Ermittlungen vertraut seien.
Die Banken wurden demnach am Dienstag durchsucht. Die EU-Ermittler gehen laut "Wall Street Journal" dem Verdacht nach, dass die Finanzhäuser möglicherweise versucht haben, den Euribor-Zinssatz zu ihren Gunsten zu manipulieren. Am Vormittag bestätigte die EU-Kommission die Razzien. Namen der betroffenen Unternehmen oder Länder nannte die Behörde nicht.
Beim Euribor (European Interbank Offered Rate) handelt es sich um den Zinssatz, den europäische Banken untereinander beim Handel von Einlagen mit einer festgelegten Laufzeit von einer Woche bis zwölf Monate verlangen. Er ist einer der wichtigsten Referenzzinssätze. So werden die Euribor-Werte unter anderem als Berechnungsgrundlage für andere Finanzprodukte wie etwa Swaps oder Futures genutzt.
Banker geben sich gelassen
Ermittler der Europäischen Kommission können bei einem Verdacht auf Verstöße gegen den freien Wettbewerb Firmengebäude durchsuchen und Dokumente beschlagnahmen. Mit den aktuellen Durchsuchungen will sich die Kommission offenbar ein Bild davon machen, wie der Euribor genau funktioniert.
Die Betroffenen spielten die Bedeutung der Razzia herunter: "Ich fürchte mich nicht vor der Untersuchung", sagte Cedric Quemener vom Euribor EBF der Zeitung. Quemers Organisation ist für den Zinssatz zuständig. Dieser beruhe auf den Informationen von so vielen Banken, dass er schwer zu manipulieren sei, sagte der Manager.
Auch bei den betroffenen Banken bemüht man sich um Gelassenheit: "Das war eher ein Besuch als eine Razzia", sagte der Manager einer Bank in London, bei der die Ermittler am Dienstag unangemeldet auftauchten.
cte/Reuters
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