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Milliardendeal auf US-Mobilfunkmarkt: Drei Optionen für Vodafone

Von manager-magazin-Redakteurin Astrid Maier

Vodafone will sein US-Geschäft verkaufen, ein entscheidender Wendepunkt in der Geschichte des Konzerns. Der Deal bringt Milliarden Dollar in die Kasse. Nun muss das Unternehmen intelligent zukaufen - oder es wird selbst zum Übernahmekandidaten.

Vodafone-Filiale (in London): Geld in der Firmenkasse für sinnvollere Zwecke verwenden Zur Großansicht
REUTERS

Vodafone-Filiale (in London): Geld in der Firmenkasse für sinnvollere Zwecke verwenden

Hamburg - Vittorio Colao, Chef des Mobilfunkers Vodafone, hat ein anstrengendes Wochenende hinter sich, und die Woche, die vor ihm liegt, dürfte kaum mehr Entspannung bringen. Am Sonntag traf sich das Board des britischen Konzerns, um über den Ausstieg aus dem US-Geschäft zu beraten. Heute, im Laufe des Tages, wird Colao wohl die Details des Deals der Öffentlichkeit präsentieren.

130 Milliarden Dollar schwer dürfte der Verkauf des 45-prozentigen Anteils am amerikanischen Joint Venture mit Verizon Chart zeigen werden - ein Geschäft der Superlative. Colao stellt mit seinem US-Abschied Vodafone nun vor den wichtigsten Wendepunkt in der gesamten Unternehmenshistorie.

Das Joint Venture mit den Amerikanern war für den britischen Konzern ohnehin nie ein strategisches, sondern schon immer eine reine Finanzbeteiligung. Die Aktionäre von Vodafone Chart zeigen konnten von der Dividendenzahlungen des weltweit erfolgreichsten Mobilfunkunternehmens Verizon profitieren. Ob und wie viel Verizon ausschüttete, darauf hatte die Vodafone-Truppe jedoch als Minderheitseigner nie Einfluss.

Colao hat nun entschieden, dass er das Geld in der Firmenkasse für sinnvollere Zwecke verwenden möchte.

Der italienische Firmenlenker mit Abschluss von der Elite-Universität Bocconi steht nun vor drei Alternativen:

• selbst in Europa auf Einkaufstour zu gehen,

• Geld an die Anteilseigner auszuschütten und so Kurspflege der Vodafone-Aktie zu betreiben.

• Wenn keine der beiden ersten Optionen gelingt, wird Vodafone selbst zum Übernahmeziel zu verkommen.

Noch zeichnet sich nicht ab, auf welchen Pfad Colao es vermag, Vodafone zu führen. Er wird zunächst freilich keine 130 Milliarden Dollar vom amerikanischen Partner in cash ausgezahlt bekommen, vielmehr zeichnet sich ein Mix aus Barem, Beteiligungen und Aktien ab. Zudem wird Vodafone wohl kräftig Steuern für den Deal zahlen müssen.

Nichtsdestotrotz wird am Ende genügend Geld in der Kriegskasse hängen bleiben, damit Colao überall dort in Europa und in Schwellenländern zukaufen kann, wo er nicht über ein eigenes Festnetz verfügt. Von 60 Milliarden Dollar ist derzeit die Rede.

Zukäufe: Jüngstes Vorbild für diese Strategie ist der im Juni angekündigte Kauf des deutschen Kabel-Anbieters Kabel Deutschland. So könnte Vodafone sich in einer Telekommunikationswelt, in der leistungsstarke Festnetze unabdingbar sind, gegen die Konkurrenz von Deutsche Telekom Chart zeigen & Co. behaupten.

Unternehmen, die auf Colaos Shoppingliste stehen dürften: Ono in Spanien, Fastweb in Italien, Ziggo in den Niederlanden. So eine Einkaufstour nach der Flickenteppich-Methode hat aber Nachteile. Sie ist umständlich, erfordert viel Zeit.

Intelligenter wäre es für Colao, sich gleich den weltweit größten Kabel-Konzern Liberty Global Chart zeigen einzuverleiben - oder zumindest dessen europäisches Geschäft. Top-Manager von Liberty Global, zu dem Konzern gehört der deutsche Kabel-Verbund Unitymedia Kabel BW, sind dem Konzept zumindest nicht abgeneigt. Nun kommt es darauf an, wie geschickt Colao sich dem Liberty-Eigner John Malone annähert.

Kurspflege: Die Vodafone-Anteilseigner wollen indes auch von dem Geldsegen aus Amerika profitieren. Das Lager scheint gespalten zwischen jenen, die möglichst viel an Ausschüttungen von Colao erwarten - auch um den Vodafone-Kurs damit in die Höhe zu treiben - und jenen, die Colao das Mandat zum Einkaufen erteilen wollen. Wie auch immer sich der Vodafone-Chef entscheidet, er wird sich beeilen müssen.

AT&T lauert schon: Denn ohne den Verizon-Anteil, der je nach Schätzungen bis zu 70 Prozent des gesamten Firmenwertes ausmacht, wird Vodafone selbst zur leichten Beute. Besonders viel Appetit scheint der amerikanische Konzern AT&T zu haben. AT&T-CEO Randall L. Stephenson hat bereits angekündigt, in Europa zugreifen zu wollen, wenn sich eine günstige Gelegenheit ergibt. Wie geschickt Vittorio Colao in den kommenden Wochen und Monaten verhandeln und taktieren wird, entscheidet darüber, ob Vodafone am Ende selbst fressen oder gefressen werden möchte.

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insgesamt 6 Beiträge
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1. Vodafone will Kontrolle übernehemen
uwelmeyer 02.09.2013
Die NSA hat dies höchstwahrscheinlich abgesegnet. Jetzt können die Briten Kabel Deutschland und andere Netze kaufen. Bundeskartellamt sagt nur Amen Beim Routen tauchen verstärkt Vodafone-IP´s auf.
2. 45% Anteile? Und kein Einfluss?
psynok 02.09.2013
und einer der bei Apple 1% hält kann Druck auf die machen?
3.
itsjustbtmg 02.09.2013
Zitat von psynokund einer der bei Apple 1% hält kann Druck auf die machen?
Nein, das wurde nur hochgebauscht und etwas falsch dargestellt. Carl Icahn wollte schlichtweg durch den Kursanstieg den seine Beteiligung auslöste profitieren...
4. Tja...
count_zer0 02.09.2013
...da kann man Vodafone nur das Schlechteste wuenschen. Mit dem deutschen Traditionskonzern Mannesmann hatten die Briten auch keine Gnade. Faende es eine schoene Ironie wenn die Chinesen den Saftladen, der sich nebenbei auch noch den Geheimdiensten andient, kaufen und fein ausschlachten und tranchieren wuerden.
5. Liberty Media
der_rookie 02.09.2013
Falls Vodafone liberty Media kaufen will, dann kommt zumindest deren Deutschlandgeschäft wieder auf den Markt.
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