Verschwörungstheorien in der Wirtschaft: Der Mafia-Mozzarella

Pssst! haben Sie es schon gewusst? In kaum einem anderen Lebensbereich kursieren so viele Verschwörungstheorien wie in der Wirtschaft. SPIEGEL ONLINE stellt die wichtigsten vor. Diesmal: Wie die italienische Mafia die beliebte Mittelmeerkost verdorben hat.

Büffel-Mozzarella: Umsatz der Agro-Mafia liegt bei 12,5 Milliarden Euro im Jahr Zur Großansicht
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Büffel-Mozzarella: Umsatz der Agro-Mafia liegt bei 12,5 Milliarden Euro im Jahr

Die Theorie

Achtung, Warnhinweis! Wer italienisches Essen liebt, sich gar fast ausschließlich davon ernährt, sollte lieber auf der Stelle einen anderen Text auf SPIEGEL ONLINE anklicken. Denn was jetzt kommt, verdirbt den Appetit.

Es geht um die Pizza-Connection, äh, Agro-Mafia in Italien. Kenner des organisierten Verbrechens wollen ausgemacht haben, dass eben dieses seit Jahren die Produkte der vielleicht besten Küche der Welt nach und nach vergiftet. Spaghetti, Pesto, Wein, Olivenöl und selbst die wunderbar knackigen Grissini sollen voller Pestizide stecken, zusammengepanscht oder in irgendeiner anderen Art verunreinigt sein. Mamma mia!

Doch damit nicht genug: Die Agro-Mafia habe schon jetzt Zugriff auf alle Glieder der Nahrungsmittelkette - von der Landwirtschaft bis zur Ankunft der Lebensmittel im Hafen, von der Verpackung bis zur Vermarktung, heißt es. Und natürlich sollen Camorra, 'Ndrangheta und Cosa Nostra und wie sie alle heißen einen Reibach damit machen, dass sie Ramschprodukte als Qualitätsprodukt - als "Fabbricato in Italia" - auf den Markt bringen. Inzwischen soll der Lebensmittelzweig ein Milliardengeschäft für sie sein, raunt einem so mancher Italiener zu.

Was steckt dahinter

Wenn Sie es trotz aller Liebe zu Pizza und Pasta trotzdem bis hierhin geschafft haben, sollten Sie spätestens jetzt Ihre Mittelmeerkost aufgeben. Denn einiges von den Erzählungen und vermeintlichen Hirngespinsten stimmt tatsächlich.

Bekannt ist vielleicht der Skandal ums Olivenöl mit italienischem Herkunftssiegel, das mit ausländischem Billigöl verschnitten wurde. Oder erinnern Sie sich an Giuseppe Mandara von der Käserei Mandara? Er war vor gar nicht langer Zeit festgenommen worden, weil er seinen angeblich reinen Büffel-Mozzarella mit normaler Kuhmilch und Wachstumshormonen zusammengepanscht hatte. Zudem soll er mit der neapolitanischen Camorra zusammengearbeitet haben. Die Mafia stellt mehreren Quellen zufolge ohnehin in großem Umfang Mozzarella in Rumänien her, um ihn als italienisches Produkt zu verkaufen. Im Bresaola-Schinken wurde Rindfleisch aus Uruguay entdeckt.

Andererseits: Eine Untersuchung des Landwirtschaftsverbands Coldiretti hat ergeben, dass der jährliche Umsatz der Agro-Mafia inzwischen bei 12,5 Milliarden Euro liegt. Gemessen am geschätzten Gesamtumsatz des organisierten Verbrechens von mehreren hundert Milliarden Euro ist das natürlich eine verschwindend geringe Summe. Auch Beweise dafür, dass die Mafia den größten Teil des Lebensmittelmarkts beherrscht, flächendeckend die Preise in die Höhe treibt und das Essen systematisch vergiftet, gibt es nicht.

Und wenn es doch wahr wäre?

