Zoff bei Pro Bahn: Vize von Fahrgastverband wirft hin

Beim Fahrgastverband Pro Bahn gibt es Streit über die Rolle des Ehrenvorsitzenden. Dieser soll laut "Süddeutscher Zeitung" künftig indirekt von der Bahn bezahlt werden. Einer der Vize-Chefs gab deshalb jetzt sein Amt auf. Er kritisiert, der Vorstand setze seine Unabhängigkeit aufs Spiel.

Regionalzug der Deutschen Bahn: Eklat beim Fahrgastverband Pro Bahn Zur Großansicht
dapd

Regionalzug der Deutschen Bahn: Eklat beim Fahrgastverband Pro Bahn

Hamburg - Der Fahrgastverband Pro Bahn ist um Kritik an der Deutschen Bahn selten verlegen. Ob defekte Klimaanlagen, Verspätungen oder steigende Preise: Vertreter des Verbandes haben den Konzern immer wieder scharf kritisiert. Eine Voraussetzung dafür ist die Unabhängigkeit von Pro Bahn. Doch genau die sieht einer der stellvertretenden Vorsitzenden nun gefährdet.

Heiner Monheim wirft dem Verbandsvorstand laut "Süddeutscher Zeitung", "durch Annahme von Geldern aus dem Bahn-Umfeld" die Unabhängigkeit von Pro Bahn preiszugeben. Er sehe "Parallelen zu früheren Verhaltensweisen" unter Ex-Chef Hartmut Mehdorn, der Kritiker mit lukrativen Angeboten habe ruhigstellen wollen.

Der Hintergrund des Streits: Der Ehrenvorsitzende Karl-Peter Naumann soll künftig fest bei Pro Bahn angestellt werden. Bislang arbeitet er wie fast alle Verbandsmitglieder ehrenamtlich. Konkret soll er untersuchen, wie die Bahn sicherstellen kann, dass Kunden und Mitarbeiter sich sicherer fühlen - zum Beispiel, wenn sie nachts im Zug sitzen. Bezahlt werden soll das vom "Fonds für soziale Sicherung". Dieser wurde eingerichtet, um Bahn-Mitarbeiter finanziell abzusichern. Das Geld aus dem Fonds kommt fast ausschließlich von der Bahn. Indirekt würde die Bahn also Naumanns Gehalt bezahlen. Für Monheim ein untragbarer Zustand, er tritt als Vizechef von Pro Bahn zurück.

Ein Bahn-Sprecher wies die Vorwürfe in der "Süddeutschen Zeitung" als "absurd" zurück. Der Konzern finanziere den Fonds zwar, bestimme aber nicht, wie das Geld verwendet werde. Selbstverständlich könne sich Naumann auch künftig kritisch äußern.

cte

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Kein Fahrgastverband
stony_1972 17.01.2013
Besser wäre es, wenn sich "Pro-Bahn" gleich ganz auflöst. Denn wer sich von der "Deutschen Bahn AG" bezahlen und finanzieren lässt, hat kein Recht darauf, sich "Fahrgastverband" zu nennen.
2. Sturm im Wasserglas
albert schulz 20.01.2013
Kollaboration im Hintergrund wegen irgendwelcher parteilicher, persönlicher oder beruflicher Querverbindungen ist eher die Regel als die Ausnahmen. Was so mancher Verein mit höchst ehrenhaften Zielen veranstaltet, um an Geld zu kommen, spottet jeder Beschreibung. Mal abgesehen von denen, die nur gegründet wurden, um obskuren Absichten ein hübsches Mäntelchen umzuhängen. Natürlich steuerbegünstigt. Strohmänner, die ihre Rübe vors Mikrophon halten, sind überall zu haben. Die Entwicklung zur harmonisierten Gemeinsamkeit ist überall zu verspüren. Die Meinungen sind großenteils einheitlich und gleichgeschaltet, und auch bei den gegnerischen Äußerungen hat man nur noch den Eindruck, als gehorche das Ganze einer übergeordneten Regie. Man dirigiert und reguliert also auch den Widerspruch. Und bezahlt ihn auch. Mich erinnert das immer an den Vorstand vom FC Bayern. Irgendeiner redet absoluten Blödsinn, ein anderer behauptet das Gegenteil, nicht weniger beknackt, beide kommen in die Zeitungen, die etwas zu schreiben haben, die Anhänger und Gegner haben ein Gesprächsthema, und es passiert rein nichts. Aber die Leut haben sich aufregen können. Über nichts und wieder nichts. Wie über die Demokratie in China zum Beispiel, von der keiner einen blassen Schimmer hat, am wenigsten die Fachleute. Oder man bringt ganz clever herrschende Meinung und vorgeschriebene Gegenmeinung im Wechsel. Dann können sich alle aufregen. Der gute Rebell ist ein Romantiker, ziemlich deutsch. Der glaubt an den Rotz, der gesagt und geschrieben wird. Er machte es besser wie alle: absahnen, wo man was kriegen kann. Und über Dinge diskutieren, die völlig unerheblich sind. Also die Windmühlen des Spiegel. Sie werden nicht durch Wind angetrieben, sondern machen Luft und Geld.
3. Pro Bahn ist nicht korrupt.
michelvoss 28.01.2013
Zitat von stony_1972... "Pro-Bahn" ... von der "Deutschen Bahn AG" ... finanziert ... .
" ". Nur der EHEMALIGE Vorsitzende will für die DB arbeiten. 95 % der Aktiven haben keine Aussicht auf Übernahme durch die DB - auch wenn sie jahrelang ihre Wochenenden auf langweiligen oder nerven-aufreibenden Mitglieder-Versammlungen geopfert haben. Wie in allen Vereinen, erhoffen die Vorsitzenden jedoch für ihr oft Jahrzehnte-langes Engagement durch Ehre oder Geld anerkannt zu werden.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte
RSS
alles zum Thema Deutsche Bahn
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 3 Kommentare
Fotostrecke
Logistik-Riese: Wichtige Fakten über die Bahn

Deutsche Bahn
Der Konzern
dpa
Mit einem Umsatz von 39,3 Milliarden Euro und weltweit 285.000 Mitarbeitern ist die Deutsche Bahn einer der größten Konzerne des Landes. 2012 machte die Bahn einen Gewinn von 1,5 Milliarden Euro. Jedes Jahr transportiert die Bahn weltweit fast zwei Milliarden Reisende im Fern- und Nahverkehr.
Die Geschäftsfelder
Die Deutsche Bahn bietet neben dem Personenverkehr auch andere Transport- und Logistikdienstleistungen (DB Schenker) an. Gut ein Drittel des Umsatzes erzielt das Unternehmen mit dem Fern- und Nahverkehr und dem Betrieb von Bussen im Stadtverkehr. Der Bereich DB Schenker, in dem unter anderem der Schiengüterverkehr gebündelt ist, trägt rund die Hälfte zum Gesamtumsatz bei.
Der Chef
REUTERS
Rüdiger Grube ist seit Mai 2009 Chef der Deutschen Bahn. Der Top-Manager hat sich von der Hauptschule über eine Berufsausbildung und ein Studium bis an die Spitze des Logistikkonzerns hochgearbeitet. Vor seinem Wechsel zum Staatsunternehmen war er im Vorstand des Autobauers Daimler für die Konzernentwicklung zuständig. Davor arbeitete Grube mehrere Jahre bei der Daimler-Benz Aerospace (DASA), die später im Luft- und Raumfahrtkonzern EADS aufging.