Naturkatastrophen 2017 war das bislang teuerste Jahr für Versicherungen

Hurrikans und Naturkatastrophen haben die Versicherungsbranche im Jahr 2017 weltweit rund 135 Milliarden Dollar gekostet. Der größte Rückversicherer nennt das: "neue Normalität".

Hurrikan "Maria" im September vor Puerto Rico
DPA/ NOAA

Hurrikan "Maria" im September vor Puerto Rico


Die Hurrikanserie in Amerika und andere Naturkatastrophen haben die Versicherer und Rückversicherer 2017 so viel Geld gekostet wie noch nie. Das ergibt sich aus Berechnungen der Münchener Rück. Der größte Rückversicherer der Welt bezifferte die versicherten Schäden aus Naturkatastrophen auf 135 Milliarden Dollar. Diese Summe entspricht in etwa einer Schätzung der Schweizer Rückversicherung Swiss Re kurz vor Weihnachten.

Insgesamt verursachten Stürme, Erdbeben und Überschwemmungen den neuen Berechnungen der Münchener Rück zufolge einen Schaden von 330 Milliarden Dollar. Das ist die zweithöchste seit Beginn der Aufzeichnungen 1970 je registrierte Summe. Die Summen der verursachten Schäden sind höher als die von den Versicherungen zu zahlenden Beträge, weil längst nicht alle Schäden versichert sind.

Das bisher schadenträchtigste Jahr war laut Münchener Rück 2011 mit dem Tsunami und der folgenden Atomkatastrophe im japanischen Fukushima. Sie kosteten - zu heutigen Werten - zusammen 354 Milliarden Dollar.

Man werde sich an derartige Größenordnungen gewöhnen müssen, sagte Münchener-Rück-Klimaexperte Ernst Rauch. "2017 ist kein Ausreißer. Wir haben eine neue Normalität." Der Anstieg gehe vor allem auf Unwetter zurück. "Einerseits, weil es mehr davon gibt, andererseits, weil sie immer größere Schäden anrichten", sagte Geophysiker Rauch. Es gebe immer mehr Menschen, Städte und Werte in gefährdeten Gebieten. "Vor allem bei den schweren Gewittern in Nordamerika und Europa können wir den Einfluss des Klimawandels heute belegen."

Katastrophen kosteten weniger Menschenleben

Die teuerste Naturkatastrophe 2017 war der erste von insgesamt drei verheerenden Wirbelstürmen. "Harvey" richtete allein im US-Bundesstaat Texas rund 85 Milliarden Dollar Schaden an. Für die Versicherer allerdings war "Irma" kostspieliger: Nach dem Sturm mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 300 Kilometern pro Stunde müssen sie 32 Milliarden Dollar an ihre Kunden auszahlen.

Im Schnitt sind etwa nur gut ein Viertel aller Schäden versichert. Bei den Katastrophen 2017 war der Anteil ungewöhnlich hoch: 41 Prozent des Gesamtschadens mussten die Versicherer laut Münchener Rück begleichen, weil die Hurrikane nicht etwa in Asien und Afrika wüteten, wo weniger Menschen Versicherungen abgeschlossen haben.

"100 Prozent Abdeckung werden wir nie erreichen", sagte Rauch. Auch Staaten sicherten die öffentliche Infrastruktur kaum über Versicherer gegen Katastrophen ab. "Aber eine deutliche Steigerung ist durchaus möglich." Ersten Erkenntnissen aus der Branche zufolge führte das Katastrophenjahr bislang auch nicht zu kräftigen Preissteigerungen. "Es ist viel Kapital im Markt", sagte Rauch. "Das zeigt nur, dass Versicherungsschutz gegen Naturkatastrophen längst nicht knapp ist."

Mit 10.000 Toten forderten Erdbeben, Stürme und Fluten 2017 dagegen deutlich weniger Opfer als im langjährigen Durchschnitt. "Die Opferzahlen sind seit 20 bis 30 Jahren rückläufig - von Ausnahmen wie dem Tsunami 2004 abgesehen", sagte Rauch. So kosteten etwa die regelmäßigen Überschwemmungen in Bangladesch heute viel weniger Menschenleben als früher. Das liege daran, dass sich inzwischen auch Entwicklungsländer und internationale Organisationen um die Prävention von Schäden kümmerten - von Frühwarnsystemen für die Bevölkerung bis zu einer veränderten Bauweise von Häusern. "Das ist eine Erfolgsgeschichte."

Finanziell betrachtet ist der Anstieg der Schäden laut Daten der Münchner Rück dagegen deutlich: Erst 2005 hatten die Versicherer erstmals mehr als 50 Milliarden Dollar für Naturkatastrophen ausgegeben. Seither waren es bereits zum dritten Mal mehr als 100 Milliarden.

apr/Reuters/dpa



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