Sicher ist: Das Bild von den schönen Armani-Gucci-Dolce-Gabbana-Italos wäre alsbald Geschichte. Das Herkunftsland der großartigen Mittelmeerküche bestünde binnen kürzester Zeit aus dicken, aufgeschwemmten Italienern und Italienerinnen. Denn aufgeschreckt durch die furchtbaren Nachrichten über die Agro-Mafia, würden die armen Südländer nur noch zur guten deutschen Hausmannskost mit schwäbischen Spätzle, Eisbein und Bier ("Reinheitsgebot") greifen.

Die deutschen Lebensmittelexporteure dürften sich dennoch nicht zu früh freuen. Zwar würden die Handelsströme aus Deutschland über die Alpen noch mal richtig in Gang kommen, doch der unschöne Nebeneffekt sähe so aus: Die immer wieder von den Südländern kritisierten Ungleichgewichte - eine der größten Sünden der Euro-Krise! - würden sich aufs Furchtbarste verschlimmern. Die Euro-Krise, so viel ist sicher, wäre dann für immer unlösbar - und das trotz der Angleichung deutscher und italienischer Bauchumfänge.

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1. Ich tippe
Tigerseele 07.10.2012
...auch manchmal irgendwas ins Internet rein...
2. Und was ist da neu dran?
egon_kallinski 07.10.2012
Die Mafia ist im 19. Jahrhundert auf den Zitrusplantagen Siziliens entstanden. Siehe: John Dickie: Cosa Nostra, Die Geschichte der Mafia. Ein ziemlich umfangreiches Sachbuch zum Thema.
3.
thelix 07.10.2012
Sorry, aber da kann ich mich meinem Vorredner nur anschließen: Soll das ein Artikel sein?? Wo sind die versprochenen Verschwörungstheorien? Wo wird einem denn - wie im Teaser allzu vollmundig angekündigt - erklärt, "wie die italienische Mafia die beliebte Mittelmeerkost verdorben hat"? Alles, was "enthüllt" wird, sind die zwei (!!!) sattsam bekannten Lebensmittelskandale bzgl. Olivenöl und Mozzarella. Beide wurden überall - auch hier - zu Genüge besprochen. Und daß Fleisch nicht immer dem angegebenen Herstellungsort entstammt, ist ja nun auch nicht gerade etwas neues. SpOn, ein solcher Schrottartikel ist Euer nicht würdig! Ich bin nun weiß Gott keiner dieser ewigen Nörgler, aber das ist der mit großem Abstand belangloseste und überflüssigste Artikel, der in diesem Jahr hier veröffentlicht wurde!
4. Im Hafen von Neapel...
larry 07.10.2012
kann man Tag und Nacht beoabchten, wie der Mehl aus Osteuropa in die EU kommt. Er wird in die gigantischen, offenen Silos von oben rein gepumpt. Im Himmel kreisen alle Vögelarten und bedienen sich, unten am Boden wimmelt es nur so von 20 cm langen Ratten...
5.
#venturi 07.10.2012
Zitat von sysopPssst! haben Sie es schon gewusst? In kaum einem anderen Lebensbereich kursieren so viele Verschwörungstheorien wie in der Wirtschaft. SPIEGEL ONLINE stellt die wichtigsten vor. Diesmal: Wie die italienische Mafia die beliebte Mittelmeerkost verdorben hat. Verschwörungstheorien: Wie die Agro-Mafia die Mittelmerkost verdirbt - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/verschwoerungstheorien-wie-die-agro-mafia-die-mittelmerkost-verdirbt-a-850588.html)
Diese ganzen Verschwörungstheorien kommen nicht von ungefähr; Und in einem System, in welchem Korruption und Geheimhaltung quasi die Basis allen "wirtschaftens" bilden ist auch kaum etwas anderes zu erwarten
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  • Sonntag, 07.10.2012 – 15:14 Uhr
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'Ndrangheta - Die kalabrische Mafia
Macht
Lange Zeit stand die 'Ndrangheta - die kalabrische Mafia - im Schatten der sizilianischen Cosa Nostra. Doch im Zuge der Fahndungserfolge in Sizilien seit Beginn der neunziger Jahre hat sich das Blatt gewendet. Heute gilt die 'Ndrangheta mit einem geschätzten Jahresumsatz von 44 Milliarden Euro als eine der mächtigsten Mafia-Vereinigungen Europas. Weitere kriminelle Organisationen in Süditalien sind die Camorra im Raum Neapel und die Sacra Corona Unita in Apulien.
Wurzeln
Die Wurzeln der Organisation reichen bis ins 19. Jahrhundert. Angeblich leitet sich das Wort 'Ndrangheta vom griechischen "andragathos" ab, was "tapferer Mann" bedeutet. Lange verdienten die "Tapferen" ihr Geld vor allem mit Entführungen und Erpressung. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wanderten führende Köpfe in die USA aus, bauten dort die italo-amerikanische Mafia mit auf.
San Luca
Inoffiziellen Angaben italienischer Ermittler zufolge stehen etwa 10.000 Mann im Dienst der 'Ndrangheta, unterteilt in etwa hundert Familienclans. Die traditionell mächtigsten Familien stammen aus der Hochburg San Luca am Rande des Aspromonte, der schwer zugänglichen Gebirgsregion im äußersten Süden Italiens - die der Organisation seit langem als Rückzugsraum dient.

