Gescheiterter Bats-Börsengang: Dubioser Totalabsturz in 900 Millisekunden
Der US-Börsenbetreiber Bats feiert sich als schnelle Alternative zu Schwergewichten wie NYSE Euronext. Doch den eigenen Sprung aufs Parkett verpatzte die Firma grandios: Innerhalb kürzester Zeit stürzte der Kurs ins Bodenlose. Jetzt unken Experten über eine gezielte Sabotage.
Hamburg - So etwas Peinliches geschieht selten: Der Börsenbetreiber Bats lobt sich selbst als die beste Wahl unter den elektronischen Aktienhändlern. Bats ist die Abkürzung für "Better Alternative Trading System" - besseres alternatives Handelssystem. Bats eigener Börsengang am vergangenen Freitag aber, auf dem unternehmenseigenen System, scheiterte grandios: Innerhalb weniger Sekunden fiel der Aktienkurs von mehr als 15 Dollar auf weniger als einen Cent - und der Vorstandschef musste den Börsengang auf Druck der Aktionäre umgehend rückgängig machen.
Die Frage ist nun: War es eine Panne der eigenen Software oder gezielte Sabotage durch die Konkurrenz?
Bats hat mit seiner Konzentration auf leistungsstarke schnelle Computersysteme und schlanken Strukturen den großen Börsenbetreibern NYSE Euronext
und Nasdaq Composite
in den vergangenen Jahren viele Kunden abgejagt und sich als drittgrößter Spieler auf dem US-Markt etabliert. Das Bats-Handelssystem, ist zugeschnitten auf die Systeme der Hochfrequenzhändler, deren Computer in Bruchteilen von Sekunden massenhaft Handelsaufträge ausführen können.
Totalverlust in weniger als einer Sekunde
Zum Handelsbeginn der Bats-Aktie um 10:45 Uhr lag der Kurs mit 15,25 Dollar zwar leicht unter dem Ausgabepreis von 16 Dollar. Das wäre aber noch kein Grund gewesen, die Feier zum Börsengang abzusagen. Dann aber folgte ein beispielloser Absturz: Um 11:15 Uhr begann der Kurs der Bats-Aktie unaufhörlich zu fallen bis auf unter einen Cent. Bemerkenswert daran sind zwei Dinge: Der Aktienkurs stürzte in einer fast exakten 45-Grad-Linie ab und erreichte den Tiefstand in gerade einmal 900 Millisekunden.
Zunächst erntete Bats Spott und Häme von den etablierten Börsenbetreibern, viele Händler und Aufseher äußerten aber auch ihre Sorge über die unkalkulierbaren Effekte des sogenannten Hochfrequenzhandels. Seitdem der Dow Jones
-Jones-Index im Mai 2010 binnen Minuten um mehr als 1000 Punkte abstürzte und rund 1000 Milliarden Dollar Kapital vernichtete, gibt es immer wieder Warnungen vor computergestützten Handelssystemen, die durch Software-Fehler solche "Flash-Crashs" verursachen können.
Die US-amerikanische Börsenaufsicht SEC hat von Bats bereits Informationen über die Zusammenarbeit mit Hochfrequenzhändlern eingefordert - auch das Desaster vom vergangenen Freitag will die SEC unter die Lupe nehmen.
"Offener SkyNet-Krieg"
Der Datendienstleister Nanex hat den Absturz der Bats-Aktie schon jetzt genauer untersucht - und kommt zu dem Schluss, dass ein eigens programmierter Algorithmus den Aktienkurs von Bats gezielt manipulierte. In der Analyse spricht Nanex von "hochgenauen und präzise erneuerten Angebotskursen eines hochentwickelten Algorithmus, der programmiert war, den Kurs von Bats auf null zu bringen."
Hinter der Attacke müsse jemand stehen, dessen Computer direkt mit der elektronischen Börse Nasdaq verbunden sind, da es sich um eine besondere Auftragsvariante, sogenannte Intermarket Sweep Orders, handelte. Mit anderen Worten: Es riecht nach Sabotage.
Das in der Finanzbranche viel gelesene Blog "Zero Hedge" hat die Daten veröffentlicht und spekuliert darüber, dass die großen Konkurrenten Nasdaq OMX und NYSE Euronext hinter dem Angriff stecken könnten. Das Blog spricht sogar von einem offenen "SkyNet-Krieg" der Börsenbetreiber - eine Anspielung auf das bösartige Computerprogramm aus den "Terminator"-Filmen.
"Das war peinlich"
Gegen die Verschwörungstheorie spricht allerdings das Schuldeingeständnis von Bats-Chef Joe Ratterman: "Das war peinlich" sagte der CEO "Wir fühlen uns schrecklich".
Kurz darauf entzog das Unternehmen Ratterman den Vorsitz des Verwaltungsrats. Die Konsequenzen des Blitzcrash vom vergangenen Freitag könnten für Bats dramatisch sein: Wer will schon auf einem "besseren alternativen Handelssystem" arbeiten, das nicht mal den eigenen Börsengang fehlerfrei über die Bühne bekommt?
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