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Verkehrsboom in China: Bahnstrategen träumen von Blitzzug Shanghai-Berlin

Von Joachim Hoelzgen

Die schnellsten Hochgeschwindigkeitszüge der Welt jagen in China dahin. Die großen Inland-Fluggesellschaften können mit ihnen kaum noch konkurrieren, mancherorts verlieren sie die Hälfte ihrer Passagiere. Und schon denken die Bahn-Strategen an mehr: eine Trasse ins Herz Mitteleuropas.

Boom ohne Ende: Rasende Lindwürmer bedrohen Chinas Luftlinien Fotos
DPA

Chinesische Züge sind das Modernste, was die Bahntechnik zu bieten hat: In nur drei Stunden brausen die Eisenbahn-Boliden von Kanton am Perlfluss nordwärts nach Wuhan, der Verkehrsdrehscheibe und Metropole Mittelchinas. Dabei beträgt die Fahrtstrecke 1069 Kilometer. Mit einem Durchschnittstempo von 350 Stundenkilometern rasen die bulligen Geschosse an Ententeichen und Reisfeldern vorbei, bis sie schließlich die Seenplatte erreichen, die Wuhan am großen Yangtze-Fluss umgibt.

China lasse den Rest der Welt nun auch auf dem Feld der Superzüge hinter sich, lautete der Tenor einer Meldung von Xinhua, der amtlichen Nachrichtenagentur, als die Schnellfahrttrasse am 26. Dezember vergangenen Jahres in Betrieb genommen wurde. Und damit es daran keine Zweifel gibt, stellte Xinhua dem Bericht zwei Vergleiche voran, die das Hinterherhinken der internationalen Konkurrenz markieren sollten: Demnach bringe es Japan mit dem Superzug Shinkansen nur auf eine Durchschnittsgeschwindigkeit von schlappen 243 Stundendenkilometern, während Deutschland mit den ICE-Schnellzügen und 232 Stundenkilometern Durchschnittstempo noch langsamer durch die Lande fahre, so Xinhua.

In atemberaubendem Tempo verlegen die Ingenieure der Volksrepublik immer neue Trassen, gleichzeitig schrauben sie das Tempo der Schienenflitzer immer weiter in die Höhe. Derzeit wird die Paraderoute Shanghai- Peking ausgebaut - für dann 380 Stundenkilometer schnelle Züge. Eine neue Strecke wird Peking mit Wuhan verknüpfen, und im Bau befindet sich auch eine Schnellfahrttrasse zwischen Hongkong und Chengdu, einem Zentrum der chinesischen IT-Industrie mit Filialen von Intel Chart zeigen, SAP Chart zeigen und Motorola Chart zeigen in der Provinz Sichuan.

Konkurrenz für die Inland-Fluggesellschaften

Den epochalen Boom verantwortet das Ministerium für Eisenbahnen, das in Peking in einem monolithischen Gebäudeblock waltet. Allein in den kommenden drei Jahren wollen die Strategen 300 Milliarden Dollar in neue Schnellfahrtstrecken investieren. Das viele Geld stammt aus dem gewaltigen Konjunkturprogramm, mit dem die Staatsführung versucht, Chinas Wirtschaft trotz weltweiter Wachstumskrise in Schwung zu halten.

Doch mit der neuen Welt der Superzüge hat auch ein inner-chinesischer Machtkampf begonnen. Denn die Beförderung der Reisenden von Millionenstadt zu Millionenstadt stellt einen riesigen Markt dar, der zwischen den einzelnen Verkehrsträgern hart umkämpft ist. Vor allem die großen Fluggesellschaften China Southern und China Eastern sowie der Staatscarrier Air China Chart zeigen fürchten die Konkurrenz der Blitzzüge.

Das Problem: Die neuen Schienenfahrzeuge sind auf den besonders ertragreichen Strecken zwischen den großen Städten im Einsatz. In Spitzenzeiten, wenn zwei Zugeinheiten zusammen gekoppelt werden, transportieren sie auf einen Schlag 1200 Passagiere. Dagegen wirken die Boeing-737-Maschinen etwa von China Southern zwergenhaft.

So sehr hat der Druck auf die Airlines mittlerweile zugenommen, dass Luftfahrtanalysten in Peking schon Zusammenschlüsse der Luftlinien erwarten. Vorneweg rechnen sie mit einer Fusion von China Southern, das sein Hauptquartier in Kanton hat, mit dem Konkurrenten China Eastern in Shanghai. Die beiden Fluggesellschaften befördern die Hälfte aller Flugreisenden Chinas.

Im ganzen Land entsteht ein gigantisches Schienennetz

Das Unheil für die Luftfahrtbranche zeichnete sich zunächst in Mittelchina ab. Dort ist am 6. Februar eine Trasse für Züge des 350-Stundenkilometer-Kalibers freigegeben worden, die von Zhengzhou nach Xi'an führt, dem einstigen Ausgangspunkt der Seidenstraße. Die Sieben-Millionen-Stadt Xi'an ist ein Mekka der China-Touristen. Sie brechen von hier aus zu der berühmten Terrakotta-Armee auf, die der erste Kaiser von China im dritten Jahrhundert vor Christus modellieren ließ.

Die Reaktion auf die schnelle Strecke folgte prompt: Nur wenige Wochen später, am 25. März, wurden alle Flüge auf der Touristen-Route eingestellt, berichtet "Aviation Week & Space Technology", das US-Luftfahrtmagazin.

Kritisch sieht es für die Fluggesellschaften auch auf der Verbindung zwischen Shanghai und Wuhan aus, obwohl auf der 1200 Kilometer langen Strecke derzeit nur 250 Stundenkilometer schnelle Expresszüge verkehren. Gleichwohl hat hier China Southern fast ein Drittel des früheren Passagieraufkommens eingebüßt.

