Versuchte Bestechung in Kuwait Siemens deckt neue Korruption auf

Die Selbstkontrolle scheint zu funktionieren: Nach SPIEGEL-Informationen sind Siemens-Mitarbeiter in Kuwait zu einer millionenschweren Bestechungszahlung gedrängt worden. Der Konzern zahlte nicht - und informierte die Staatsanwaltschaft.

Siemens-Logo: Ärger in Kuwait

Siemens-Logo: Ärger in Kuwait


Hamburg - Siemens hat erneut mit Bestechungsvorwürfen zu kämpfen. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt seit kurzem im Zusammenhang mit dem Bau eines Kraftwerks im Emirat Kuwait.

Dort sollen Siemens-Mitarbeiter zu Beginn dieses Jahres von einem Mittelsmann eines Ministers zu Schmiergeldzahlungen gedrängt worden sein, um den Auftrag im Wert von gut 180 Millionen Euro gegen einen japanischen Konkurrenten zu ergattern. Von mindestens 1,25 Millionen Euro Bestechungsgeld für den Politiker war die Rede.

Eine Geldübergabe kam allerdings nicht zustande. Zudem hat Siemens nach ersten Hinweisen auf die geplanten Zahlungen selbst die Münchner Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Drei Mitarbeitern des Konzerns, die mit dem Kuwait-Projekt betraut waren, wurde fristlos gekündigt. Gegen sie ermittelt die Staatsanwaltschaft nun wegen Bestechungsverdachts. Mindestens zwei Betroffene kamen zunächst in Untersuchungshaft.

Siemens hat wegen des Falls inzwischen auch die US-Börsenaufsicht SEC über den Fall informiert, unter deren Kuratel das Unternehmen seit der Korruptionsaffäre aus dem Jahr 2006 steht. Man sei "sofort und mit aller Härte gegen die Verdächtigen vorgegangen", heißt es im Konzern, dessen Chef Peter Löscher in der Vergangenheit damit beschäftigt war, mit der in der Vergangenheit üblichen Schmiergeldpraxis des Konzerns aufzuräumen.

Die Staatsanwaltschaft wollte sich zu dem Verfahren nicht näher äußern, die Ermittlungen seien noch am Anfang.

ssu



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sir.viver 10.06.2011
1. cool
und jetzt kriegt die japanische Fa. den Auftrag. Das Bestecheungsgeld waere eine gute Investition gewesen, ein Betrag, den man aus der Portokasse haette zahlen koennen. Wie realitaetsfremd ist die Wirtschaft heute? Damit hat sich SIEMENS ein mords Eigentor geschossen, die faesst keiner mehr mit der Kneifzange an. Bestechung gehoert in vielen Laendern einfach dazu. Es durch die Gutmenschen-Weltverbessererbrille zu sehen ist nicht blauaeugig, das ist dumm.
idealist100 10.06.2011
2. Sehen Sie
Zitat von sir.viverund jetzt kriegt die japanische Fa. den Auftrag. Das Bestecheungsgeld waere eine gute Investition gewesen, ein Betrag, den man aus der Portokasse haette zahlen koennen. Wie realitaetsfremd ist die Wirtschaft heute? Damit hat sich SIEMENS ein mords Eigentor geschossen, die faesst keiner mehr mit der Kneifzange an. Bestechung gehoert in vielen Laendern einfach dazu. Es durch die Gutmenschen-Weltverbessererbrille zu sehen ist nicht blauaeugig, das ist dumm.
Was den Politikern sprich Parteien recht ist sollte Industrieunternehmen billig sein. Aber wir sind ja so usa hörig. Bei Parteispenden von 1 Mill kommt ja auch 1 Mrd. rüber. Hier geht es um Arbeitsplätze und Gewinn.
mcmountain 10.06.2011
3. Eigentor?
Es ist und bleibt Betrug, wenn Schmiergelder zur Auftragsvergabe führen. Oder wollen wir dann doch den Hamburger Hafen öffnen (Markenpiraterie) oder die Schweizer Konten unangetastet lassen? Ein Eigentor kann ich nicht erkennen - Vielleicht sitzen Sie auf der falschen Hälfte des Spielfeldes? ;-)
yogti 10.06.2011
4. Siemens handelt hier richtig und vorbildlich
Zitat von idealist100Was den Politikern sprich Parteien recht ist sollte Industrieunternehmen billig sein. Aber wir sind ja so usa hörig. Bei Parteispenden von 1 Mill kommt ja auch 1 Mrd. rüber. Hier geht es um Arbeitsplätze und Gewinn.
Sicher... und wenn wir die Massenvernichtungswaffen nicht herstellen machts ein anderer. Also sollten wir doch hier unsere Arbeitsplätze sichern.... Was ist das für eine kranke Logik? Korruption - weltweit - ist eine der übelsten Geschwüre im Wirtschaftsleben. Sie sorgt dafür, dass sich Innovationen nicht durchsetzen, das Arme arm bleiben etc.
Moebius07 10.06.2011
5. Nutzniesser sind andere Unternehmen
Zitat von sysopDie Selbstkontrolle scheint zu funktionieren: Nach SPIEGEL-Informationen sind Siemens-Mitarbeiter in Kuwait zu einer millionenschweren Bestechungszahlung gedrängt worden. Der Konzern zahlte nicht - und informierte die Staatsanwaltschaft. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,767774,00.html
Ich hoffe die amerikanische Börsenaufsicht geht auch mit Unternehmen aus den USA genauso um wie diese es mit Siemens gemacht haben. Es ist zudem schön zu lesen, das die Selbstkontrolle bei Siemens klappt, nur glaube ich das andere Unternehmen den Nutzen daraus ziehen und zukünftig Aufträge durch Schmiergeldzahlungen an Land ziehen. Wenn Siemens nicht mehr schmiert, dann macht es halt die Konkurrenz. Zumindest scheint bei den Golf-Staaten vieles mit Geld verbunden zu sein. Ich will ja niemanden etwas schlechtes nachsagen, aber man hat schon manchmal die Vermutung, die Golfstaaten kaufen sich alles und jeden zusammen, siehe Katar und die Fußball-WM...
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