Vorbild Schweiz Bund arbeitet an neuem Fahrplan-Modell für die Bahn

Schlechte Anschlussverbindungen bei der Bahn sorgen bei Fahrgästen für Verärgerung. Im Herbst soll nun ein Konzept für einen "Musterfahrplan" vorgestellt werden. Doch die Umsetzung ist aufwändig und dauert.

Baustelle bei der Bahn (2017)
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Baustelle bei der Bahn (2017)


Unpünktliche Züge und verpasste Anschlussverbindungen sind eines der größten Ärgernisse für Bahnkunden. Das Problem hatte sich zuletzt verschärft. Die Regierung arbeitet an einer langfristigen Lösung - dem sogenannten "Taktfahrplan". "Das Konzept wollen wir im Herbst vorstellen. Dann haben wir einen Musterfahrplan für die Bahn im ganzen Land", sagte Verkehrs-Staatssekretär Enak Ferlemann der "Welt". Auch mit Nachbarn wie Dänemark und den Niederlanden laufe die Abstimmung.

Reisen mit der Bahn soll mit dem neuen Fahrplan-Modell einfacher und schneller werden. Das Prinzip: An wichtigen Umsteigestationen treffen Züge ungefähr gleichzeitig ein und fahren kurz darauf wieder ab. Lange Umsteigezeiten von einer halben Stunde und mehr soll es dann nicht mehr geben.

Mindestens acht bis zwölf Millionen Stunden Reisezeit im Jahr könnten nach einer Studie im Auftrag des Verkehrsministeriums gespart werden, wenn Zugverbindungen besser getaktet wären. "Schnelle Verbindungen mit reibungslosem Umsteigen zwischen Fern- und Nahverkehr machen Bahnfahren attraktiv", sagte Ferlemann.

Doch auch wenn bis Herbst ein Konzept vorliegt: Die Einführung einer solchen Taktung ist ein mehrjähriger Prozess und nur dann realistisch, wenn sie sich auch wirtschaftlich rechnet und daraus keine Behinderungen für den Güterverkehr entstehen, räumen die Planer ein. Mitunter ist auch der Ausbau von Bahnhöfen und anderer Infrastruktur nötig.

Die Schweiz als Vorbild

Über einen "Deutschland-Takt" wird seit Jahren diskutiert. Vorbild ist die Schweiz, wo seit Jahrzehnten ein Taktfahrplan gilt. Verbände wie der Verkehrsclub Deutschland und der Fahrgastverband Pro Bahn sehen einen Beitrag zu einer ökologischen Verkehrswende, weil mehr Menschen auf die Bahn umsteigen würden.

Im Juli war die Unpünktlichkeit der Deutschen Bahn weiter gestiegen, im Fernverkehr kam mehr als jeder vierte Zug zu spät. Die Quote pünktlicher ICE und Intercitys sank auf 72,1 Prozent, den niedrigsten Monatswert in diesem Jahr. Die extremen Sommertemperaturen führten laut Bahn zu mehr Störungen an Fahrzeugen und Infrastruktur. Es habe jedoch weniger hitzebedingte Ausfälle gegeben als in den Vorjahren.

Staatssekretär Ferlemann sagte mit Blick auf die zunehmende Unpünktlichkeit, er sei "sehr unzufrieden, wie das zurzeit läuft. Das muss besser werden, und das wird es auch."

Die Bahn begrüßte die Initiative des Bundes für einen Deutschland-Takt. "Er ist wichtige Grundlage für eine fahrplanbasierte Infrastrukturentwicklung", sagte eine Sprecherin. Das Unternehmen werde sich in den kommenden Monaten weiter an der Diskussion der Einzelheiten beteiligen.

