Sponsoringaffäre beim VfL Wolfsburg Behörden ermitteln gegen VW-Vorstand

Die Sponsoringaffäre um den VfL Wolfsburg erreicht die Spitze von Volkswagen: Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Autokonzern und seinen Einkaufsvorstand Javier Garcia Sanz. Sie hätten nicht genug getan, um mutmaßliche Gegengeschäfte mit dem VfL-Sponsor T-Systems zu verhindern.

Volkswagen-Vorstand Garcia Sanz: Im Nebenjob VfL-Aufseher
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Volkswagen-Vorstand Garcia Sanz: Im Nebenjob VfL-Aufseher


Hamburg - Bereits seit 2011 laufen Ermittlungen gegen Mitarbeiter von Volkswagen (VW) und der Telekom. Es geht um Sponsoringgeschäfte mit dem Bundesliga-Verein VfL Wolfsburg, der zu 100 Prozent VW gehört. Der Verdacht: VW-Mitarbeiter forderten von der Telekom-Tochter T-Systems die Verlängerung eines Sponsoringvertrags für den VfL - um im Gegenzug einen hochdotierten Vertrag zwischen Volkswagen und T-Systems weiterzuführen.

Nun hat die Affäre auch die Führungsspitze von Volkswagen erreicht. Ermittelt werde gegen Volkswagen und einen Einkaufsvorstand, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Stuttgart am Donnerstag und bestätigte damit einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung" ("SZ"). Dem Bericht zufolge muss sich Volkswagen-Einkaufsvorstand Francisco Javier Garcia Sanz in seiner Rolle als Aufsichtsratschef beim VfL verantworten. Demnach werfen die Ermittler Garcia Sanz und dem Konzern vor, sie hätten nicht genug getan, um mutmaßliche Straftaten zu verhindern und damit ihre Kontrollpflichten verletzt. Derzeit liefen die Untersuchungen noch, hieß es bei der Staatsanwaltschaft.

Zwei Führungskräfte aus der Einkaufssparte von Garcia Sanz sind in Stuttgart wegen Bestechung angeklagt, drei ehemaligen Managern der Telekom-Tochter T-Systems wird Bestechlichkeit vorgeworfen. Einer der Beschuldigten wohnt in Stuttgart, wo auch die Telekom-Tochter T-Systems aktiv ist. Deshalb übernahm die dortige Justiz die Ermittlungen. Der Prozessbeginn ist noch offen.

Die Ermittlungen haben laut "SZ" viele Indizien dafür zutage gefördert, dass VW jahrelang Lieferanten gedrängt hat, den VfL zu sponsern oder gar die Vergabe von Aufträgen an ein finanzielles Engagement beim Werksclub knüpfte. Garcia Sanz sagte als Zeuge in Stuttgart aus, er habe seinen Mitarbeitern bei einer Bereichsleitersitzung möglicherweise gesagt, man müsse sich bei VW auch um den VfL kümmern. Alle Mitarbeiter hätten dann schon gewusst, was zu tun sei. Falls Garcia Sanz und VW tatsächlich ihre Kontrollpflichten verletzt hätten, müssten sie dem Bericht zufolge laut Ordnungswidrigkeitengesetz maximal jeweils eine Million Euro zahlen.

VW hat die Vorwürfe wiederholt zurückgewiesen. Niemand sei zum Sponsoring beim VfL gedrängt worden. Zum Bußgeldverfahren gegen VW und Garcia Sanz erklärte ein Konzernsprecher laut "SZ", die Vorwürfe seien unbegründet und "substanzlos".

dab/dpa-AFX



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