Und das Netz der Trassen, über das die Superzüge brausen, wird immer noch weiter gespannt. Bis 2020 sollen die gedrungenen Sprinter wie auf einem riesenhaften Schnittmusterbogen dahinrasen, mit Längsachsen und Querspangen in alle Himmelsrichtungen - von Süd- und Mittelchina bis nach Harbin im Nordosten und Lanzhou im Westen, hinter dem die großen Wüsten Chinas beginnen.

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1. Der Vergleich hinkt ...
olli08 08.07.2010
Die Prahlerei der Chinesen mit ihren hohen Durchschnittsgeschwindigkeiten lässt außer acht, auf welche Weise die dafür nötigen Trassen zustande kommen. Mit dem Lineal eine Linie auf der Landkarte zu ziehen und alles was darunter liegt gnadenlos zu enteignen, das funktioniert in Europa - glücklicherweise - nicht! Spätestens an den Grenzen der EU wird auch der schnellste Chinesische Zug ins Stottern kommen.
2. .
SchneiderG 08.07.2010
Zitat von sysopDie schnellsten Hochgeschwindigkeitszüge der Welt jagen in China dahin. Die großen Inland-Fluggesellschaften können mit ihnen kaum noch konkurrieren, mancherorts verlieren sie die Hälfte ihrer Passagiere. Und schon denken die Bahn-Strategen an mehr: eine Trasse ins Herz Mitteleuropas. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,704782,00.html
Nachfolgende Aussage in Bezug auf Zentral-Chinesische Lokalitäten: Die Züge sind schnell, aber die Zubringerstraßen zu den Bahnhöfen sind noch äußerst besch.... eiden (Anfahrtszeiten bis zu 2 Stunden) und die Lage der Bahnhöfe somit z.T. irgendwo im Nirwana. Bei Ankunft Taxi-Korruption ohne Ende und ohne staatliche Konrtrolle, Bustransporte minimalistisch und zum Teil Schrottbusse, da es keine Citybusse sind. Erinnert mich an den Maglev in Shanghai in der Anfangszeit, Endstation in Pudong an einer Stelle wo kein Mensch hin will. Rolltreppe abgeschaltet um Strom zu Sparen, Inernationale Passagier mußten mit Gepäck 3 Etagen runter zur U-Bahnstation, und dort ... alles auf Chinesisch! Taxi-Fahrten-MINDEST-Preis RMB 200, Distanz egal. Änderungen / Verbesserungen erfolgten extrem langsam und erst nach massiver Kritik durch ausländische Gäste. Ich bin wieder im Flugzeug und spar viel Zeit und zum Teil Geld da die Flugpreise deutlich runter sind.
3. Sehe ich auch so.....
Realo, 08.07.2010
Zitat von olli08Die Prahlerei der Chinesen mit ihren hohen Durchschnittsgeschwindigkeiten lässt außer acht, auf welche Weise die dafür nötigen Trassen zustande kommen. Mit dem Lineal eine Linie auf der Landkarte zu ziehen und alles was darunter liegt gnadenlos zu enteignen, das funktioniert in Europa - glücklicherweise - nicht! Spätestens an den Grenzen der EU wird auch der schnellste Chinesische Zug ins Stottern kommen.
....wie lange dauert in Deutschland ein Planfeststellungsverfahren ? Shanhai-Berlin wird NIE kommen. Außerdem kann das auch ganz schnell in die Hose gehen, Schienen sind nun mal noch viel anfälliger für terroristische Angriffe (siehe Indien) als Flugzeuge.
4. .
markus_wienken 08.07.2010
Zitat von sysopDie schnellsten Hochgeschwindigkeitszüge der Welt jagen in China dahin. Die großen Inland-Fluggesellschaften können mit ihnen kaum noch konkurrieren, mancherorts verlieren sie die Hälfte ihrer Passagiere. Und schon denken die Bahn-Strategen an mehr: eine Trasse ins Herz Mitteleuropas. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,704782,00.html
Sollte es wirklich mal eine Verbindung Deutschland --> China mit dem Zug geben, wäre ich wohl einer der ersten die sich ein Ticket kaufen würden. Aber aufgrund der mächtigen Bürokratie in Europa im allgemeinen und in Deutschland im speziellen sehe ich da leider ersteinmal schwarz... :-(
5. neuteusch
Satiro, 08.07.2010
Zitat von olli08Die Prahlerei der Chinesen mit ihren hohen Durchschnittsgeschwindigkeiten lässt außer acht, auf welche Weise die dafür nötigen Trassen zustande kommen. Mit dem Lineal eine Linie auf der Landkarte zu ziehen und alles was darunter liegt gnadenlos zu enteignen, das funktioniert in Europa - glücklicherweise - nicht! Spätestens an den Grenzen der EU wird auch der schnellste Chinesische Zug ins Stottern kommen.
in Deutschland wird seit mehr als 30 Jahren eine dringend benötigte südliche Umgehungsautobahn für die Ruhrregion geplant: die DÜ- BO - DO welche den “Ruhrschleichweg “ (A40- B1) entlasten soll. Eine Transrapid- Verbindung zwischen Bonn und Berlin hätte die Fahrzeit zwischen der alten und der neuen Bundeshauptstadt auf 1,5 Stunden reduziert und damit den Umzug einiger der uns regierenden Sesselfurzer unnötig gemacht. Dass solche unter vielen Aspekten sinnvollen Projekte in diesem Land nicht mehr verwirklicht werden können, liegt m.E nicht daran, dass dafür kein Geld vorhanden wäre sondern an der neuteutschen, grünen ÖKO-Mentalität, die sich auch in obigem Beitrag manifestiert.
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