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Verluste durch Flugverbot: EU erleichtert Hilfen für notleidende Airlines

Das Flugverbot verursacht horrende Kosten: Eine Milliarde Euro verlieren die deutschen Unternehmen am Tag, schätzt die Industrie. Die Aktien der Fluglinien schmieren ab - jetzt kündigt die EU an, Notfallhilfen zu erleichtern.

dpa

Berlin/Frankfurt am Main - Jetzt eilt Brüssel den vom Flugverbot betroffenen Fluggesellschaften zu Hilfe: Wegen der Millionenverluste der Airlines will die EU-Kommission staatliche Finanzspritzen erleichtern. "Wir sind bereit, ähnlich zu reagieren wie nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001", sagte EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia am Montag in einer Rede beim European Policy Centre (EPC) in Brüssel.

Die Kommission beabsichtigt nun, Regeln neu zu definieren. Innerhalb der Grenzen dürften die Staaten ihren Airlines dann Hilfen gewähren, ohne dass sie jeweils einzeln und in einem langwierigen Verfahren genehmigt werden müssten.

Nach Ansicht des Branchenverbands AEA droht einigen europäischen Fluggesellschaften wegen des Flugverbots das Aus. In ein bis zwei Wochen würden einige der etwa 100 bis 150 Airlines in Europa pleite sein, erklärte der Verband gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Ein Aussetzen des Betriebs für fünf bis zehn Tage sei für einige Gesellschaften nicht verkraftbar.

40 Prozent des internationalen Handels werden per Luftfracht abgewickelt

Erstmals wurden nun auch die volkswirtschaftlichen Kosten der Flugausfälle in Deutschland quantifiziert - und die Zahlen sind dramatisch: Mit einer Milliarde Euro Umsatzausfall pro Tag belastet die Sperrung des Flugraums die Wirtschaft nach Schätzung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Wegen des Flugausfalls können Fluggesellschaften, Flughafenbetreiber, Tourismusunternehmen und Teile der Industrie keine Geschäfte im gewohnten Umfang machen, sagte DIHK-Chefvolkswirt Volker Treier am Montag.

Per Flugzeug werden Ersatzteile für Maschinen und Anlagen deutscher Hersteller transportiert. Auch viele Medikamente werden per Luftfracht geliefert. "Dringliche, verderbliche oder höherwertige Ware" könne, so Treier, nicht einfach per Lkw oder Schiff statt mit dem Flugzeug zum Kunden gebracht werden.

Wertmäßig 35 bis 40 Prozent des internationalen Handels würden per Luftfracht abgewickelt. Auf den stark exportabhängigen deutschen Handel bezogen, der 1000 Milliarden Euro im Jahr ausmache, bedeute dies 350 Milliarden Euro - pro Tag also rund eine Milliarde Euro. Zwar gebe es auch "kompensierende Faktoren", und viele Geschäfte könnten nachgeholt werden, "aber nicht zu hundert Prozent". Die Auswirkungen des Flugverbotes würden, je länger es andauere, "desto schlimmer".

Der DIHK-Chefvolkswirt forderte, die Nachtflugverbote in Deutschland für einen begrenzten Zeitraum aufzuheben, sobald der Luftverkehr wieder freigegeben ist. "Wir haben zwei Wochen ins Gespräch gebracht." In dieser Zeit könnten Urlauber nach Hause geholt und aufgeschobene Warentransporte nachgeholt werden.

Auch Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) befürchtet wirtschaftliche Auswirkungen in "erheblichem Ausmaß". "Wenn in der globalisierten Wirtschaft Wertschöpfungsketten über einen längeren Zeitrum unterbrochen werden, kommen wir in eine ernste Lage, denn viele unserer Industriezweige hängen vom Transport mit Flugzeugen ab", sagte der Minister in Berlin. Er habe daher Industrievertreter ins Ministerium eingeladen. "Wir werden gemeinsam diskutieren, wie man schwerwiegende Auswirkungen vermeiden kann."

Luftfahrtaktien schmieren an der Börse ab

An der Börse drücken die anhaltenden Flugausfälle weiter auf die Aktienkurse der europäischen Luftfahrtunternehmen. Viele Anleger trennten sich am Montag von den Titeln. Die Kursverluste der Airlines lagen am Mittag im Schnitt zwischen 3,5 und 4,5 Prozent. Besonders hart erwischte es die Lufthansa Chart zeigen und den Billigflieger Air Berlin Chart zeigen, die Papiere beider Unternehmen gaben um rund fünf Prozent nach.

Laut einer Studie der Schweizer Großbank UBS belaufen sich die täglichen Umsatzverluste der sechs großen europäischen Fluggesellschaften Easyjet, Ryanair Chart zeigen, British Airways Chart zeigen, Iberia Chart zeigen, Air France-KLM Chart zeigen und Lufthansa auf zusammen bis zu 140 Millionen Euro. Der europäische Branchenindex für Transport und Logistik gab um 1,9 Prozent nach und damit deutlich stärker als der Gesamtmarkt.