Die Vendetta von San Luca ist eine Familienfehde, der jetzt offenbar auch die Italiener in Duisburg zum Opfer fielen. Sie geht auf einen Karnevalsscherz am 11. Februar 1991 in San Luca zurück: Nach Angaben italienischer Medien gab es damals einen Streit, der eskalierte; Eier flogen, es kam zu einer Schlägerei zwischen den Familien Strangio-Nirta und Pelle-Romeo. Tage später wurden in einem Hinterhalt zwei junge Männer ermordet. Bis zum 25. Dezember 2006 blieb es jahrelang ruhig, doch dann wurde Maria Strangio, 33, ermordet - seither wird die Familienfehde wieder blutig ausgetragen. Inzwischen hat sie mindestens 26 Menschen das Leben gekostet.

Kalabrien
Wie stark die 'Ndrangheta immer noch ihrer Heimat Kalabrien verbunden ist, beweisen Zahlen aus Italien, nach denen 70 Prozent aller Unternehmer in Kalabrien den verhassten "Pizzo", das Schutzgeld, zahlen sollen. Die restlichen 30 Prozent der Unternehmen und Geschäfte befänden sich direkt in der Hand der Mafia.
Deutschland
Duisburg gelte nach Erkenntnissen des Bundeskriminalamts (BKA) als Stützpunkt der 'Ndrangheta, sagte Mafia-Experte Jürgen Roth der Nachrichtenagentur dpa. Offiziell seien in Deutschland 160 Angehörige der Clans aus der Hochburg San Luca gemeldet. Sie hätten sich im Ruhrgebiet, in Erfurt und in Leipzig angesiedelt. Nach BKA-Erkenntnissen seien Lösegelder aus Entführungen in Deutschland investiert worden. Im Raum Duisburg hätten Clan-Angehörige mehrere Pizzerien und Discotheken eröffnet. Ziel solcher Unternehmen ist in der Regel Geldwäsche. Experten aus Deutschland und Italien sagten übereinstimmend, das Massaker an sechs Italienern in der Ruhrgebietsstadt sei der bisher blutigste Anschlag der italienischen Mafia in Deutschland. Er habe eine "neue Qualität", weil eine Familienfehde (die Vendetta von San Luca) mit einem Mord großer Brutalität auf fremdem Boden ausgetragen werde.

Die Welt
Das Betätigungsfeld ist gewachsen, längst haben die Mafiosi die schwer zugänglichen Bergregionen Kalabriens verlassen und sind in Deutschland, Spanien, Frankreich, Holland und Belgien tätig, außerdem in Kanada, Austalien, den USA und Südamerika. Als Spezialgebiet der 'Ndrangheta nennen Ermittler immer häufiger den Drogen-, vor allem den Kokainhandel. Dort ist sie europäischen Drogenfahndern zufolge mittlerweile eine der mächtigsten Gruppen. Die Organisation soll nach neuen Schätzungen die kolumbianischen Drogenkartelle in den Schatten gestellt haben. Weitere Einnahmequellen: Geldwäsche, Waffenhandel und Erpressungen.
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