Verunglückter Säuretanker: Rhein-Blockade bremst Produktion bei BASF

Der Rhein ist wegen eines gekenterten Tankers seit Tagen gesperrt - das hat jetzt Folgen für BASF: Im Stammsitz des Chemiekonzerns in Ludwigshafen werden einzelne Rohstoffe knapp, Kunden müssen sich auf Lieferverzögerungen einstellen.

Gekenterter Tanker: Havarie auf dem Rhein Fotos
AFP

Frankfurt - Die Sperrung des Rheins bringt BASF Chart zeigen in Schwierigkeiten: Am Stammsitz des Chemiekonzerns in Ludwigshafen müsse wegen Versorgungsengpässen bei Rohstoffen für einzelne Substanzen die Fertigung heruntergefahren werden, gab das Unternehmen am Donnerstag bekannt. Der Rhein ist ein wichtiger Weg für die Versorgung des Stammwerks und den Transport von Stoffen Richtung Nordsee.

Die Versorgungssituation für Ludwigshafen variiere je nach Rohstoff, heißt es bei BASF. Für viele wichtige Substanzen sei sie derzeit noch gesichert. Bei einzelnen Produkten komme es derzeit zu Lieferschwierigkeiten und -verzögerungen. Der Konzern habe seine Kunden frühzeitig informiert und arbeite an Lösungen.

Auf dem Rhein war vor rund einer Woche ein Tanker mit 2400 Tonnen Schwefelsäure an Bord gekentert. Nach dem Unglück in unmittelbarer Nähe der Loreley war der Fluss für den regulären Schiffsverkehr gesperrt worden. Zwei der vier Besatzungsmitglieder wurden gerettet, die übrigen zwei werden noch vermisst.

Das Schiff war auf dem Weg von BASF in Ludwigshafen nach Antwerpen. Nach dem Unglück hatte das Unternehmen die Transporte vom Rhein auf Schienen und Straßen verlagert und für die Versorgung seines Stammwerks auch auf Vorräte zurückgegriffen.

Am Wochenende werden Kräne geliefert

Am Mittwoch hatte ein Schiff erstmals nach dem Unglück versuchsweise die Stelle vor der Loreley passiert. Das Wasser- und Schifffahrtsamt Bingen ließ einen kleinen Frachter vorbeifahren. Der verunglückte Tanker habe sich dabei nicht bewegt, teilte die Behörde mit. Auch am Donnerstag sollen ausgewählte Schiffe flussaufwärts die Stelle passieren dürfen, die anderen müssen auf den Liegeplätzen bleiben. Rund 250 Schiffe warten derzeit auf die Weiterfahrt.

Zuvor hatte es Fortschritte bei der Sicherung des gesunkenen Schiffs gegeben, das abzurutschen drohte. Ein zweiter Ponton traf an der Unglücksstelle bei St. Goarshausen ein. Damit kann das Schiff zusätzlich gesichert werden. Unter dem havarierten Schiff hatte sich im sandigen Flussbett eine zweite Mulde gebildet. Zudem war die erste Vertiefung breiter und größer geworden. Vor Ort ist ein Baggerschiff in Bereitschaft, das die Mulde auffüllen könnte, wenn eine Unterspülung des Schiffes droht.

Der rheinland-pfälzische Innenstaatssekretär Roger Lewentz (SPD) hatte erklärt, drei Schwimmkräne, die zur Bergung des 110 Meter langen Tankers angefordert seien, würden am Wochenende an der Unfallstelle erwartet - der erste am Freitagabend. Ziel sei es, das Wrack leerzupumpen. Wenn dies nicht gelinge, soll die Schwefelsäure kontrolliert in den Rhein abgelassen werden.

Die Bergung dürfte Wochen dauern

Die Genehmigungen für "diesen schlimmsten Fall" lägen vor. Die Säure werde dann mit 50 Litern pro Sekunde aus den insgesamt sieben Kammern fließen. Da an jener Stelle vier Millionen Liter Wasser pro Sekunde im Rhein fließen, würde die Säure so verdünnt, dass sie einige Meter weiter kaum mehr messbar sei. "Die Situation ist beherrschbar", sagte Lewentz. Nach Behördenangaben zeigen Wasseruntersuchungen an der Unglücksstelle weiterhin keine auffälligen Werte.

"Die Gefahr, dass das doppelwandige Schiff ganz auseinanderbricht, ist gering", sagte Uwe Gilberg-Rindsfüßer von der Einsatzleitung. Insgesamt sei die ganze Situation aber "keine ungefährliche Sache". Die Bergung des Tankers werde Wochen dauern. Allein die Vorbereitungen zum Abpumpen des Havaristen nähmen eine ganze Woche in Anspruch, sagte Gilberg-Rindsfüßer. Nach der Verankerung des zweiten Pontons sollen Taucher Proben der Ladung entnehmen. Die Untersuchung sei wichtig, um den Zustand die Säure zu überprüfen.

hut/Reuters/dpa

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