BMW befürchtet Probleme in der Produktion

Das Flugverbot zeigt auch erste Auswirkungen auf die Logistik großer deutscher Industrieunternehmen. So können beim Autobauer BMW Chart zeigen derzeit wichtige Komponenten wie Getriebe nicht in die USA transportiert werden, wie ein Sprecher am Montag in München sagte. Zwar laufe die Produktion in allen Werken derzeit regulär weiter, wenn der Flugstopp aber noch zwei Tage weitergehe, könnte es kritisch werden. "Im schlimmsten Fall droht ein Bandstillstand", sagte der Sprecher.

Eine derartige Beeinträchtigung des Lufttransports sei auch für BMW ein Novum. Man suche nach Alternativen, um die Logistikkette aufrechtzuerhalten. "Alle hangeln sich von Flugverbot zu Flugverbot", sagte der Sprecher. Per Luftfracht werde bei BMW insgesamt nur ein sehr kleiner, zeitkritischer Teil der Fahrzeug-Komponenten transportiert.

jok/AFP/Reuters/ddp/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 93 Beiträge
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1. Notleidend!
Arrakis 19.04.2010
Letztes Jahr waren es die *notleidenden Banken*, jetzt sind es die *notleidenden Airlines*. Welcher Wirtschaftszweig kommt als nächstes und wer kümmert sich niemand um die armen Teufel, die wirklich Not leiden? Nach meiner Erfahrung braucht man Kraft, um so laut zu schreien und wer Not leidet, hat im allgemeinen keine Kraft mehr. Die Verzerrung und Verklärung der Realität wird immer unerträglicher.
2. Hoppla
NaIschWaasNet 19.04.2010
Auf Island pupst die Kugel und die Auswirkungen sind derart dramatisch, daß man fast wieder an eine Verbesserung der Gesamtlage glauben kann. Mal überlegen: Allein der nichtverbrauchte Sprit. Weniger Luftverschmutzung also weniger CO2. Weniger Lärm. Weniger Flugzeugabstürze! Bereinigung einiger Branchen. Bitte nicht schlagen, wenn alle wieder zuhause sind werden wir merken, das das so schlimm nicht ist, oder? Gibts keinen frischen Hummer mehr zum Frühstück. Naa Isch Waas Net!?
3. Eigenartig
mitwisser, 19.04.2010
Zitat von sysopDas Flugverbot verursacht horrende Kosten: Eine Milliarde Euro verlieren die deutschen Unternehmen am Tag, schätzt die Industrie. Die Aktien der Fluglinien schmieren ab - jetzt kündigt die EU an, Notfallhilfen zu erleichtern. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,689779,00.html
Ist schon eigenartig, der Luftraum über Europa ist praktisch dicht aber es findet ein großes Manöver mit Flugzeugen im Norden Europas statt. Und Frau Merkel mußte 1700 km mit dem Auto fahren? Warum nahm sie nicht einen Helikopter? Was geht da denn vor sich?
4. Mrd
NaIschWaasNet 19.04.2010
Au jah! Laßt uns schnell den Airlines ein paar Milliarden hinterherwerfen. Sonst ist noch was für die nächsten Geldhäuser über.
5. Supi!
fc-herrenturnverein 19.04.2010
Zitat von sysopDas Flugverbot verursacht horrende Kosten: Eine Milliarde Euro verlieren die deutschen Unternehmen am Tag, schätzt die Industrie. Die Aktien der Fluglinien schmieren ab - jetzt kündigt die EU an, Notfallhilfen zu erleichtern. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,689779,00.html
Ich wusste es schon immer. Der Staat fungiert also doch wie eine verdebilisierte Versicherung, die freiwillig auch bei höherer Gewalt wie z.B. Terrorismus, Finanzkrise, Vulkanausbrüchen, usw. zahlt - und zwar nur für Unternehmen, die besonders laut und professionell jammern bzw. eine starke Lobby bezahlen können. Und das alles funktioniert ganz ohne, dass die subventionierten Unternehmen jemals eine Versicherungsprämie zu zahlen hätten ... Naja. Alle die nun lobbyistisch geschickt vorgehen können bekommen nun eine Subvention zur Gesundung, die unter Umständen sogar mögliche Verluste in weit höhere Profite, als im normalen Geschäft erreichbar, wandelt. Ein Hoch auf den Vulkan, der das Geschäft doch so erleichtert. Weil professionell jammern und hintenrum schieben, ist doch einfacher als Flugtickets verkaufen und fliegen (was das kostet!). Das ist gutes Management. Ich gehe mal schnell und kaufe mir Lufthansa-Aktien ...
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