Verschwundenes U-Boot "San Juan" Verdacht gegen deutsche Firmen

Mitte November verschwand das argentinische U-Boot "San Juan" im Atlantik, an Bord waren 44 Menschen. Nun rücken laut einem Medienbericht zwei deutsche Firmen in den Fokus.

Argentinisches U-Boot "San Juan" (Archivbild)
REUTERS

Argentinisches U-Boot "San Juan" (Archivbild)


Es war offenbar ein tragisches Unglück, welches das argentinische Marine-U-Boot "San Juan" vor knapp einem Monat verschwinden ließ. In seinem letzten Funkspruch meldete der Kommandant, dass Wasser über das Lüftungssystem in einen Batterietank eingedrungen sei und ein Kurzschluss einen Schwelbrand verursacht habe. Zweieinhalb Stunden danach verzeichneten internationale Meeressonden eine Explosion auf der mutmaßlichen Position des U-Boots. Für die 44 Besatzungsmitglieder gibt es mittlerweile keine Hoffnung mehr.

In Argentinien wird nun nach den Schuldigen des mutmaßlichen Unglücks gesucht - und laut einem Bericht des Bayerischen Rundfunks auf tagesschau.de haben die Ermittler dabei auch zwei deutsche Firmen im Visier.

Dem Bericht zufolge geht es um die Rolle, die diese Firmen bei der Generalüberholung des U-Boots gespielt haben, die 2011 abgeschlossen worden war. Bei dieser Reparatur seien unter anderem die Batterien ausgetauscht worden.

"Es besteht der Verdacht, dass Bestechungsgeld geflossen ist bei der Reparatur der 'San Juan' und dass deutsche Unternehmen involviert waren", zitiert tagesschau.de Cornelia Schmidt-Liermann, die Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des argentinischen Parlaments.

Fehler bei der Reparatur?

Auch der argentinische Verteidigungsminister Oscar Aguad habe Zweifel daran, dass bei der Generalüberholung alles mit rechten Dingen zugegangen sei: "Alle Verdachtsmomente lassen annehmen, dass hier Korruption vorlag", zitiert ihn tagesschau.de. "Und es gibt auch Aussagen, dass die verwendeten Materialien nicht der erforderlichen Qualität entsprechen."

Der Bericht nennt die deutschen Unternehmen Ferrostaal und EnerSys-Hawker mit Sitz in Essen beziehungsweise Hagen. Mit ihnen sei ein Vertrag über die Lieferung von 964 Batteriezellen abgeschlossen worden. Argentinische Politiker seien sicher, dass dabei Schmiergeld geflossen sei.

Und nicht nur das: Schmidt-Liermann prangere auch an, dass nicht dokumentiert worden sei, welche Arbeiten die deutschen Unternehmen genau ausgeführt hätten - und ob sie den Batterietausch selbst überwacht und abgenommen hätten.

"Es besteht der Verdacht, dass die Batterien, die ersetzt worden sind, teilweise oder ganz nicht von der Qualität waren, die sie hätten haben sollen", so Schmidt-Liermann. "Wir wissen auch nicht, woher sie kamen, aus Deutschland oder einem anderen Land. Deswegen wollen wir wissen, welche Techniker vor Ort waren und wer dann unterzeichnet hat: 'Das ist jetzt repariert.'"

Die Bundesregierung wurde laut dem Bericht schriftlich angefragt, ob sie Informationen beisteuern könne. Die Firma Ferrostaal weise jede Verantwortung von sich. Man habe seinerzeit lediglich den Auftrag vermittelt und dafür eine Provision bekommen - inzwischen habe man sich aus solchen Geschäften ganz zurückgezogen. EnerSys-Hawker, der Lieferant der Batteriezellen, habe trotz mehrerer Anfragen bisher nicht Stellung genommen.

stk

Mehr zum Thema


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.