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mmq/dpa



insgesamt 39 Beiträge
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Frida_Gold 22.08.2018
1.
Ein erster Schritt wäre es, genug Züge und Personal vorzuhalten. Was da teilweise im Regionalverkehr der DB-Töchter abgeht, ist ein blanker Hohn. Züge werden zu spät oder gar nicht bereitgestellt, weil es gerade leider keine fahrbereite Lok gibt, man wartet eine halbe Stunde auf den Zugführer, die Räumfahrzeuge für Bäume etc. werden nur noch zentralisiert in wenigen Stellen aufbewahrt und müssen sich nach Stürmen aus der Zentrale heraus langsam voranknabbern, anstatt von drei Orten gleichzeitig aufzubrechen etc.
Socialmen 22.08.2018
2. Echt jetzt?
Pünktlichkeitsofensive der Bahn? Die Bahn ist doch eines dieser Unternehmen, welches jährlich zur Winterzeit immer wieder Überrascht ist, dass es schneit. Ich war Jahrelang ein Pndler mit der Bahn, und bin froh heute mit dem Auto zur Arbeit zu fahren, weil fast täglich ich für 50 km entfernung zum Arbeitsplat ca 1 1/2 Stunden unterwegs war, weil immer etwas war....Störung im Bertriebsablauf...Warten auf Anschlusszüge...ein ICE hat Vorfahrt...und zuletzt auch oft genannt Unfall mit Personenschaden.... Ich war es irgendwann leid, weil die Lebensqualität darunter litt. Das Autofahren kostet zwar etwas mehr, aber statt 1 1/2 Stunden bin ich jetzt nur 40 minuten Unterwegs. Sicherlich gibt es mal einen Stau, aber im verhältnis zu der häufigkeit von verspätungen der Bahn, ist dieses ertragbar!
the great sparky 22.08.2018
3. andere sicht wagen
wie wäre es mit einem reformierten fahrplan? statt ankunft um 15 uhr, abfahrt um 15.05 uhr neu: geplante ankunft zwischen 15 uhr und 16 uhr, geplante abfahrt zwischen 15 uhr und 16 uhr. mit soviel puffer sollte es doch zu schaffen sein, oder? mit dieser deutschen pünktlichkeit können doch heutzutage immer weniger in diesem land etwas anfangen. orientiert euch an den menschen.
doedelf 22.08.2018
4. Ebenfalls geplagter Pendler
Lebe und Arbeite in der Rhein-Main Region. Autofahren macht hier keinen Spaß, grade wenn man wie ich einmal um Frankfurt herum muß (Wohsitz diagonal auf der anderen Seite vom Arbeitsplatz). Mit dem Auto hat man A3/A5 zur Auswahl und "freut" sich um die meistbefahrene Autobahn/Kreuz in Deutschland. Also fährt man Bahn - nicht von irgendwo, sondern extra von einem "Haupthub" (Hanau) - doch das ist genauso Mist. Morgens versuche ich gar nicht erst mit einem Regionalzug zu fahren - die sind alle grundsätzlich zu spät. Ich steig direkt in die S-Bahn, die teilweise eingleisig unterwegs ist. Dafür sind die durchschnittliche Verspätungszeit von 5-10 Minuten "gut" kalkulierbar. Abends versuche ich es dann mit einem der zahlreichen Regionalzüge ab Frankfurt/Hbf. Das ist wie Lotto, wobei die chance das der Zug pünktlich ist genau der auf einem sechser entsprechen dürfte. Der Regionale Verkehrsverbund RMV steht umgangssprachlich nicht umsonst für "Reisen mit Verspätung". Natürlich freut man sich Jahr für Jahr daraf das wir hier den teuersten und unpünktlichsten Verkehrsverbund Deutschlands haben. Hell yeah - Mainhatten nimmt es eben auch mit NY City auf wenns um Staus geht, sowohl auf der Schiene als auch Straße.
Kamillo 22.08.2018
5. Stuttgart 21
Interessant, dass die DB nun von einem Integrierten Taktfahrplan (ITF) für ganz Deutschland spricht. In den Streitigkeiten zu Stuttgart 21 war das ein großes Thema zur Leistungsfähigkeit des Bahnhofs. Damaliges Statement der Bahn war, dass es einen ITF nie geben wird. Stuttgart 21 ist nicht für einen ITF auch nicht geeignet, der alte Kopfbahnhof wäre es aber. http://wikireal.org/wiki/Stuttgart_21/ITF
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